Ablehnenswert

6. September 2010
Von

Endlich können wir Herrn Michael Bethke einmal zustimmen! Endlich!

Wenn er richtig zitiert wurde, hat er gesagt: „Man muss nicht hunderte von Konzepten haben.“ Wer will da wider-sprechen? Mehr Zustimmung ist nicht möglich! Was der „Betreiber“, wie es heißt, der künftigen „Senioreneinrichtung mit acht Wohneinheiten für betreutes Wohnen“ an der Märkischen Promenade in Blankenfelde anbietet, ist unzumutbar.

Wie alles, was der Vielversprecher Bethke Blankenfelde-Mahlow zumutete. Richtig, es bedurfte nicht der mangelhaften Konzepte, die die Gemeinde bislang plagten. Es bedürfte, tatsächlich nur des einen Konzepts, das „auf dem ethisch-christlichen Grundverständnis“ beruht, wie sich Bethke nebulös ausdrückt. Vielleicht sollte er in der atheistisch geprägten Region vom humanistischen Anspruch sprechen, der die Würde des Menschen beachtet. Doch vielleicht wäre das für den „Betreiber“ allzu verbindlich bindend.

Für einen Macher, der alles den profitablen Interessen seines Unternehmens unter-ordnet. Welch eines Kalibers der Unternehmer Bethke ist, wurde bereits 2006 offenbar, als in „Report Mainz“, des Südwest-deutschen Rundfunks, über Unzumutbares in einer Berliner Einrichtung Bethkes informiert wurde. Sehr menschlich, nämlich arrogant, anmaßend, also eher menschenverachtend äußerte sich der Betreiber in dem Bericht.

Wer ist Michael Bethke? Was will er? Das, was er sagt? Das, was er tut? Nachdem er mehrfach Forderungen der Gemeinde-vertretung von Blanken-felde-Mahlow zu seinen Gunsten geändert hat, wurde erwogen, die „Zusammenarbeit“ mit Bethke zu beenden. Auch eine Klage war im Gespräch. Beklagenswerterweise konnte sich dafür jedoch keine Mehrheit der Gemeindevertretung entscheiden. Nun stöhnen alle über das auf Bethkes Betriebsfeier gefeierte neue Konzept, das das vom Herbst 2009 überflüssig gemacht hat. Von 68 auf 86 ist die Zahl der Bettenplätze nun auf 90 – oder 92 – gestiegen. Ist das eine Form der Kasernierung kranker Senioren? Voraussetzungen für einen würdigen Lebensabend sind das ganz sicher nicht. Viele Gemeindevertreter hat tiefer Unmut ergriffen.
Belassen wir es bei der einmaligen, letztmaligen Zustimmung für Bethke und lehnen ab, was er Blankenfelde-Mahlow antun will, weil es ablehnenswert ist.

Print Friendly, PDF & Email

Artikel zum Thema

Tags: , , , , ,

One Response to Ablehnenswert

  1. Götz Bremer
    12. September 2010 at 18:25

    Ich möchte den Beitrag von Bernd Heimberger zum geplanten Pflegeheim in Blankenfelde ergänzen.
    Als sachkundiger Einwohner gehöre ich der Gemeindevertretung seit mehreren Jahren an.
    Im Sozialausschuss und in der Gemeindevertretung habe ich immer wieder gefordert, die Planungen für Versorgung pflegebedürftiger älterer Menschen durch das „Kuratorium Deutsche Altershilfe“ begleiten zu lassen. Nach meiner Überzeugung muss zu ihrer Versorgung kein Pflegeheim mit hundert Plätzen in der Gemeinde Blankenfelde – Mahlow errichtet werden.

    Was ist Menschenwürde in der Altenpflege?

    Weitgehend selbstbestimmt, unter Beibehaltung der sozialen Einbindung, sein bisheriges Leben, den vertrauten Lebensrhythmus, verbunden mit vertrauten Tätigkeiten, in der Pflegesituation fortsetzen zu können.

    Das wird vor allem in einer altersgerecht ausgestatteten Wohnung im vertrauten Wohnumfeld durch ambulante Pflege sichergestellt. Diese wird ergänzt durch ambulante Angebote, die die soziale Integration der Betroffenen sichern, u.a. durch die Vermittlung von Patenschaften o.ä., Vorlesen, spazieren- und einkaufen gehen u.a.
    Ist dieses selbständige Leben nicht mehr möglich, sollte die Unterbringung in einer überschaubaren Gruppe in der unmittelbarer Nähe zum bisherigen Wohnort erfolgen.

    Um das Thema zu vertiefen, gehen Sie am besten auf die Seite des „Kuratorium Deutsche Altershilfe“ (KDA)http://www.kda.de/projekte.html . Hier werden eine Fülle von beispielhaften Einrichtungen vorgestellt und weiterführende Literatur zum Thema angeboten.

    Vorteilhaft ist es, dass die zu pflegenden älteren Menschen, in möglichst kleinen Gruppen von 8 bis 12 Personen leben. Es gibt auch Beispiele für kleinere Wohngruppen. mit 6 Plätzen, eingestreut in größere Wohnsiedlungen, wie zum Beispiel in Braunschweig. Sie gehören dort seit Jahren zum Angebot der Kommune zur Versorgung pflegebedürftiger älterer Menschen.
    Kleine Gruppen werden durch ambulante Pflegedienste versorgt. Die Bewohner haben alle Rechte eines Mieters. Sie unterstützen sich gegenseitig. Sie beauftragen nur die Hilfe, die sie nicht sich gegenseitig geben können. Betreut werden diese Gruppen stundenweise durch Sozialarbeiter/Sozialpädagogen.
    Weitere Beispiele ähnlicher Angebote finden Sie auf der Internetseite des KDA.
    Diese kleinen „Hausgemeinschaften“ wurden zunächst für pflegebedürftige Menschen mit Demenz entwickelt, inzwischen aber als wünschenswerter Standard in der stationären Altenhilfe angestrebt.

    Der folgende Link führt zu der Auswertung einer Fachtagung im April 2010, die Erfahrungen mit der Betreuung von Menschen mit Demenz in dezentralen kleineren Gruppen zum Thema hatte. Beachten Sie besonders die in der Dokumentation enthaltenen Bilder.
    http://www.kda.de/tl_files/kda/PDF-Dateien/Abschlusstagung Leuchturmprojekt 13.4.2010/8Befunde_wig.pdf

    In der Tagungsdokumentation wird auf die Notwendigkeit einer intensiven Zusammenarbeit mit den Angehörigen der pflegebedürftigen Menschen hingewiesen.

    Die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow kann solche Angebote in ihrem Wohnungsbestand (WOBAB) einrichten oder durch die WOBAB bauen lassen.

    Der vorgesehene Standort ist für das geplante Pflegeheim ungeeignet. Durch Untersuchungen im Umfeld des Flughafens Köln-Bonn ist bekannt, dass Fluglärm die Gesundheit älterer Menschen erheblich beeinträchtigt. Ausgenommen davon sind nur Schwerhörige.
    Das Gutachten ist auf der Internetseite des BVBB zu finden.

    Aus den zwischenzeitlich geplanten 68 Wohnplätzen in 4 Hausgemeinschaften in dem zukünftigen Pflegeheim in Blankenfelde – Planung der Volkssolidarität in Königswusterhausen, die sich aus mir unbekannten Gründen nicht realisieren ließ – sind inzwischen 96 Pflegeplätze in 4 Gruppen mit je 24 Plätzen im gleich großen Baukörper geworden. Hinzu kommen 8 Wohnungen für betreutes Wohnen im selben Gebäude.

    Etwa 50% der zukünftigen Bewohner werden Menschen mit Demenz sein, Tendenz steigend.
    Von 48 Bewohnern der ersten Etage des neuen Pflegeheims werden also vermutlich 24 suchend herumlaufen und jeden , der ihnen begegnet, nach ihrem Zimmer, nach der Toilette, nach ihren Angehörigen fragen. Dies ist weder für die Pflegekräfte, die nicht dementen Bewohner und die Menschen mit Demenz selbst auszuhalten.
    Auch ein Flur mit 24 Türen bietet keine Chance für die Bewohner, sich zu orientieren.
    Da Menschen mit Demenz starken Stimmungsschwankungen unterliegen, wird es unter diesen räumlichen Bedingungen zu vielen Aggressionen kommen, die Mitarbeiter und Betreute dauerhaft überfordern.

    Es ist inzwischen selbstverständlich, geistig gesunde ältere Menschen und Menschen mit Demenz getrennt voneinander zu betreuen. In dem von Herrn Bethke in Blankenfelde geplanten Pflegeheim ist eine Trennung nicht vorgesehen. Die räumlichen Voraussetzungen für die Betreuung von Menschen mit Demenz fehlen vollständig in dem geplanten Gebäude.

    Geistig gesunde, pflegebedürftige ältere Menschen treffen in dem geplanten Pflegeheim ebenfalls schlechte Bedingungen an:

    – Sie können ihr gewohntes Leben nicht fortsetzen, indem sie aufstehen und schlafen gehen können, wie sie es gewohnt sind.
    – Sie können nichts mehr zu ihrer eigenen Versorgung beitragen und verlieren so jede Tagesstruktur.
    – Sie müssen sich einschließen, um nicht ständig durch Mitbewohner mit Demenz gestört zu werden.
    – Treffen mit Angehörigen müssen im eigenen Zimmer (16qm) stattfinden. Geeignete Räume für Familienfeiern sind nicht vorgesehen.
    – Das geplante Cafè, in dem ein Austausch zwischen Innen und Außen stattfinden könnte, ist aufgegeben.
    – Auf den Etagen fehlen Gruppenräume für Aktivitäten der Bewohner.
    – Der Fitnessraum soll offensichtlich die fehlende Beschäftigungstherapie ersetzen.

    Es wird so sein, dass sich die alten Menschen in ihre Räume zurückziehen werden.
    Sie werden vereinsamen.

    Vorhersehbar ist, dass es auch den Mitarbeitern in ihrer Arbeit schlecht gehen wird. Das führt zu hoher Fluktuation und damit zu einer zusätzlichen Belastung der Bewohner.

    Im Sozialausschuss hat Herr Bethke sein neues Konzept vor der Sommerpause vorgestellt. In meiner Erinnerung hat auch Fr.Dr.Nobis gegen dieses Baukonzept protestiert.
    Der Sozialausschuss hat dem Baukonzept zugestimmt.
    In einer Sitzungspause hat mir die Ausschussvorsitzende, Frau Hellberg, große Destruktivität vorgehalten, weil ich den geplanten Pflegeheimbau insgesamt ablehnte. Sie war der Meinung, es müsste jetzt endlich ein Pflegeheim gebaut werden und sie würde dann die Arbeit in dem Haus beobachten und eingreifen, wenn diese nicht gut wäre.

    Auf Initiative der “Linken“ haben die Gemeindevertreter in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause dem Baukonzept mehrheitlich das gemeindliche Einvernehmen versagt..

    Der Presse habe ich entnommen, dass daraufhin Herr Bethke seine Pläne noch einmal überarbeiten wollte. Wenn ich mich recht erinnere, wurde Herr Sonntag mit der Bemerkung zitiert, dass es reichen würde, die geänderten Pläne dem Sozialausschuss vorzulegen und durch ihn genehmigen zu lassen. Eine erneute Zustimmung der Gemeindevertretung wäre nicht erforderlich. Der Hauptausschuss könnte abschließend das gemeindliche Einvernehmen erklären.
    Er ist offensichtlich daran interessiert, Herrn Bethke zu seinem Pflegeheim zu verhelfen, das sichtbar nur den Zweck erfüllen soll, investiertes Geld maximal zu amortisieren. Es ist offensichtlich egal, ob die zukünftigen Bewohner und Mitarbeiter eine Chance haben, sich in diesem Haus wohl zu fühlen.

    Noch eine abschließende Bemerkung:
    In einem Brief an den Bürgermeister habe ich diesem vor Jahren die Kompetenz abgesprochen, die Planung eines Pflegeheims fachlich begleiten und für die Gemeinde entscheiden zu können. (Das führte zu der Drohung, mich wegen Beleidigung zu verklagen) Ich habe ihm damals empfohlen, sich Konzepte von Anbietern und Betreibern von Pflegeheimen vor ihrer Genehmigung durch Gemeindegremien durch Fachleute des KDA prüfen zu lassen. Vom Konzept bis zur Finanzierung verfügt das KDA über Fachleute -Architekten, Pflegesachverständige, Experten für die Finanzierung – , die Alten- und Pflegeheimkonzepte beurteilen und staatliche Zuschüsse vermitteln können..
    Diesen Vorschlag, sich der Kompetenz des KDA bei der Planung des Pflegeheimes in Blankenfelde zu bedienen, habe ich mehrfach vergeblich wiederholt.

    Meine Forderung ist, die Pläne von Herrn Bethke vor der Zustimmung durch die Gemeinde dem KDA vorzulegen. Das böte die Chance zu einer kurzfristigen, fachlichen Beurteilung.

    Dieser Vorschlag wird bis heute vom Bürgermeister abgelehnt. Auch der zuständige Fachausschuss hält eine solche Beratung bisher für entbehrlich, ohne selbst über die notwendigen Kompetenzen zu verfügen.

    Götz Bremer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.