Was ist das klaerwerk-blog?

12. August 2010
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Liebe Leserinnen und Leser,

seit August 2010 gibt es das klaerwerk-blog.de

Sie fragen: Was ist das?
Zunächst, was ist ein (we)b-logbuch ?  Dazu informieren Sie sich bitte unter der Rubrik „Wie funktioniert das hier?“

Und ein Klärwerk? Das für uns zuständige befindet sich im unserem Nachbarlandkreis Dahme-Spreewald, in Waßmannsdorf. Dort wird schmutziges Wasser mit Hilfe vieler engagierter Mitarbeiter so gereinigt, dass aus dem Wasserhahn wieder ein Lebensmittel kommt, dass jederzeit mit Genuss getrunken werden kann. Wirklich erstaunlich, was sich so an Fundstücken ansammelt in einer Kläranlage, angefangen vom Ehering über das Handy bis zum Gebiss.

Als Gründungsmitglied der Wählergemeinschaft BürgerBündnis Blankenfelde weiß ich aus vielen Gesprächen, die Zeit ist längst reif für ein Klärwerk auf dem Boden unserer Gemeinde. Höchste Zeit für ein Internet-Klärwerk angesichts vieler, interessanter „Fundstücke“, die sich hier – angespült aus diversen Rohrleitungen – in den letzten Jahren angesammelt haben. Warum eigentlich wollen wir uns diese noch länger gegenseitig vorenthalten?

Nach einem ersten, unterbrochenen Anlauf in Sachen online-Zeitung bin ich im Dezember 2009 zufällig auf einen Beitrag in der Berliner Zeitung gestoßen. Darin ging es um den freien Journalisten Hardy Prothmann, der seit über einem Jahr im nordbadischen Heddesheim ein blog betreibt, das bundesweit als Modell für die Zukunft des Lokaljournalismus gesehen wird.

Er hat uns kürzlich in Blankenfelde besucht. Bernd Heimberger und ich haben die Zeit mit ihm für einen intensiven Austausch über inhaltliche und technische Fragen genutzt. Herzlichen Dank an dieser Stelle, Herr Prothmann, für diese wichtige Starthilfe.

Nun also endlich ein Klärwerk vor Ort. Ein Klärwerk, das mittels transparenter, „technologischer“ Verfahren die geistigen Exkremente aufarbeiten und behandeln soll, die einschlägige Wichtigmenschen täglich vor und hinter der Kulisse Öffentlichkeit hinterlassen. Ohne Rücksicht auf die Umwelt!

25.08.2010 Besuch im "Patenbetrieb" - Bernd Heimberger und Jörg Blunk vor dem Einlaufwerk / Das heißt wirklich so!

Übrigens, haben Sie schon einmal von einem „unabhängigen“ Klärwerk gehört? Sparen wir uns also das übliche Jonglieren mit infizierten Begriffen. Entweder ein Klärwerk funktioniert (klares, Wasser) oder es funktioniert nicht.

„Wir müssen die Scheiße wieder aus den Gehirnen bekommen.“- so eine Bürgerin aus Mahlow kürzlich im Gespräch. Nun, diese Sprache sollten wir nur in Ausnahmefällen nutzen. Andererseits, für den Bürger Peter Sloterdijk steht fest „ … dass Zorn unter die erneuerbaren Energien zu rechnen ist.“ („Zorn und Zeit“, S. 175, Suhrkamp 2006).

Deswegen haben Politiker diverser Couleur auch Angst vor dem Internet und warnen vor einschlägigen Gefahren. Eigentlich ein gutes Zeichen – Angst, weil man scheinbar die Kontrolle verliert. Man sieht sich nun Meinungen ausgesetzt, die man vorher ignorieren konnte. Das ist unbequem für alteingesessene (Lokal)politiker, (Lokal)journalisten und Langschläfer. Zeit, den Wecker wieder zu stellen!

„Wir klären das für Sie“ – heißt es in einer Informationsbroschüre anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Zentralkläranlage Wilhelmshaven.

Eine Einbahnstrasse?! Genau so ist das hier nicht gedacht. Im Unterschied zu den Kläranlagen in Wilhelmshaven oder Waßmannsdorf soll das Klärwerk-blog wechselseitige Klärungsprozesse befördern. Denn wir leben in einer Welt, in der es keinen erhöhten Punkt gibt, von dem aus man besser sehen könnte als durch Eure/Ihre Augen.

Machen Sie also mit als kritischer Leser, Volkskorrespondent der anderen Art, Ideengeber oder Bürger mit profundem Fachwissen!

Herzlich Willkommen.

Jörg Blunk

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6 Responses to Was ist das klaerwerk-blog?

  1. Matthias Stefke
    22. August 2010 at 10:35

    Sehr geehrter Herr Blunk,

    herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Initiative, diesen Blog einzurichten.

    Es wird in der Tat höchste Zeit, die Öffentlichkeit in unserer Gemeinde über Hintergründe
    der Tagespolitik über ein solches Medium zu informieren.
    Aus jahrelangem eigenem Erleben weiss ich, wie hier in dieser Gemeinde von „interessierter Seite“ gewisse Dinge verklärt werden (sollen). Ich werde sicher regelmäßig diesen Blog nutzen, um Fragwürdiges und Widersprüchliches aus unserer Gemeinde, dem Landkreis und dem Land Brandenburg zu Tage zu befördern.

    Sie werden vermutlich mit viel Widerstand rechnen müssen, dürfen sich aber ganz sicher auch auf viel Zuspruch freuen.

    Herzlichen Dank für Ihren Mut und Ihr Engagement

    Mit freundlichen Grüßen

    Matthias Stefke
    Mitglied der Gemeindevertretung
    Blankenfelde-Mahlow

  2. Senger
    30. August 2010 at 17:46

    Lieber Herr Blunk, lieber Herr Heimberger,

    zuerst einmal gratuliere ich Ihnen zu Ihrem (auch grafisch) äußerst gelungenen Blog-Magazin! Sie bewegen sich mit dem Projekt im Strom der Zeit, denn virtuelle Plattformen, die Bürgerinnen und Bürgern Möglichkeiten zur gestaltenden Meinungsäußerung bieten, gründen sich derzeit allerorts.
    Ich hoffe, dass Viele das Potenzial an politischer Mitbestimmung sehen, das solche Blogs in sich tragen und wünsche Ihnen daher eine rege Partizipation.

    Als Geschichtsstudentin interessieren mich auch die geplanten Inhalte unter der Kategorie “Heimatgeschichte”. Wenn Sie Mithilfe bei der Erstellung dieser Inhalte benötigen können, dann melden Sie sich gerne bei mir.

    Viele Grüße,
    Stefanie Senger.

  3. Dr. Roland Hahn
    4. September 2010 at 11:14

    Hallo Herr Blunk,

    herzlich beglückwünschen möchte ich Sie zu diesem Blog. Ich glaube, er war bisher überfällig.
    Vielleicht ergibt sich demnächst mal die Gelegenheit, von meiner Seite etwas beizutragen.

    Beste Grüße

    Roland Hahn

  4. 24. September 2010 at 18:50

    Guten Tag!

    Schön, dass das Blog anfängt zu leben. Als Berater hat es mir sehr viel Freude gemacht, beim Start mitzuhelfen.

    Ich freue mich schon auf jede Menge „knackiger“ Geschichten, die Doku zum Rathaus zeigt die richtige Richtung an.

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann

  5. Matthias Stefke
    24. September 2010 at 19:51

    Sehr geehrter Herr Prothmann,

    Ihnen ist zu danken, für diese Idee und für die Beratung der Macher von Klaerwerk.

    Sie sehen zur Zeit nur die Spitze eines Eisbergs in der Kommunalpolitik von Blankenfelde-Mahlow. Die Titanic jedenfalls ist wegen des Teils des Eisbergs gesunken, der sich unterhalb der Wasseroberfläche befand. Der Vergleich hinkt vielleicht etwas, weil im Unterschied zur Titanic der Kapitän von Blankenfelde-Mahlow vermutlich n i c h t als Letzter von Bord gehen wird.

    Die Themen sind seriös recherchiert. Deshalb lohnt es, regelmäßig auf diese Seite zu schauen.

    Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Seite im Ort bereits verbreitet haben muss.
    Man wird auf einmal von vielen Leuten darauf angesprochen.

    Der Fall des gerade gestürzten Innenministers Speer zeigt, wie wichtig eine unabhängige Presse in einer Demokratie ist. Viele der Gewählten verhalten sich wie Erwählte, die glauben, dass man Ihnen nichts anhaben kann. So auch in unserer Gemeinde!

    Klaerwerk kann dazu beitragen, Licht ins Dunkle zu bringen, also Hintergründe und Zusammenhänge aufzuzeigen. Erschreckend ist, dass gerade diejenigen, die sich öffentlich als Super-Demokraten gerieren sich bei genauerer Betrachtung eher entgegengesetzt verhalten.

    Wichtig ist, dass es immer noch Journalisten und/oder Bürger/innen gibt, die denen das nicht durchgehen lassen und den Finger in die Wunde legen.

    Gut das es von dieser Spezies in zunehmender Zahl auch welche in Blankenfelde-Mahlow gibt!

    • 26. September 2010 at 11:24

      Guten Tag Herr Stefke!

      Ich werde das klaerwerk-blog regelmäßig besuchen – immer mit dem Bewusstein, dass es meine Zeit nicht erlaubt, detailliert in alle Themen einzusteigen.

      Vor ein paar Wochen habe ich den Aufbau betreut, in der nächsten Zeit berate ich Herrn Blunk und seine (noch kleine) Mannschaft journalistisch.

      Dazu gehört, dass ich Herrn Blunk sehr kompakt mein Wissen vermittle. Als Journalist arbeite ich seit 1991 – zunächst bei mittleren und dann bei vielen großen Medien. Seit Mai 2009 bin ich wieder Lokaljournalist und betreue drei Gemeinden in Nordbaden mit meinen Blogs, eine vierte kommt in Kürze dazu.

      Die Medienbranche befindet sich in einem drastischen Umbruch – vielleicht ähnlich der „Weber“ in der Industrialisierungsgeschichte.

      „Blogger“ und „Bürgerjournalisten“ werden bislang von den „etablierten Medien“ nicht ernst genommen und wenn sie doch ein Thema sind, werden sie als unprofessionell „erniedrigt“.

      In Teilen trifft die Kritik zu, wenngleich die Arroganz unangebracht ist: Blogs mit Themen wie (scherzhaft) „So sehe ich die Welt“, „Stricken für Liebhaber“ usw., werden keine relevante Öffentlichkeit finden. Das müssen sie auch nicht.

      Wenn Bürger oder Blogger sich im Netz betätigen, ist das aber erstmal ihr gutes Recht und für die Zielgruppen, die sie ansprechen, absolut in Ordnung.

      Blogger und Bürgerjournalisten, die wie die Mitarbeiter vom klaerwerk-blog, aber politische Öffentlichkeit herstellen wollen, werden sich zunehmend professionalisieren und vermutlich den „Bratwurstjournalismus“, also Verkündigungsjournalismus, der sich seit langem selbst „entprofessionalisiert“, mindestens bedrängen, wenn nicht bedrohen, wenn nicht sogar ablösen können.

      Von dieser „revolutionären“ Idee bin ich überzeugt. Dabei bin ich überhaupt kein Aktivist, gehöre keiner „Bewegung“ an, sondern benutze nur meinen Verstand und habe eine sehr dezidierte Haltung: Artikel 5 GG über die Meinungsfreiheit ist für mich einer der Eckpfeiler der Demokratie und übrigens die absolute Grundlage jeder Art von Journalismus.

      Ich selbst habe mich vor einem Jahr für dieses Experiment entschieden, habe meinen Lebensstandard deutlich eingeschränkt, um in der Erwartung fehlender Einnahmen die erste (Investitions-)Zeit überbrücken zu können.

      Da ich „Profi“ bin, ist mein Ziel, nicht nur einen besseren Journalismus als die „etablierten Medien“ anzubieten, sondern diesen auch durch Werbung und andere Einnahmen zu finanzieren.

      Dazu gehören explizit „Honorar-Aufträge“ wie die Beratung des klaerwerk-blogs. Es gibt einen Tauschhandel Erfahrung gegen Geld.

      Dabei bin ich trotzdem durch Ideale motiviert, aber eben nicht nur.

      Initiativen wie das klaerwerk-blog, die erstmal ausschließlich aus demokratischen Idealen gegründet wurden, sind deshalb „moralisch“ nicht unbedingt „besser“, aber sie verdienen sehr viel Respekt, weil sich hier Personen unentgeltlich für demokratische Ziele einsetzen und sogar bereit sind, Geld für diese Ideale zu investieren – möglicherweise ohne Chance, dieses „zurück zu verdienen“.

      Der „Verdienst“ besteht im Erfolg, eine wie auch immer geartete „große“ Öffentlichkeit zu erreichen. Wenn im Ort also über das klaerwerk-blog bereits gesprochen wird, ist das ein schöner Erfolg.

      Ergibt sich allerdings eine hohe Aufmerksamkeit, ist es auch möglich, Einnahmen zu erzielen, die möglichst wieder dem „Produkt“ zugute kommen.

      Den Erfolg auszubauen erfordert viel Energie und Gehirnschmalz. Und Mut – denn wer „legt“ sich schon freiwillig mit Behörden, Institutionen, dem „etablierten System“ an?

      Ich wurde bedroht, irgendein Depp hat mir ein Nagelbrett vor einen Reifen meines Autos gelegt – die Anfeindungen sind vielfältig. Ich bin aber auch – zugegeben – oft sehr provokant mit meiner Arbeit. Dabei achte ich aber immer Recht und Gesetz – Artikel 5 GG ist das, woran ich glaube.

      Jeder geht beim Aufbau einer öffentlichen Wahrnehmung seinen eigenen Weg. Herr Blunk und seine Mitarbeiter sicher einen anderen als ich (wobei ich hier schon ein paar Ideen bemerkt habe, die ich mir vielleicht „ausleihe“, sprich mich inspirieren lasse).

      Ein Teil meiner Beratung ist die Betonung der Transparenz. Das klaerwerk-blog hat einen politischen Hintergrund, der meiner Meinung nach immer wieder transparent gemacht werden muss – das fördert die Glaubwürdigkeit.

      Absolut entscheidend sind die Inhalte. Klar recherchierte Fakten sind absolut wichtig. Der Zweifel an allem – auch der eigenen Haltung und Arbeit – ist der Garant dafür, eine ordentliche und einwandfrei journalistische Arbeit zu machen.

      Das können auch Blogger und Bürgerjournalisten. Artikel 5 GG gilt für uns alle. Je professioneller dies geschieht, umso unschärfer wird die Unterscheidung zwischen „professionellen“ Journalisten und anderen Bezeichnungen. Am Ende bleibt vielleicht nur noch die Unterscheidung, dass der „Profi“ mit seiner Arbeit Geld verdient, der „Amateur“ aber nicht oder viel weniger.

      Das ist wie im Spitzensport – es gibt die Profiligen und die der Amateure. Die Leistungen der Amateure sind teils viel höher zu bewerten als die der „satten“ Profis.

      Oft sind die Profis aber frühere Amateure und verdienen (zu recht) ihr Geld, weil sie leistungsbereit sind und sich für eine „Karriere“ entscheiden.

      Im Bereich des Journalismus gibt es allerbeste Chancen, sehr schnell in der „Amateurliga“ ganz oben und dann in der Profiliga mitzumischen, weil die sportliche Herausforderung, wirklich Leistung zu bringen, schon lange nicht mehr gegeben ist.

      Die meisten Lokalzeitungen in Deutschland müssen sich schon seit Jahrzehnten keiner Konkurrenz mehr stellen. Ihre inzestuöse Monopolkultur schöpft nur ab, schafft aber nichts. Ein „sportlicher“ Ehrgeiz um die beste Information, die überzeugendste Meinung, findet kaum noch statt.

      Was im Lokaljournalismus geboten wird, ist oft so schlecht, dass es dafür nur die Klasse „minderwertig“ gibt.

      Ähnlich wie im Sport, wachsen Talente jenseits der Profi-Ligen. Ähnlich wie im Sport werden Talente irgendwann identifiziert und „aufgekauft“.

      Idealismus hat nur selten einen Verkaufspreis. Insofern bin ich sehr gespannt, wie sich das klaerwerk-blog entwickelt und wo und wie sich andere „klaerwerke“ entwickeln.

      Ich stehe als „professioneller Trainer“ gerne zur Verfügung und habe viel Spaß daran, wenn sich aus einem Talent und einem Ideal ganz konkrete Leistung entwickelt.

      Das klaerwerk-blog hat mit seiner Dokumentation zum „Parkhaus“ die Latte im Wettkampf um die öffentliche Meinung so hoch gelegt, dass man gespannt sein darf, ob sich die Märkische Allgemeine dieser Herausforderung stellen will.

      Vermutlich nicht. Meine Erfahrung mit meinem lokalen Monopolisten Mannheimer Morgen ist, dass man sich sicher wähnt, dass der „kleine Beißer“ Prothmann am besten nicht beachtet wird.

      Der Erfolg dieser „Strategie“ ist, dass mein heddesheimblog mittlerweile die öffentliche Diskussion im Ort bestimmt. Es gibt Zustimmung und es gibt Ablehnung – Tatsache ist, es kommt keiner mehr daran vorbei.

      Wenn meine Beratung dazu beiträgt, dass dies auch in Blankenfelde-Mahlow in absehbarer Zeit so sein wird, dann freut mich das. Klar ist: Mein Beitrag ist im Verhältnis klein, groß wird die Arbeit für die Macher des klaerwerk-blogs sein.

      Aber sie lohnt sich. Nicht nur in Blankenfelde-Mahlow oder in Heddesheim, sondern überall in Deutschland.

      Und das meine ich durchaus sportlich.

      Beste Grüße
      Hardy Prothmann

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