Museum Blankenfelde – Zur Einweihung am 2. Oktober 2010 um 15 Uhr

5. September 2010
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Erstaunliches Exponat

Das wichtigste und somit erstaunlichste Exponat ist der Ort selbst! Der Ort ist das Museum Blankenfelde in den Kellerräumen der „Alten Aula“. Die können fortan nicht mehr Keller genannt werden. Das hätte so nicht kommen und werden müssen, wären Wände und Decken geweißt worden wie in einem Kuhstall. Wären die Wände komplett abgeputzt worden. Wären die Türen mit farblosem Lack überzogen worden. Wären metallfarbene Bänder und ebenso beliebige Schlösser und Klinken montiert worden. Wären großflächige Fliesen verlegt und zementgrau verfugt worden.

Das alles ist glücklicherweise nicht geschehen! Das hätte genügt, um den Keller zu renovieren, was aber den acht Räumen in der „Alten Aula“ nicht gerecht geworden wäre. Der Keller ist keinem Keller in der Gemeinde vergleichbar. Schon gar nicht in einem öffentlichen Gebäude. Also waren die Anforderungen an die Restaurierung groß, sehr groß. Was geworden ist, ist besser geworden als gedacht. Im Keller der „Alten Aula“ ist nachweisbar, dass die Gründung des Gemäuers vor rund viereinhalb Jahrhunderten erfolgte. Mehr als eine Vermutung, ist die Tatsache seit der Isolierung des Kellers in den Jahren 2003-2004 bekannt. Mit größter Sicherheit darf angenommen werden, dass die Fundamente der „Alten Aula“ die Fundamente des ersten Guts- und Herrenhauses in Blankenfelde sind. Also des Wohnsitzes derer von der Liepe, die ein halbes Jahrhundert im Besitz des Gutes Blankenfelde waren. Ihre Herrschaft und Anwesenheit endete mit dem Tode von Gustav Alexander von der Liepe, der 1797 starb und 1790 als Landrat des Teltow abdanken mußte. Es könnte sein, dass das Herrenhaus derer von der Liepe am bezeichneten Standort früher existierte als die um 1540 errichtete Schmiede. Einiges weist in dem Keller auf verschiedene, das Gebäude erweiternde Bauphasen hin. Angesichts der Kenntnisse, war es mit einem simplen Sanieren nicht getan.

Das Engagement des Kulturvereins für den Keller begann mit der Isolierung. Auf die unterschiedlichste Weise sorgt der Verein seit Jahren dafür, die Kellerräume schneller zu entfeuchten. Jahre, in denen immer wieder darüber nachgedacht wurde, in welcher Weise die Räume künftig genutzt werden können und wie die historische Substanz sichtbar zu machen ist. Der Abriß des alten Pfarrhauses, Ostern 2006, lenkte alle Konzentration auf die Kellerräume der „Alten Aula“. Die Chance war vertan, im Pfarrhaus ein Museum zu etablieren. Die Chance war nun, die Kellerräume für die Idee des Museums zu retten. Für das erste Museum in der Geschichte Blankenfeldes. Auf der Gemarkung Glasow stehend, hatte in den fünfziger und sechziger Jahren in der Mahlower Heinrich-Heine-Straße das „Museum des Teltow“ existiert.

Museum im restaurierten Keller der "Alten Aula"

Beginnend im Jahr 1996 hatte der Kulturverein alles erdenkliche getan, das einstige Schulgebäude am Zossener Damm, die „Alte Aula“, zu einem kulturvollen Ort der Kultur zu machen. Im Grunde ist jetzt ein leichtfertig gegebenes Versprechen endgültig eingelöst. Das folgte dem leichthin gesagten Satz des damaligen Amtsdirektors, Dietmar Klemt, der sagte: „Macht was aus dem Haus!“ Die Forderung wurde zur Herausforderung. Der Kulturverein hat Forderung und Herausforderung ernst genommen und auch so bewiesen, dass er wahrlich kein „Verein wie jeder Andere ist“, was wider allen möglichen Wissens behauptet wird.

Im Spätherbst 2009 begannen die ersten profanen Vorarbeiten durch das Entfernen einer Toilette. Die langen Winterwochen nutzten alle nötigen Gewerke, um mit dem Aus- und Umbau zu beginnen. Und das mit zunehmender innerer Anteilnahme am eigenen Tun. Das bis ins Detail vorliegende Konzept des Kulturvereins, wurde, wann immer erforderlich, korrigiert und so verbessert. Es wurde nicht nur ein unnötiger, unpassender Zugang zugemauert, es wurden nicht nur Durchbrüche ermöglicht. Alle elektrischen Leitungen mußten ausgetauscht werden. Hunderte Meter Kabel wurden entfernt und die neuen verschwanden hinter Gestein und unter Putz. Über hundert Meter Rohr wurden demontiert oder neu verlegt. Ein Raum wurde von sämtlichen Putz befreit, andere teilweise, so daß die nun sichtbaren Stein- oder Klinkerwände jedem ihre offensichtliche Geschichte in den entstandenen Räumen künftiger geschichtlicher Dokumentationen erzählen. Dem Museumskonzept gemäß gibt es zwei Rundgänge. Einen in drei, einen in zwei Räumen. Weitere Räume werden als Depot genutzt für die ständig zunehmenden Exponate, die vor allem in Vorbereitung der Ausstellung zum 75. Jahrestag der Blankenfelder GAGFAH-Siedlung eintreffen. Der gesamt Museumstrakt nimmt rund 140 Quadratmeter in Anspruch, davon sind 120 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Das ist nicht übermäßig viel, ist aber ausreichend, wenn das museale Gestaltungskonzept gut ist.

Die Wände sind lehmfarben, wo nicht der Stein spricht. Die Türen sind naturbelassen, geölt und durch schwarze Bänder sowie Kastenschlösser akzentuiert. Kleinteilige, betont rot-braune Fliesen, caramelfarben verfugt, sind Teil der harmonischen Museumsarchitektur, die den Keller völlig vergessen läßt. Reden wir also nicht mehr vom Keller in der „Alten Aula“. Reden wir vom Museum Blankenfelde. An dem kann man sich nicht „Sattsehen“, sagte eine Besucherin, die die Gelegenheit wahrnahm, sich in den Räumen umzusehen. Richtig! Der Ort selbst ist ein erstaunliches Exponat.

Bernd Heimberger

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