Flughafen BBI: Schallschutz-NONSENS

20. März 2011
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Guten Tag!

Hier können Sie den BlickPunkt-Beitrag vom 19. März 2011 (Seite 3) aufrufen, auf den sich Prof. Augustin in seinem unten stehenden Leserbrief an die Redaktion bezieht.

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Sehr geehrte Damen und Herren – – – in der unter „Lärmstudie gefordert“ (red/HA) veröffentlichten Information vom 19.03.2011, steht, was den Lärm und die Schallschutzmaßnahmen betrifft, so viel „Nonsens“, dass man sich nur wundern muss, dass Redaktionsmitarbeiter oder auch Korrespondenten so etwas ungestraft veröffentlichen dürfen. Hier werden offensichtlich ganz im Sinne der Flughafenbefürworter eklatante Falschmeldungen verbreitet, die die ohnehin schon verunsicherten Bürger Blankenfeldes restlos verwirren müssen.

Hier nun einige Fakten: Es beginnt damit, dass geschrieben wurde, dass im Wohnbereich nur so viele Scheiben ausgetauscht bzw. Wände isoliert werden, dass bei einem hypothetisch angenommenen Außenschallpegel im Inneren nur noch Fluglärmgeräusche in der Stärke von etwa 55 Dezibel ankommen.

Allein dieser Satz beinhaltet fünf Fehler bzw. Unkorrektheiten, die man so nicht stehen lassen kann.

1. werden im Regelfall keine Scheiben sondern alte Fenster durch Schallschutzfenster ausgetauscht. Die FBS versucht zwar, vielen ahnungslosen Bürgern, die von dem komplizierten akustischen Spezialwissen der Schalldämmung keine Ahnung haben, über den Tisch zu ziehen, indem man versucht, in die alten – meist klapprigen, verzogenen, jedenfalls nicht absolut dicht schließenden – Holzrahmen nur die alten dünnen Fensterscheiben durch neue, dickere zu ersetzen, um Kosten zu sparen. Damit werden aber in den meisten Fällen auf Dauer nicht die zu fordernden Dämmeigenschaften erreicht. Ganz wesentlich für das dauerhafte Sichern einer hohen Schalldämmung sind die mehrfach an einem modernen Fenster vorhandenen Gummilippen, die die Spalten am Rahmenumfang dicht schließen, so dass kein Schall durch Ritzen an den hoch dämmenden Scheiben vorbei, dann doch in den Raum eindringen kann. Bürger, denen man in den Gutachten solche untauglichen Billiglösungen „andrehen“ will, sollten sich tunlichst im Büro in Mahlow von Akustik-Fachleuten beraten lassen, um hier nicht auf solche unzulässigen „Mogelpackungen hereinzufallen“.

2. werden diese Fenster nicht nur im Wohnbereich, sondern auch, wenn es aus Gründen der erforderlichen Schalldämmung geboten ist, in Schlafräumen ausgetauscht. Auch hier tut die Beratung in Mahlow gut und verhindert, dass von der FBS die ohnehin in Blankenfelde vom Fluglärm geplagten Menschen nun auch noch bezüglich ihrer Rechte betrogen werden.

3. ist das kein hypothetisch angenommener Außenschallpegel, sondern ein geplanter, in Zukunft mit Sicherheit zu erwartender, realer Schallpegel, wenn insbesondere in einigen Jahren dann die volle Auslastung des BBI erreicht werden sollte. Der uns dann im Durchschnitt der sechs verkehrsreichsten Monate am Tage an ca. 120 Tagen mit ca. 250 Flugbewegungen von jeder Startbahn beglücken wird. Man kann leicht ausrechnen, dass das dann im Durchschnitt alle 2 Minuten eine Flugbewegung erfolgen wird. In Spitzenzeiten kann es zu einer Erhöhung von bis zu ca. 40 Sekunden pro Flugbewegung anschwellen – d.h. wir werden dann pausenlos zugedröhnt. An den restlichen ca. 60 Tagen sind es ebenso viele Landeanflüge, die in Höhen unter 350m über unsere Köpfe „hinwegrauschen“ – zwar mit gedrosselter Triebwerksleistung; aber mit ausgefahrenen Fahrwerken, Brems- und Landeklappen. Durch Wirbelbildung wird dabei die gewünschte Bremswirkung erzielt; aber auch lauter Schall erzeugt, dessen Schallpegel in unmittelbarer Nähe zur Einflugschneise sogar höher ausfällt, als bei unter Vollschub startenden; aber schon in größerer Höhe fliegenden Flugzeugen.

4. Schallpegel ist nicht Schallpegel. Man muss – wenn man sich schon auf dieses komplizierte Gebiet der Fluglärm-Akustik begibt – streng unterscheiden zwischen Momentan-, Maximal- und Dauerschallpegel. Dazwischen liegen nämlich Welten und eine Falschinterpretation bei Laien ist daher sehr schnell angesagt Deshalb ist in jedem Falle streng darauf zu achten, welche Art Schallpegel man meint, wenn man Zahlen nennt oder Vergleiche anstellt.

5. Die von Ihrem Autor als Fluglärmgeräusche gemeinten Belastungen einer Stärke von 55 dB(A) sind nämlich auch noch mehrdeutig. Zulässig sind am Tage zur Sicherung einer ungestörten Kommunikation in Innenräumen Dauerschallpegel von 55 dB(A). Außen sind Dauerschallpegel von 60 dB(A) zulässig. Wird dieser „Schallpegel“ überschritten, hat man Anspruch auf Schallschutzfenster in Wohnräumen. In der durchschnittlichen Nacht sind außen Dauerschallpegel von 50 dB(A) und Maximalschallpegel von höchstens 6 mal 70 dB(A) und mehr zulässig. Bei einem gekippt geöffneten Schlafraumfenster bedeutet das, dass im Schlafraum ein Dauerschallpegel von 35 dB(A) und Maximalschallpegel von höchstens 6 mal 55 dB(A) auftreten dürfen. Das ist zufällig der gleiche Zahlwert, wie der Dauerschallpegel am Tage außen. Wichtig ist, dass Maximal- und Dauerschallpegel streng unterschieden werden, weil sonst großer Unsinn „zusammendiskutiert“ wird, denn Dauerschallpegel ist nicht hörbar, bestimmt aber eine Lärmdosis, die unbemerkt den Körper belastet und gegebenenfalls langzeitig schädigt. Maximalschallpegel dagegen sind für die Lästigkeit und Kurzzeitstörung des menschlichen Wohlbefindens maßgebend (Kommunikation, Schlafruhe, Erholung, usw.)

Das zuletzt Gesagte widerlegt somit auch den folgenden Satz, dass für Schlafbereiche nicht der maximale Außenschallpegel, sondern ein Dauerschallpegel von 55 Dezibel maßgebend ist. – – – das sind wiederum vier Fehler!

Es wird – wie oben unter Punkt 5 erklärt – gerade der Außenschallpegel in Form des 6 mal zulässigen Maximalschallpegels einer Höhe von 70 dB(A) als das eine Kriterium benutzt, während das zweite Kriterium – wiederum außen – einen Dauerschallpegel von 50 – und nicht 55 – dB(A) zulässt..

Hier liegt der beschriebene Fall der Verwechslung vor, denn 55 dB(A) sind im Schlafraum nicht als Dauerschallpegel, sondern als Grenzwert für maximal 6 Überschreitungen dieses Wertes durch Maximalschallpegel zulässig!

Die nächste Aussage ist grotesk – um nicht zu sagen: „kompletter Blödsinn“ Durch das jetzt schon bestehende Nachtflugverbot zwischen 0 und 5 Uhr verlagern sich die im Planergänzungsbeschluss geplanten durchschnittlich 113 Flüge in jeder Nacht auf die maximal 3 Stunden zwischen 22 und 24 Uhr und zwischen 5 und 6 Uhr. Das sind also, wenn man das kleine Einmaleins beherrscht knapp 40 Flugbewegungen in jeder Stunde. Woher nimmt Ihr „Experte“ die 6 Ausnahmeflüge wegen des Nachtflugverbots???

Was soll der folgende Satz: Die Dezibelwerte dieser „Ausnahmeflüge“ geteilt durch die Nachtflugverbotszeit – also die 5 Stunden – unterschreiten die 55 Dezibel.- – – ??????

Was soll dieser Schwachsinn ???? Er ist so nicht mehr zu toppen – mir fehlen dafür jede Worte, um überhaupt noch darauf eingehen zu können.

Und wenn die FBS deshalb keinen Handlungsbedarf für Schlafraum-Schalldämmmaßnahmen sieht, dann liegt deren Aussage auf dem gleichen Niveau.

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