Fluglärmkommission: Zum Rücktritt von Bernd Habermann – ein aktueller Kommentar

18. November 2010
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„Na prima“ – – – nun haben sie es ja mit ihrer Selbstherrlichkeit und Unbedarftheit geschafft,  „verehrte Akteure“ aus dem Teil Berlins, in dem die „Wohlbetuchten“ Bürger „1. Klasse“ wohnen und ihre „Mitschreier“ – unseren Vertreter in der Fluglärmkommission, Herrn Habermann, der „zufällig“ auch von den Mitgliedern der ehemaligen Kommission zum Vorsitzenden gewählt worden war, wegen angeblicher „Befangenheit“ und „besonderer Parteinahme für seinen Wohnort“, den am meisten fluglärmgestressten Ort im Umfeld des BBI, aus dem Vorsitz „herauszuekeln“.

Man wirft ihm vor, sich als Vorsitzender nicht genügend „unparteiisch“ verhalten und zu sehr die Interessen seines Wohnortes vertreten zu haben.

Nun soll mir bitte mal jemand erklären, wie das funktionieren soll, denn schließlich ist Herr Habermann ja nicht bewusstseinsgespalten und zudem ja auch von der Gemeinde Blankenfelde/Mahlow beauftragt worden, in dieser Kommission die Interessen seines Wohnortes intensiv zu vertreten.

Wollte man hier eine eindeutige Interessentrennung sichern, hätte man ein Kommissionsmitglied zum Vorsitzenden wählen müssen, der nicht aus dieser lärmverseuchten Flughafenumgebung kommt, vielleicht einen geeigneteren Vertreter aus dem Bereich der verantwortlichen Ministerien Brandenburgs – – – aber es war bei der Wahl sicher bequemer, hier einen „Dummen“ gefunden zu haben, der diese Last aus einem Verantwortungsgefühl heraus, ohne Entschädigung, d.h. ehrenamtlich, zu übernehmen bereit ist.

Nun wird er auch noch für diese sicher nicht immer sehr angenehme und auch undankbare Aufgabe noch beschimpft und verunglimpft, ja sogar – wie aus dem Bereich Lichtenrade bekannt geworden – als „Unperson“ betrachtet und in seiner Person tätlich bedroht ! ! ! So etwas nennt sich dann „Freiheit“ innerhalb einer „Demokratie“, die sich auch noch als Rechtstaat bezeichnet – – na, schönen Dank !

Ein Vorschlag, wie man das Problem des Vorsitzenden lösen könnte:
Nachdem Herr Habermann nun mit Recht seinen Posten als Vorsitzender fristlos aufgekündigt hat – was ich angesichts dieser „Methoden der Verunglimpfung, tätlichen Bedrohumg und Intrigiererei bestimmter Mitbürger“ voll nachvollziehen kann  – bleibt er in der Kommission Vertreter unserer Gemeinde und wird dort auch weiterhin massiv unsere Interessen vertreten !

Wie wäre es denn, wenn nun Frau Dr. Bone-Winkel – als Vertreterin (West-)Berliner Bezirke, die – nach heutigen Erkenntnissen selbst im schlimmsten Falle – weder von unzulässig hohen Maximalschallpegeln, noch von unzumutbaren Dauerschallpegeln entsprechend den gültigen Grenzwerten des Fluglärmgesetzes belastet werden – zur „Vorsitzenden“ ausgewählt würde. Sie wäre dann ein idealer Sprecher und Organisator – mit tollen Beratern an ihrer Seite (Piloten und Vertreter der Flugsicherung, wie sie ja öffentlich behauptet hat) – der ohne eigene Interessen (weil gar nicht betroffen) an notwendigen Lärmschutzmaßnahmen in diesen Bezirken (u.U. mit geringen Ausnahmen in ganz schmalen Bereichen dieser am südlichen Stadtrand Berlins) auftreten und die wild gegeneinander gerichteten Diskussionen innerhalb der viel zu stark personell aufgeblähten Kommission im Zaum halten könnte ?

Wie wär’s denn, verehrter Herr Bretschneider, hier mal ein Machtwort zu sprechen und wieder Sachlichkeit in diese Kommission „hineinzubringen“. Bisher war ja diese Kommission als reine „Alibitruppe“ anzusehen, denn sie hatte weder etwas zu entscheiden, noch zu beschließen. Sie konnte nur empfehlen – und meistens wurden diese Empfehlungen von den Verantwortlichen für den Luftverkehr ignoriert bzw. unter den Tisch gekehrt.

Jetzt – mit Beginn der wilden und von Egoismus geprägten Flugroutendiskussion – besann man sich plötzlich auf die Existenz einer „Versammlung“, der inzwischen personell verdoppelten Fluglärmkommission, der man nun die volle Verantwortung für die entstandene Misere „überverhelfen“ wollte, eine Aufgabe, die sie weder lösen kann noch darf.

Für die Festlegung von Flugrouten ist ein für allemal die DFS verantwortlich und nicht die Fluglärmkommission. Sie kann Ideen beisteuern und Empfehlungen aussprechen; aber „machen“ muss es die DFS – und zwar ausschließlich aus Flugsicherheitssicht, aus der Sicht der optimalen Lärmreduzierung aller Betroffener und erst an dritter Stelle aus betriebswirtschaftlicher Sicht der Flughafenbetreiber.

Hier haben weder aufgebrachte Bürgerinitiativen, noch politische „Rumpelstilzchen“ etwas zu befehlen, mögen sie herumspringen, wie sie wollen. Ich vertraue hier auf das letzte bisschen Rechtstaatlichkeit und den  Sieg der Vernunft.

Prof. Erhard Augustin

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One Response to Fluglärmkommission: Zum Rücktritt von Bernd Habermann – ein aktueller Kommentar

  1. Peter Schirmann
    27. Dezember 2010 at 18:27

    Die strikte Einhaltung der seit Jahrzehnten international gültigen ICAO-Regeln und Anordnungen bezüglich der Streckenführung im Luftraum hat wesentlich zur Sicherheit der Fliegerei beigetragen. Als Viel-Flieger-Passagier seit 1961 bin ich darüber sehr froh.
    Die DFS ist bei der Einrichtung von Strecken durch Gesetz und internationale Abkommen der Bundesregierung im Rahmen der UNO an die ICAO-Richtlinien gebunden.
    Jeder Versuch, der DFS hiervon abweichende Weisungen zu erteilen, hätte weitreichende Folgen, die sich die Schreier aus Potsdam und Südwest-Berlin gar nicht vorstellen können.

    Zum Fluglärm:

    Mein ausschließlicher Ferienort ist seit Jahren Pollença/Mallorca/Balearen. Der Mallorca vom Festland aus nördlicher und nordöstlicher Richtung anfliegende Luftverkehr und die Anflugpattern für Palma in westlicher Richtung (240°) führen immer über Pollença. Verfahrensbedingt in Höhen zwischen 8.000 und 10.000 Fuss und Geschwindigkeiten über 280 Knoten. Von Lärmbelästigung kann dabei nicht im Entferntesten die Rede sein. So wird es künftig auch beim Überflug von Berlin sein.
    In Berlin wohne ich seit dreißig Jahren in Wilmersdorf in der Einflugschneise zu Tempelhof und weiss daher Fluglärm sehr gut einzuschätzen.

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