Flugrouten: Eine Aufforderung zur Klärung oder Widerlegung von Argumenten

19. November 2010
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Pressemitteilung des BVBB vom 19.11.2010:

Die Wahrheit über die Flugroutenlügen – ein offener Brief an alle Bürgerinitiativen (BIs)

“Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“ (Bertolt Brecht)

Mit der sachfremden Standortentscheidung für den Großflughafen BBI in Schönefeld durch den Konsensbeschluss vom Mai 1996, wurde Unrecht zu Recht. Seitdem wehrt sich der BVBB gegen diesen Betrug, der fortgesetzt und zementiert wurde durch 3 gewählte Parlamente (Brandenburger Landtag, Berliner Abgeordnetenhaus und Bundestag), die allesamt in Mehrheitsentscheidungen die sachfremde Standortentscheidung bestätigten und damit „demokratisch“ legitimierten.
Heute geben selbst die BBI-Protagonisten Wowereit und Platzeck unumwunden zu, dass die BBI-Standortentscheidung für Schönefeld sachfremd war – nur Konsequenzen ziehen sie keine.
Wenn sich heute alle einig darüber sind, dass mit der Standortfestlegung BBI in Schönefeld Unrecht in Recht verkehrt wurde, dann gibt es nur einen Ausweg.

Wider besseres Wissen versuchen nun  Wowereit (SPD), Platzeck (SPD), selbsternannte Experten und Politiker, einschließlich BI-Vertreter die Betroffenen über angeblich fluglärmentlastende Flugrouten zu täuschen.

Der BVBB ist nicht mehr bereit, dies länger hinzunehmen.
Darum konfrontieren wir die Täuscher mit Fakten und fordern sie zur Widerlegung auf.

Der BVBB stellt fest:

1. Der erwartete Fluglärm des geplanten BBI ist die Folge einer verantwortungslosen Standortentscheidung. Es wird weder mit geplanter Inbetriebnahme noch im Laufe des mehr als 50 jährigen Betriebs (konzipierte Mindestnutzungsdauer) Flugrouten geben, die 200 000 Menschen zwischen den östlichen Gemeinden Grünheide, Erkner, Berlin-Treptow-Köpenick, dem Stadtrand von Berlin, einschließlich Wannsee bis südwestlich von Ludwigsfelde entlasten. Die Flugroutenbeschwörer erwecken den Eindruck, als wären Flugrouten Striche am Himmel, auf denen sich an- und abfliegend Flugzeuge strichgenau bewegen würden. Allein die Tatsache, dass Flugrouten diese vorgegaukelte Präzision nicht ausmachen, sondern Streuungen im km–Bereich zulassen, bei Sichtanflügen sogar keine Bedeutung haben, müsste ausreichen, um dem Flugroutenschwindel den Garaus zu machen

2. Flugrouten, die heute noch gelten, sind morgen überholt. Jede Steigerung des Flugverkehrs, die beim BBI ausdrücklich von Wowereit und Platzeck gewollt ist, vergrößert flächenmäßig den Lärmteppich und die Lärmbelastung. Logische Folge: Der steigende Flugbetrieb auf jedem Flughafen erzwingt eine permanente Änderung/Anpassung der Flugrouten. Das gilt selbstverständlich auch für einen BBI.

3. Die Flugroutenregelung des BBI koresspondiert mit dem Achsabstand der Start – und Landebahnen von 1900 m. Dieser Abstand lässt einen unabhängigen Parallelbetrieb zu. Allerdings legen international Regeln, (ICAO) als Sicherheitsempfehlung für Abflüge, am Ende der Piste eine Spreizung der Abflüge um 15 Grad fest! Hauptgrund für diese Spreizung ist zunächst, dass z. B. bei Funkausfall zwischen Tower/ Fluglotsen oder bei anderen Zwischenfällen, eine sichere Abflugroute möglich sein muss.
Wenn diese Spreizung nicht eingehalten wird, müssen definierte Sicherheitsabstände (Staffelungsabstände) eingehalten werden. Bei einem Start eines mittleren Flugzeugs auf der Südpiste könnte das nächste mittlere Flugzeug auf der Nordpiste erst starten, wenn das auf der Südpiste gestartete Flugzeug 7,2 km vom Startpunkt entfernt wäre. Bei einem Start eines schweren Flugzeugs auf der Südpiste und dem Start eines mittleren Flugzeugs auf der Nordpiste, müsste das schwere Flugzeug 9,2 km vom Startpunkt entfernt sein. Folgt ein leichtes Flugzeug einem schweren Flugzeug, hat diese Entfernung sogar 11,2 km zu betragen. Selbst dem Laien sollte klar werden, dass bei Wegfall der 15 Grad – Abkurvung der sogenannte Geradeausflug zu erheblichen Flugbegrenzungen führt. Die Kapazität der Start – und Landebahnen würde dramatisch eingeschränkt. Anstelle möglicher 90 Flugbewegungen/Stunde könnten höchstens noch 74 Flugzeuge/Stunde gestartet werden.

4. Von einigen BIs und auch Gemeinden wird in der Flugroutendiskussion gefordert aus Lärmschutzgründen eine ausschließliche Abkurvung der startenden Flugzeuge nach Süden festzulegen bzw. für die nördliche Start – und Landebahn nur den Geradeausflug zuzulassen, um Berlin – Wannsee, den Bezirk Lichterfelde, Mahlow – Nord und die Gemeinden Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow, vom Lärmteppich auszuschließen. Diese so genannte Lösung ist aus der Sicht eines Flughafenbetreibers, hier der FBS, unvertretbar. Sie würde bedeuten, dass bei einem Start auf der Nordbahn ein auf der Südbahn landendes Flugzeug so lange in die Warteschleife müsste, bis das gestartete Flugzeug die verlängerte Flugachse der Südbahn überflogen hat.
Selbst die Deutsche Flugsicherung (DFS) dürfte aus Gründen der Sicherstellung eines flüssigen Flugverkehrs einer solchen Regelung darum die Zustimmung verweigern.
Ohne dass Flugzeuge auf beiden Bahnen gleichzeitig starten dürfen, fiele der neue Flughafen in den Spitzenzeiten hinter die derzeitigen Kapazitäten von insgesamt 50 Starts pro Stunde in Tegel und Schönefeld zurück, sagte Flughafenchef Rainer Schwarz am Mittwochabend in Berlin. Aufgrund der Vorschriften wären bei einem abhängigen Parallelbetrieb auf dem BBI maximal 40 Starts in der Spitzenstunde möglich. Der Verzicht auf parallele Starts schon bei geplanter Eröffnung des BBI würde daher zu einer dramatischen Kapazitätsminderung des Flugbetriebes führen.

Die verlogenen Hinweise von Wowereit, dass man zumindest in Spitzenzeiten nicht auf den Parallelbetrieb verzichten wolle, gleichzeitig auch alles tun werde, um auch wegen unabdingbarer Tourismusförderung den Flugbetrieb ausweiten, sind in Wahrheit darum eine Kampfansage gegen die Flugroutenforderungen, die von einigen BIs und Gemeinden gefordert werden.

Diese schwammigen Hinweise sollen folgende Tatsachen vertuschen:

●  weder die Deutsche Flugsicherung, noch die Flughafengesellschaft, noch den FBS-Aufsichtsrat werden die heute soviel diskutierten Flugroutenvorschläge beeindrucken. Die  DFS darf die Kapazität des BBI auf 300 000 Flugbewegungen nicht begrenzen oder einschränken. Durch den Planfeststellungsbeschluss sind rechtssicher 360 000 Flugbewegungen eingeplant.  Eine Unterschreitung oder Beschränkung würde den Flughafen a priori unwirtschaftlich machen und zum Provinzflughafen degradieren.

●  Wenn der BVBB mit seinen Klägern vor dem Bundesverwaltungsgericht kein Recht bekommt, wird munter und rücksichtlos in den nächtlichen Randstunden von 22-0 Uhr und ab 5 Uhr geflogen werden.  Man wird dies damit rechtfertigen, dass rund 22.000 Immobilien Schallschutzfenster und -Lüfter beanspruchen dürfen und die Kinder in Horten, KITAS und Schulen dann unter Schallschutz, also in Akustikkäfigen mit künstlicher Belüftung, aber ohne Fluglärm, leben, lernen und schlafen dürfen.  Wer Lärm ertragen kann oder will, kann die Außenbereiche nutzen

●  Es wird heute bereits zugegeben, dass die Standortwahl auf politischen Druck hin falsch erfolgte, man aber durch investiertes Steuergeld und Zeit davon nicht mehr abweichen könne und versuchen müsste, das Beste daraus zu machen. Was soll das Beste sein und warum kann die Politik eingestandene Fehler nicht korrigieren, nicht zuletzt, um Folgefehler zu vermeiden?

Für den BVBB ist vor dem Hintergrund auch dieser Fakten nicht klar, warum die BIs es Wowereit, Platzeck immer noch abnehmen, dass sie nicht unter Fluglärm und Umweltdreck werden leiden müssen, wenn es nur die richtigen Flugrouten gibt. Warum glauben diese BIs Politikern, die schon mehrfach gelogen haben? Wollen sie zum Schaden der Menschen die Probe aufs Exempel machen und darauf hoffen, dass sie nun von der neuen Wahrheit dieser Interessenvertreter grenzenlosen Flugbetriebs am BBI beglückt werden?
Wowereit und Platzeck wissen genau, dass das was der BVBB auch hier wieder öffentlich macht, die alleinige Wahrheit ist. Sie sind in großer Sorge, dass diese Wahrheit zu der Erkenntnis führt, die der BVBB seit 10 Jahren vertritt, weil diese sachlich richtig ist. Eines muss jedem bewusst sein, geht BBI in Schönefeld erst einmal in Betrieb, wird er hier bis zum Ende weiterentwickelt werden, auch mit 3. und 4. Startbahn. Wenn das Wahnsinnsprojekt noch zu stoppen ist, dann nur jetzt und sofort. Es gibt daher alternativlos nur eine Möglichkeit der Befreiung von der Fluglärmfolter für 200 000 Menschen: Die Ursache, der BBI am falschen Standort, muss beseitigt werden.

Darum wiederholt der BVBB sein Angebot an die BIs, an die Gemeinden, macht Euch sachkundig, lasst Euch nicht mit dummen Schutzbehauptungen, wie der BBI muss jetzt fertig gebaut werden, an der Nase herum führen. Wir sind offen für eine Kooperation, die das einzig richtige Ziel verfolgt: Der BBI muss gestoppt werden, damit der Fluglärm für immer gestoppt wird.

Astrid Bothe                 Ferdi Breidbach                    Kristian-Peter Stange
Vorsitzende                  Ehrenvorsitzender               Pressesprecher

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One Response to Flugrouten: Eine Aufforderung zur Klärung oder Widerlegung von Argumenten

  1. Wagner
    23. November 2010 at 17:46

    Habe eben die Pressemitteilung gelesen und muß sagen, es trifft den Nagel auf den Kopf. Leider gibt es immer noch, eine große Anzahl von Menschen,die naiv oder einfach unwissend sind.Diese Tatsache wird noch dadurch verstärkt,unfähig zu sein, sich eine eigene objektive Meinung zu bilden.Es gibt viele Möglichkeiten sich über Fakten zu Informieren.Man kann sich aber auch von Politikern und Massenmedien verdummen und verblöden lassen. Dabei könnte alles so einfach sein.Wenn alle Bürgerinitiativen an einem Strang ziehen würden, hätte Wowereit,Platzeck,Schwartz und co ausgelacht.

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