Künast, Wowereit, Ramsauer – Über Politiker/innen bar jeder Fachkenntnis und anderen Schwachsinn

11. November 2010
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Nachträglich herzlichen Glückwunsch an das langjährige Blankenfelder BVBB-Mitglied Erhard Augustin (emeritierter Professor für Akustik) zum 80. Geburtstag am vergangenen Sonntag.
Pünktlich zu Beginn der Karnevalszeit hier ein Text von ihm zum Thema „Narren und Menschen“:


„Zurück zum Start – – – niemals !“

Frau Künast, Herr Minister Ramsauer und auch Herr Wowereit sind sich nicht zu schade, entgegen jeglicher Rechtstaatlichkeit ihr Wahlvolk zu belügen und zu manipulieren, wenn sie heute lauthals – und bar jeglicher Fachkenntnisse und nachlesbarer Fakten – vollmundig verkünden, dass doch die Deutsche Flugsicherung (DFS) „gefälligst“ ihre zuletzt gemachten Flugroutenvorschläge zurücknehmen solle und dass – wie angeblich im Planfeststellungsbeschluss festgelegt – künftig uneingeschränkt entlang der geradlinig „vorgesehenen“ Flugrouten zu fliegen sei – „basta !“

Nun, verehrte „Herren“, nach Gutsherrenart wird es nun aber mit Sicherheit nicht funktionieren, denn im Planfeststellungsbeschluss steht eindeutig, dass die Festlegung der Flugrouten Sache der dafür verantwortlichen und allein fachlich qualifizierten DFS ist und nur durch sie – unabhängig von politischen „Befehlen“ – nach Flugsicherheits-, Fluglärmminimierungs- und erst in dritter Position nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgen kann.

Jedenfalls steht auch im Planfeststellungsbeschluss, dass die Flugrouten nicht Gegenstand dieses Beschlusses sind – – – also kann – wer auch immer – sie nicht nachträglich als festgeschriebenen Fakt zum Gegenstand der Bevölkerungsmanipulation machen und ahnungslose Bürger zum Protest gegen zunächst erst einmal vorgeschlagene neue Flugrouten „aufhetzen“.

Unsinnig ist es dabei selbstverständlich, dass im Planfeststellungsverfahren mit den „geradlinigen“ , unverbindlichen Pseudoflugrouten Fluglärmberechnungen „aufs Komma genau“ durchgeführt und Schallschutzbereiche auf den Meter genau festgestellt worden sind, auf deren Grundlage sogar ein weitgefasstes Schallschutzprogramm durchgeführt wird. Während der Anhörung im Jahre 2000 habe ich schon – basierend auf meiner damaligen Einwendung – auf diesen „Schwachsinn“ nachdrücklich hingewiesen; wurde aber von Herrn Leyerle und seinen Beratern damals nicht für voll genommen. Wer die damaligen Diskussionen zu dieser Problematik nachlesen will, braucht sich nur das Protokoll über diese Anhörung anzuschauen.

Jedenfalls kann sich heute niemand darüber beschweren, wenn jetzt neue Flugroutenvorschläge auftauchen, die insgesamt zu einer Minimierung der Gesamtlärmbelastung im Umfeld des am falschen Standort realisierten BBI führen sollen – jedenfalls nicht ausschließlich gegen die Interessen der Menschen, die heute schon den Fluglärmterror der geradlinigen An- und Abflugstrecken ertragen müssen – „basta !“

Prof. Dr.-Ing. habil. Erhard Augustin


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2 Responses to Künast, Wowereit, Ramsauer – Über Politiker/innen bar jeder Fachkenntnis und anderen Schwachsinn

  1. Klaus Epperlein
    12. November 2010 at 11:38

    Es ist physikalisch eine Tatsache, dass sich der Schall nach allen Seiten gleichmäßig ausbreitet. Kommen Windbewegungen dazu, wird der Schall noch weiter getragen. Eine Festlegung der Schallschutzbereiche „aufs Komma genau“ ist daher nicht möglich. Da stimme ich Ihnen voll zu. Da wir in Blankenfelde vorwiegend West-Ost-Winde haben, erfolgt auch der Abflug in bis zu 500 m über unseren Köpfen in Westrichtung. Auch beim Anflug muß ein gerader Anflug schon in 18 km Entfernung vor der Flughafen-Landebahn beginnen. Da der Anflugwinkel von 3° vorgeschrieben ist, beträgt die Flughöhe gerade mal 200 m über uns. Da spielt es keine Rolle welche Flugroute (gerade oder abgewinkelt) von den Luftfahrzeugen benutzt wird. Unermäßlicher Fluglärm und Tonnen von Ruß treffen uns, zumal in Zukunft mit 360 000 bis 500 000 Starts- Landungen/Jahr zu rechnen ist.
    Der Standort des BBI in Schönefeld muß sofort aufgegeben werden oder 200 000 betroffene Menschen sind umzusiedeln.

    Klaus Epperlein

  2. Prof. Dr.-Ing. habil. E. Augustin
    13. November 2010 at 10:10

    Hallo, Herr Epperlein – Ihre Angaben sind nicht ganz korrekt, denn nach aktuellen Messungen liegen – etwa in der Höhe des ehemaligen Penny-Marktes – beim Start die Überflughöhen bei minimal 300m (schwere vierstrahlige Flugzeuge, sehr seltene Ereignisse !) und maximal etwa bei 900 bis 1000m (A319, A321, u.a. – ebenfalls relativ seltene Ereignisse, vorwiegend nachts zu beobachten !) und im Mittel bei 500 bis 700m, je nach Auslastung und flugbetrieblichen Gründen. Da das Abkurven bei einer Abknickung der Flugrouten um derzeit vorgesehen ca. 30° vor dem Erreichen des östlichen Ortsrandes von Blankenfelde erfolgen würde, ergäbe sich sehr wohl eine beachtliche Lärmentlastung des jetzt überflogenen Teils von Blankenfelde und Mahlow – selbstverständlich verbunden mit einer Höherbelastung von Nordmahlow und dem Roten Dudel und Mahlow Waldblick – so ist das nun mal bei einem Flughafen an einem ungeeigneten Standort, den aber viele sich damals vor etwa 10 Jahren nicht betroffen gefühlte Menschen unbedingt hier haben wollten.

    Bei den Landeanflügen ändert sich für Blankenfelde grundsätzlich überhaupt nichts, denn in etwa 10km vor dem Aufsetzen muss die Anfluggrundlinie des ILS-Verfahrens erreicht sein, um dann geradlinig den Landeanflug zu vollenden (Ausnahmen bilden hier nur besonders von der Flugsicherung genehmigte Sichtanflüge). Dann beträgt gegenwärtig die Flughöhe über dem vorher genannten Ort nicht 200m, sondern ca. 350m. 200m werden erst am äußersten Rand vom Ortsteil Mahlow/Waldsiedlung erreicht. Im Falle eines Versatzes der Landeschwelle um ca 1500m Richtung Osten würde sich die Flughöhe an beiden Ortslagen um 150m erhöhen; aber das ist bisher nicht beschlossen worden.

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