Plicht oder Kür

18. Oktober 2010
Von

Vorbereitungen zum 80. Geburtstag

Was ist wichtig im Leben? Was ist wichtig im Leben jedes einzelnen Bürgers? Sicher sind der Phantasie hier keine Grenzen gesetzt. Eines aber weiß ich seit ein paar Tagen genau: Für meine Nachbarin war der 80. Geburtstag das Wichtigste im Jahr 2010. Vorbereitungen und Planungen gingen der Feier voraus. Vorbereitungen, damit der Tag gelingen wird, damit es  d e r Tag wird. Einladungen wurden rechtzeitig verschickt, auch ich erhielt eine Einladung. Es muß ja schließlich alles gut durchorganisiert sein, soll  gelingen, was gelingen soll.

Der Bürgermeister kommt

Liebevoll hergerichtetes Bufett vom Partyservce bendig

Schon Tage zuvor berichtete mir meine Nachbarin, Ortwin Baier, der Bürgermeister kommt auch. Sie selbst war über viele Jahre tätig für die Gemeinde Blankenfelde (Kindergarten). Freudig erzählte Sie mir das, na ja! Absprachen wurden bereits mit der Verwaltung getroffen (wie das  so zu einem Ereignis üblich ist).Nun kann der Tag ja kommen. Räume wurden angemietet, Partyservice bestellt, eben alles was so dazugehört.

Der Bürgermeister kommt nicht

Nun war es soweit. Ich machte mich auf dem Weg zur Feier und meine Gedanken gingen dahin, es wird eine gute Feier werden. Wer mit solch einer Freude im Vorhinein berichtet, wie was geschehen soll, da muß einfach alles stimmen. Ich war vom Empfang überrascht um  nicht zu sagen überwältigt. Eine Atmosphäre, welche nicht schöner sein konnte. Kaum meine Wünsche an meine Nachbarin überbracht, überraschte es mich sehr, dass Sie loswerden mußte, was für Sie wichtig war: Herr Baier kommt nicht! Bis zum gestrigen Tag hatte Sie damit gerechnet, bis ein Brief ins Haus kam, wo Ihr mitgeteilt wurde: „…. leider ist es unserem Bürgermeister, Herrn Baier, sowie dem Ortsvorsteher, Herrn Habermann, aus terminlichen Gründen nun doch nicht möglich, Ihnen zum Geburtstag persönlich zu gratulieren…“.

Glückwunschkarte und ein Gutschein über 8 Euro

Im Brief enthalten, eine Glückwunschkarte und einen Gutschein über acht Euro!!! Nun kann Sie  ja die Blumen selber abholen und sich daran erfreuen. Mir fehlten tatsächlich die Worte. Was sollte ich sagen? Diese Mitteilung (Kurzbriefform wie bei betrieblichen Informationen üblich, zeigte Sie mir gleich!) machte mich sprachlos. Während des nachmittags und abends war es immer wieder ein Thema. Meine Nachbarin war empört und zugleich maßlos enttäuscht. Ja, Sie empfand es sogar als eine Frechheit, einen Tag vor „Ihrem Tag“ so einen Brief ins Haus zu bekommen. Ihre Meinung war klar und eindeutig: Entweder, man hält sich daran oder man lässt es sein. Sicher kann nicht immer der Bürgermeister alle Termine wahrnehmen, sicher kann schon etwas dazwischen kommen. Die Frage stellt sich aber, ist die Verwaltung nicht in der Lage, diese Begegnungen so zu organisieren, dass dann wenigstens ein Vertreter unserer Verwaltung die Aufgabe übernimmt?

Für mich stellt sich  die Frage, warum kann  so etwas passieren? Es kann nur geschehen, wenn  Aufgaben nicht ernsthaft genommen werden. Wie wichtig ist es, im Namen der Bürger der Gemeinde die Glückwünsche zu überbringen? Sicher ist es für viele Bürger total unwichtig, ob der Bürgermeister kommt oder nicht, darum geht es hier nicht (viele sagen deswegen schon im Vorhinein ab!). Es geht darum, den Bürger gegenüber zu zeigen, wir sind für Sie da, wir nehmen unseren Auftrag ernst und wir kommen gern zu Ihnen, auch wenn es an einem Freitag um 16 Uhr ist.

Ent-Täuschung und Fazit

Das Fazit dieses Abends war eindeutig, wenn die Presse anwesend gewesen wäre, wenn ein Foto in der Zeitung mit dem Bürgermeister somit veröffentlicht werden würden,  ja dann….. Lassen wir die Spekulationen! Sicher ist, dass die an diesem Abend anwesenden Gäste eindeutig der Meinung waren: Im nächsten Jahr wird der Bürgermeister gewählt, wir wissen genau, was wir zu tun haben. Ich auch!

Hannelore Pappschik

Mitglied im Ortsbeirat Blankenfelde

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