Die “Rathaus-Sieger” durchschlagen den gordischen Knoten in Blankenfelde nicht

26. August 2010
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Unter diesem Titel veröffentlichte die MAZ Mitte Juli 2010 einen Text zum Rathaus-Neubau in Blankenfelde.  Dieses mal dankenswerter Weise nicht von Elke Höhne sondern vom Leser Jürgen Peter – eine aufschlussreiche Reaktion auf deren MAZ-Beitrag vom 12.06.2010, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

Dieser Leser fragte sich, wie die elfköpfige Jury dazu kommen kann, “ …  die Ergebnisse des Architektenwettbewerbes in einem Licht erscheinen zu lassen, dass jetzt alles in Ordnung wäre  und das jetzt Blankenfelde-Mahlow einen neuen Identifikationsmittelpunkt bekommen könnte.“

Er kann nicht erkennen, dass die Arbeiten der engeren Wahl und der Preisträgergruppe es geschafft haben, den in der Aufgabenstellung schon verankerten grundlegenden Mangel der Plazierung des Rathauses gegenüber dem neuen Parkhaus, unterhalb der Bahnschienen und in direkter Nachbarschaft zu den Einfamilienhäusern aufzuwiegen.

Der Erstplazierte, so der Verfasser dieses  Leserbriefes,  schlägt einen „Solitär“ vor, der keinen Raum um sich herum hat, um sich zu entfalten, noch dazu mit einem „einbetonierten“, fensterlosen und fast sakral wirkenden Gemeindesaal und Büroraumzuschnitten, in denen niemand arbeiten will.

Der Zweitplazierte, sagt er weiter,  erfindet eine „Promenade“ , wo die Frage zu stellen ist, wer darauf wohin promenieren will. Auch hier würde der Baukörper das Dilemma zeigen, in dem alle Architekturbüros steckten, „denn eingeklemmt auf den völig verschnittenen Grundstücken kann sich kein wirklich repräsentativer Baukörper entwickeln.

Der Drittplazierte und die andere Arbeit der engeren Wahl versuchen zwar Rathausvorplätze zu entwickeln, scheitern aber jeweils an der Aufgabe, die Baustruktur des gesamten Bereiches weiterzuentwickeln und im Freiflächenbereich Klärung herbeizuführen.

Alle Arbeiten setzten bei ihren Lösungsvorschlägen voraus, dass weitere Gebäude zum Teil größeren Umfangs errichtet werden müssen, um gerade städtebaulich wichtige Kanten zu erzeugen.“

Schließlich fragt er, wer soll da bauen, um das Zentrum zu komplettieren, wenn wegen des Fluglärms keine Wohnnutzung möglich ist?

„Und steht Blankenfelde am Ende nach den 12 Millionen Euro für den Rathausneubau wieder nur mit Halbfertigem da?“

Aus  den genannten Gründen ist es für ihn unverständlich, „… warum man genau die Arbeit ausschließt, die es schafft, den gordischen Knoten zu zerschlagen und vorschlägt, das Rathaus am historisch gewachsenen Brandenburger Platz zu errichten. „

Diejenigen Leser, die am 10. Juni in der Dahlewitzer Sporthalle anwesend waren, erinnern sich vielleicht –  Baudezernent Sonntag hat in seiner Einführung beiläufig erwähnt, dass ein Wettbewerbsteilnehmer mit seinem Entwurf nicht berücksichtigt werden konnte, weil es sich bewusst nicht an die Vorgaben gehalten hat. Der Namen dieses Architektenbüros hat er nicht genannt. Wozu auch? Mehr Worte muss man zu einem Verlierer nicht verlieren, der sich selbst aus dem Wettbewerb ausgeschlossen hat und schon garnicht zu dessen Beweggründen. Das würde nur „unnötige, überflüssige“ Fragen aufwerfen – auch an die Adresse des Baudezernenten. klaerwerk hat sich für „Verlierer“ interessiert. Gemeint war das Architektenbüro Keller, Mayer, Wittig aus Cottbus.

Zusammenfassung:

Die drei Siegerentwürfe blenden die Parkhaussituation gegenüber dem Eingangsbreich des neuen Rathauses mal eben aus. Ein Architekturbüro jedoch ist aufrichtig und sagt, nein – das können und werden wir nicht tun, selbst wenn wir aus dem Wettbewerb fliegen. Wir werden gegenüber diesem Parkhaus unter keinen Umständen die Eingangssituation für ein repräsentatives Rathaus planen – deshalb verschieben wir das vorgegebene Baufenster in Richtung Brandenburger Platz.

Unserem Leserbriefschreiber zufolge wäre es damit möglich „… ohne viel zusätzliche Baumasse Klärung in vielerlei Richtung zu erreichen, aber vor allem hätten wir ein richtiges Rathaus und einen wirklichen Rathausplatz in Blankenfelde, keine Promenade oder eine Irgend-wie-Grün- und Freifläche verbunden mit Baufeldern, auf denen keiner investieren will.

Abschließend stellt er eine schlichte Frage:

„Welcher Leser oder Bürger kann mir eine Gemeinde nennen, die ihr Rathaus mit seiner Schauseite gegenüber einem profanen Parkhaus errichtet hat?“

Es bleibt zu hoffen, dass sich unter den einschlägig dotierten Fachleuten und Experten sowie  unter unseren gewählten Volksvertretern eine Mehrheit findet, welche mit dieser Frage etwas anfangen kann.

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