In der Sitzung des Finanzausschusses vom 29.09.2010 informierte die Kämmerin, Frau Sachtleben, über notwendige Mehrausgaben in Höhe von 136.000 €.
Damit liegen wir bei vorläufigen (!) Baukosten für das Parkhaus in Höhe von 5.947.380 € – vorbehaltlich geringfügiger Abweichungen bei o.g. Mehrausgaben und weiterer Mehrausgaben im Zusammenhang mit der Fertigstellung der Kioske.
Zeit für eine Zwischenbilanz!
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Die MAZ berichtete am 26./27.09.2009 im Zusammenhang mit der Kostensteigerung von rund 598.000 € : „Das Land fördert das 4,56-Millionen-Euro-Parkhaus mit 2,46 Millionen. Zieht man die Investpauschale von rund zwei Millionen Euro ab, so hatte die Gemeinde ursprünglich 253.360 € beizusteuern.“
Da wir jetzt nicht mehr über ein „4,56-Millionen-Euro-Parkhaus“
sondern über ein „5,95-Millionen-Euro-Parkhaus reden
bedeutet das:
Eigenanteil der Gemeinde mit Stand Oktober 2010: 1,49 Mio. Euro
Ursprünglich geplanter Eigenanteil: 253.000 Euro
Ungeplante Mehrausgabe für die Gemeinde: 1,24 Mio. Euro
Rund 6 Millionen also für ein Parkhaus – bis jetzt!
Anlass für uns, genauer nachzufragen bei einem renommierten, weltweit tätigem Unternehmen, das spezialisiert ist auf den Komplettbau von Parkhäusern, Industrie- und Bürobauten.
Grundsätzlich, so deren Aussage, kann man von Nettoplankosten in Höhe von 5 T€/Stellplatz ausgehen.
Hinzu kommt dann als wesentlichster Kostenfaktor die Qualität sowie und Art und Weise der Fassadengestaltung. (P.S.: Der Parktempel Blankenfelde hat de facto keine Fassade.)
Schauen wir uns also mal die Gesamtkosten von vier weiteren Parkhäusern konkret an:
1. ROSTOCK: 594 Stellplätze
Ausstattung: 2 Aufzüge, hochwertige Glasfassade, Kassen- und Schrankenanlage, kleinteiliger Sanitärbereich (WC’s), anteilige Außenanlagenanbindung (mit Straßenbau), oberste Parketage überdacht
Baukosten brutto: 4,284 Mio. €
Kosten pro Stellplatz: 7.212,- € brutto
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2. BERLIN – Unfallkrankenhaus (UKB): 343 Stellplätze
Ausstattung: 1 Aufzug, einseitig verglaste Fassade, restliche Fassadenflächen mit hochwertigem Klinker verkleidet, ohne Überdachung, mit Kassen- und Schrankenanlagen, Herstellung der Zufahrtsstr., anteilige Außenanlagenanbindung
Baukosten brutto: 2,856 Mio. €
Kosten pro Stellplatz: 8.327,- € brutto
UKB Berlin-Marzahn / Seitenansicht
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3. LUCKENWALDE am Sitz der Kreisverwaltung: 205 Stellplätze
Ausstattung: Herstellung noch mit sogenannter Waffelplatte, einfacher Beton, ohne Gründung, ohne Elektroarbeiten keine weitere Ausstattung wie Aufzüge Kassen- und Schrankenanlagen
Baukosten brutto: 1,3108 Mio. €
Kosten pro Stellplatz: 6.394,- € brutto
II Parkhaus am Kreishaus Luckenwalde
I Parkhaus am Kreishaus Luckenwalde
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4. BERNAU / am Bahnhof: 130 Stellplätze
Baukosten brutto: 1,0 Mio. €
Kosten pro Stellplatz: 7.692,- € brutto
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5. BLANKENFELDE / am Bahnhof: 265 Stellplätze
Baukosten brutto: 5,95 Mio. €
Kosten pro Stellplatz: 22.452,- € brutto
Selbst wenn hier noch mal 1 Mio. Euro für Spundwand, Kioske, Fahrrad- und Motorradstellplätze in Abzug gebracht werden, betragen die Kosten in Blankenfelde pro Stellplatz noch immer sage und schreibe:
18.680,- € brutto.
6 Millionen – für das Geld hätte man eine Tiefgarage bauen können mit allem Pipapo ohne diesen grottenhässlichen Klops an der Erdoberfläche.
Frage:
Worin besteht eigentlich die Aufgabe einer Kämmerin?
Die künftige Haushaltsentwicklung vom Ende her zu betrachten?
Finanziellen Schaden von der Gemeinde abzuwenden?
Beihilfe zu leisten zur fahrlässigen und /oder vorsätzlichen Verschwendung von öffentlichen Geldern?
Das Parkhaus ist aus dem Ruder gelaufen, das Millionenprojekt Astrid-Lindgren-Schule ist aus dem Ruder gelaufen, die Finanzierung des Rathauses ist nicht gesichert.
Hat in diesem Zusammenhang irgendjemand die Stimme der Kämmerin gehört? Motto: Leute, so geht das nicht! Da mach´ ich nicht mehr mit!
Wie glaubwürdig kann man mit Akteuren, die für dies alles bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen wurden, die aktuell anstehende Haushaltsdiskussion führen?
Kann sich irgendjemand vorstellen, dass er sich von den dafür Verantwortlichen die Welt erklären lassen möchte im Hinblick auf Themen wie
- Streichung von freiwilligen Ausgaben?
- Kürzungen pauschal oder gezielt?
- Streichung oder Verschiebung anderer notwendiger Investitionen?
- Kann was veräußert werden?
Pardon, falscher Film. Das war jetzt ein Missverständnis. Selbstverständlich wollen weder ein Bürgermeister Baier, ein Baudezernent Sonntag, eine Kämmerin Sachtleben oder eine Finanzausschussvorsitzende Bomke irgendjemand die Welt erklären. Wie auch – sie heißen doch „Hase“!
Deswegen erwarten sie jetzt völlig zu Recht von den gewählten Volksvertretern Vorschläge und Ideen, wie man aus dem Schlamassel wieder raus kommt. Wie man einen genehmigungsfähigen Haushalt 2011 zustandebekommt, der diese Kommune in absehbarer Zeit in die Lage versetzt, einen Kredit aufzunehmen. Ganz demokratisch.
Apropos „demokratisch“:
Erich Honecker ließ die Welt noch am 6. Oktober 1989 anläßlich des 40. Jahrestages der DDR wissen:
„Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf“
Beim Kabarettisten Volker Pispers (5. Oktober anno 2010 auf WDR 2) hört sich das so an: „ … die demokratisch legitimierte Geldvernichtung in Ihrem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.“
Die bestimmt nicht, davon können wir beruhigt ausgehen.
Jörg Blunk.





Super Beitrag und vor allen Dingen umfänglich recherchiert. So hatte ich das noch nie gesehen.
Wunderbar wie hier in präziser Form dieser Wahnsinn aufgelistet wird. Weiter so immer hinein die ganze Faust in die Wunde. Grüße von Plan B aus Zossen Thomas Böhm
Bei manchen SPD geführten Gemeinden oder auch Landkreisen scheint man das Verteilen nicht vorhandener Gelder als “bürgerfreundlich und sozial” zu finden. Die rot roten Genossen und so manche Hilfsversallen (auch Ja Sager und Handheberkoalition genannt) verwechseln die Stadt- oder Kreiskassen mit einem schier unerschöpflichen Selbstbedienungsladen, wo man unbegrenzt zugreifen kann. Es ist gut, dass es noch verantwortungsvolle Politiker gibt, die nur das Geld ausgeben, was auch zur Verfügung steht. Die Herrn Baier und Giesecke gehören mit Sicherheit nicht dazu. Diese Herren dürften dort nur mit Zwangsjacke (Hände auf dem Rücken) und Neopremanzug (keine Taschen) hinein.
Thomas Böhm Plan B Zossen
Ein köstlicher Artikel! Ganz hervorragend! Interessant, gut recherchiert und belegt und genau die richtigen Fragen gestellt. Glückwunsch!
Nicht nur die Kosten sind hier aus dem Ruder gelaufen, sondern auch die technische Planung. Der Planer sollte mal das Parkhaus mit einem klassischen Pkw befahren und nicht auf den Reissbrett mit einem Matchbox Auto.
Von einer Beschilderung , welche Fahrspuren genutz werden sollen, fehlt jegliche Spur.
Wie so sind die Kosten so hoch?
Hat da jemand die Hände ( so groß wie Toilettendeckel ) aufgehalten ?