Lärmbelastung und Lebensqualität

5. Mai 2011
Von

Unter dieser Überschrift fand am 28. 04. 2011 in Ludwigsfelde die 2. Expertenkonferenz des Kreises   TF   unter  der  Schirmherrschaft  des  Landrates  Giesecke statt. Einberufen vom Vorsitzenden des Kreistagsausschusses für Regionalentwicklung und Bauplanung, Habermann, unter dem Motto „Lärmbelastung – Lärmbelästigung – Lärmbewältigung“. Hierüber hat die Zossener Rundschau vom 30. 04. ausführlich berichtet, so dass das hier nicht wiederholt werden muss.

Die Konferenz war zunächst allgemein auf Verkehrslärm orientiert, nahm dann aber  auf Grund der aktuellen Situation in zwei Vorträgen und vor allem dann auch in der Diskussion als Schwerpunkt die Folgen des Fluglärms ins Visier.

Ich denke, dass es vielleicht wichtiger ist, einzuschätzen, was uns diese Konferenz an neuen Anregungen vermittelt hat und welche Schlussfolgerungen zu ziehen sind, als hier noch einmal den Ablauf und vermittelten Inhalt zu wiederholen. Die Vortragsdokumente können im Internet abgerufen werden.

Bekannte Erkenntnisse – von verantwortlichen Politikern nicht zur Kenntnis genommen

Die Veröffentlichung in der ZR hat ja schon zum Ausdruck gebracht, dass viele der Teilnehmer unbefriedigt und vielleicht sogar enttäuscht diese Konferenz verlassen haben, denn es sind von den Vortragenden, den Moderatoren und auch von den Diskussionsrednern wenig konkrete Hinweise und Anregungen gegeben worden, wie man aus der gegenwärtigen –  aus der Sicht der Betroffenen verfahrenen – Situation um den BBI, die Flugrouten, die Schall-schutzfragen, usw. herauskommen kann.

Vom Vorsitzenden des Kreistages TF, Herrn Schulze wurde sinngemäß resümiert, dass in interessanten 3 Vorträgen zwar viele Erkenntnisse dargestellt worden sind, die aber im Prinzip auch schon weitestgehend bekannt sind. Diese Erkenntnisse werden aber von den Wirtschafts-verantwortlichen, den maßgeblichen Politikern in den Landesregierungen und den von ihnen berufenen Gerichten nicht hinreichend bzw. nur halbherzig zur Kenntnis genommen. Diese Politiker hätten allein die Macht, wenn sie denn auch den Willen dazu hätten, dafür zu sorgen, dass diese Erkenntnisse im täglichen Leben eines Volkes auch umgesetzt werden; aber – man müsse feststellen – dass sie das gar nicht wollen. Demzufolge müsste vom Volk wesentlich mehr Druck aufgebaut werden, um hier zu Veränderungen zu kommen; aber dafür fehlen die Voraussetzungen – das sei aber kein Grund dafür, mit den Bemühungen um eine lebenswerte Zukunft aufzuhören.

Ziel: Entsolidarisierung, Zersplitterung, Manipulation

Anders als z.B. jetzt im Zusammenhang mit dem zu fordernden Atomausstieg mit einem durch die Ereignisse in Japan entstandenen Druck, der sehr viele Menschen und auch Politiker erfasst hat, bietet der Fluglärm leider derartige Potenziale z. Zt. nicht. Hier hat man den Eindruck, dass eher noch unterstützt durch die Politik mit ihren Halbherzigkeiten, Vertuschungen und ungenügenden Informationen, dafür gesorgt wird, dass die Betroffenen durch fadenscheinige Manipulation ihrer Aktionen in Bürgerinitiativen gegeneinander aufgebracht werden sollen, um sich z.B. die möglichen Flugrouten vom Halse halten und lieber anderen aufbürden zu können. Hier werden die Betroffenen regelrecht entsolidarisiert, um sich gegenseitig zu zersplittern, denn nur so ist es möglich, dass sich die verantwortlichen Politiker und Wirtschaftsfunktionäre die Hände reiben und dadurch ihre Interessen uneingeschränkt durchsetzen können.

Die z.Zt. in der Fluglärmkommission praktizierten undemokratischen Methoden und damit einhergehenden Bevormundungen und Überstimmungen der am stärksten betroffenen Gemeinden durch die Vorsitzende Schneider und viele Vertreter wesentlich weniger oder gar nicht betroffener Gemeinden, sprechen dafür Bände.  

In seinem Schlusswort der 2. Expertenkonferenz hat daher der Landrat Giesecke – auch unter Beifall – die Sprecher und Wortführer aufgefordert, die rasche Solidarisierung aller Betroffenen in den Bürgerinitiativen wieder herzustellen und dazu aufgerufen, endlich die gegenseitigen Angriffe nach dem „Sankt Florians-Prinzip“ zu beenden.

Mit einem Appell an die Landesregierungen hat er gefordert, endlich spürbare Maßnahmen einzuleiten, um die zu erwartenden Umweltbelastungen durch den BBI zu minimieren. Er unterstrich damit – auch unter dem Hinweis auf die in den letzten Jahren verstärkte Unterstützung des Kreises mit seiner Person an der Spitze und auf die ständigen Aktivitäten des Abgeordneten Schulze – dass man voll hinter den berechtigten Forderungen der Flughafenanwohner stehe und die Politik unmissverständlich auffordere, endlich die oft ausgesprochenen Versprechungen in die Tat umzusetzen. 

Forderungen der betroffenen Bürger so weit, wie möglich, unterlaufen

Die Diskussion ergab, dass aus vielen Studien über Lärmwirkungen (nicht nur Fluglärm, sondern vor allen Dingen auch Straßen- und Schienenlärm, Industrielärm, usw.) und deren Veröffentlichungen diese Erkenntnisse intensiver Forschung hinreichend bekannt und selbst vor den Gerichten schon breit und ausführlich diskutiert worden sind. Dass Lärm krank macht wurde in den letzten Jahren immer deutlicher und unmissverständlich herausgearbeitet und häufig auch schon durch verringerte, notwendige Grenzwerte für Dauerschallpegel und Häufigkeiten zulässiger Maximalschallpegel untersetzt; aber es wird immer wieder versucht, unter Hinweis auf verminderte Wirtschaftlichkeit im Falle von empfindlichen Beschrän-kungen des Flugbetriebs diese international anerkannten Grenzen und Regeln zu ignorieren bzw. durch „scheibchenweise“ erfolgende Schritte zu unterlaufen.

Die Flugverkehrslobby als Verfechter grenzenlosen Flugbetriebs mit an erster Stelle zu fordernder Wirtschaftlichkeit solcher Infrastrukturschwerpunkte, wie es große Flughäfen mit Drehkreuzfunktion darstellen, versucht mit allen erdenklichen Mitteln, die berechtigten Forderungen der Betroffenen zu behindern. Sie stützt sich dabei auf Gesetze und Normen, auf Bauordnungen und Richtlinien ab, die formal z. Zt. zwar gültig und rechtskräftig sind, die aber oft nicht mehr dem neuesten Erkenntnisstand entsprechen bzw. ganz gezielt hinsichtlich der anzuwendenden Methoden und Grenzwerte hinter den wissenschaftlich begründeten Ergebnissen internationaler Forschung zurückstehen. 

Das ist deshalb der Fall, weil verbesserte, d.h. verschärfte Methoden, Berechnungsverfahren und Grenzwerte nicht schnell genug in überarbeiteten Normen und Gesetzen ihren Niederschlag finden. Ein wesentlicher Grund dafür liegt oft darin, dass die verbindliche, d.h. gesetzlich geregelte Einführung derartig neuer Erkenntnisse u. U. enorme wirtschaftliche, d.h. finanzielle Konsequenzen zur Folge hat, die logischer Weise von den für die Wirtschaft-lichkeit der betreffenden Prozesse Verantwortlichen so gering, wie möglich gehalten werden wollen.

Leben in „Schallschutzkäfige mit gequirlter Frischluft“

Beispielgebend hierfür ist z.B. die Frage der Entschädigung vom Fluglärm Betroffener. Nicht der Lärmverursacher wird hier gesetzlich dazu verpflichtet, die Betroffenen vollständig zu entschädigen, wie das bei fast allen z.B. industriellen oder auch privaten Lärmverursachern der Fall ist, sondern dass das z.B. gerade erst halbherzig „novellierte“ Fluglärmgesetz dem Flughafenbetreiber erlaubt, eine extrem eingeschränkte Entschädigung durch unvollkommene Schallschutzmaßnamen mit finanzieller „Deckelung“ zu realisieren. Damit wird aber weder der Eigentumsverlust einer – im Interesse des Flughafenbetreibers – nur noch eingeschränkt nutzbaren Immobilie eines Betroffenen vollständig ausgeglichen, so dass er sich ggf. durch Umzug anderenorts eine gleichwertige Immobilie erwerben kann,  noch wird der durch Fluglärm bedingt beeinträchtigte Gesundheitszustand der Bewohner der betreffenden Immobilien in ihrem Umfeld in vollständiger Art und Weise kompensiert. Durch schwierigen kausalen Nachweis der Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes durch Fluglärm, den man dem Betroffenen überlässt, dem man aber nicht sagt, wie er das machen soll, bleibt dieser auch in dieser Hinsicht immer der Unterlegene, weil dieser kausale Zusammenhang – obgleich er hinreichend erforscht ist – im Einzelfall nicht aufgedeckt werden kann. Man kennt die Gefahren; aber ignoriert sie bewusst und nimmt als der Stärkere die latente Schädigung der Betroffenen billigend in Kauf.  Da nützt auch ein halbherziges Schallschutzprogramm mit sehr eingeschränkten Maßnahmen nichts, wenn die Betroffenen dadurch auf ein Leben in „Schallschutzkäfigen mit gequirlter Frischluft“ verbannt werden, ihren Garten aber so gut wie nicht mehr nutzen können und auf allen Wegen außerhalb des Gebäudes – beim Einkauf, zur Arbeit, beim Spaziergang durch den Wald, beim Sport und Spiel im Freien usw. – immer dem unangenehmen Fluglärm – zusätzlich zum Straßen- und Schienenlärm – ausgesetzt sind.

Hierzu haben die Referenten eindeutig Stellung bezogen und zum Ausdruck gebracht, dass es durch hohen Druck (es stehen Wahlen bevor !) – gelingen muss, die maßgeblichen Politiker zu zwingen, sich dafür einzusetzen, dass in den Gesetzen, Verordnungen und Normen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse ihren Niederschlag finden müssen und dass sie dafür zu sorgen haben, dass die Wirtschaftsunternehmen diese verschärften Forderungen auch einzuhalten haben, auch dann, wenn es teurer wird. Beispielhaft war hier der Hinweis des Referenten Prof. Zillich auf den Bürgermeister von London, der – „als harter Hund“ – Schallschutzmaßnahmen für das gesamte Haus: „the hole house“ gefordert und durchgesetzt haben soll.

Sprüche und Plattitüden aus sicherer Entfernung

Aber genau dazu sind die Politiker und die gesamte und mächtige Flughafenlobby – einschließlich der Verwaltungsgerichte – z. Zt. nicht bereit, weil sie die wirtschaftlichen Monopolinteressen des Luftverkehrs nicht zu schmälern bereit sind, obgleich sie schon im Vergleich mit anderen Wirtschaftszweigen wesentliche Begünstigungen (z.B. fehlende Kerosinsteuer) in Anspruch nehmen. Die verantwortlichen Politiker in den Luftfahrtbehörden und Landesregierungen verstecken sich hinter diesen Machenschaften, weil sie als – staatliche – Anteilseigner selbst Vorteile für sich und ihre Politik sehen. Sie sind dadurch selbst zu abgehoben, um fern von den berechtigten Interessen „ihres“ Volkes ihre Interessen im Vordergrund zu sehen und bemüht sind, in jedem Falle Ihre Macht zu sichern. Man lässt sich deshalb auch nicht bei den Betroffenen sehen und stellt sich ihren Sorgen und Ängsten, sondern man „klopft in sicherer Entfernung Sprüche“ und Plattitüden, ohne wirklich helfen zu wollen. Das ist beschämend und extrem befremdend und genau so dumm, wie z.B. immer wieder „gegebene Hinweise dieser „Experten““, dass die Betroffenen sich ja durch Klagen ihr Recht sichern könnten. Dabei wird aber bewusst übersehen, dass das für den einzelnen Bürger sehr teuer werden würde, während sich die Gegenseite uneingeschränkt aus Steuermitteln „bedienen“ kann und damit immer der Gewinner sein wird. Von „Chancengleichheit“ kann unter diesen Bedingungen ja wohl keine Rede sein.

Als Schlussfolgerung bleibt, dass die politischen Machthaber in den betreffenden Bundes-ländern, die zumeist oft auch gleichzeitig Anteilseigner dieser Flughäfen sind und deshalb auch selbst daran interessiert sind, dass Ihre lukrativen Großprojekte maximalen Gewinn erwirtschaften können, also gar kein Interesse daran haben, für die Betroffenen auf eine maximale Minderung ihrer Verluste hinzuwirken. Deshalb nehmen auch sie – und die von ihnen berufenen Gerichte – keine Notiz von den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen. Für sie und die Wirtschaftsbosse ist es de facto zweitrangig, ob die Flughafenanwohner unter Lärmterror und dadurch Gesundheits- und Eigentumsverlusten zu leiden haben. Sie predigen zwar immer wieder, den Betroffenen maximale Hilfe und Unterstützung zu gewähren; aber in der Praxis sieht es dann wieder ganz anders aus – dort beruft man sich dann auf bestehende Gesetze und Verordnungen und die Betroffenen können sehen, wo sie bleiben – sie sind in jedem Falle die Verlierer.

Deutsches Fluglärmgesetz: Wissenschaftliche Erkenntnisse uninteressant

War der Vortrag des Sozialmediziners der Universität Innsbruck, Herrn Prof. Lercher, im wesentlichen auf – bekannte – Lärmwirkungen einer Fluglärmbelastung bzw. –belästigung und Möglichkeiten ihrer Bewältigung orientiert, wurde deutlich, dass nicht allein akustische Größen wie Lärmpegel maßgebend sind, sondern dass ganz entscheidend physiologische und psychologische Moderatoren die Bewertung des Fluglärms beeinflussen und Möglichkeiten zur Lärmbewältigung bestimmen, die allein nicht mit diskreten mathematisch-physikalischen Messgrößen erfasst werden können – im Prinzip eine gute Zusammenfassung; aber ohne wesentliche Neuerkenntnisse. Entscheidend war die Aussage, dass – unter besonderem Hinweis auf das deutsche Fluglärmgesetz – heute gültigen Gesetze und Verordnungen, Normen und Richtlinien diese Erkenntnisse nach wie vor nicht annähernd zur Kenntnis nehmen und gebührend berücksichtigen.

„Maskierung“ von Strassengeräuschen – Übertragbar auf Fluglärm?

Frau Prof. Schulte-Fortkamp vom Institut für Strömungsmechanik und Akustik der TU Berlin referierte über eine Modernisierung des Nauener Platzes in Berlin unter dem Gesichtswinkel, durch begrünte Schallschutzwände und das Einspiel angenehmer Geräusche wie z.B. Vogelzwitschern und Wellenrauschen am Strand durch Überdeckung (Maskierung) des störenden Straßenverkehrsgeräuschs mit diesen Zusatzgeräuschen den gesamten Schalleintrag zu „harmonisieren“, um dadurch den Gesamtschall angenehmer und weniger belastend zu empfinden.

 Aus meiner Sicht ist das zwar technisch möglich und physiologisch erklärbar; aber ob das einen längeren Aufenthalt in dieser Geräuschkulisse angenehmer werden lässt, oder ob das Vogelgezwitscher dem Besucher dieses Platzes auf Dauer erträglich bleibt, ist nicht bewiesen.

Zumindest überzeugten einige Proben aufgezeichneter Beschallungsbeispiele für den verbleibenden Gesamtschall nicht, da das Straßenverkehrsgeräusch als unangenehmes Brummen – z.B. neben dem Vogelzwitschern – verblieben ist.

Außerdem wird unberücksichtigt gelassen, ob die verbleibende Schallbeauflagung der auf diesem Platz Erholungssuchenden nicht auch eine unbewusste Schalldosierung verursacht, die auf Dauer zu Gesundheitsbeeinträchtigungen führt.

Fakt ist, dass für Fluglärm diese Methode unmittelbar wegen des hauptsächlichen Schall-eintrags durch Fluglärm von oben nicht anwendbar ist.

Luftschloss: Finanzierung schalldichter „Ersatzaußenwohnbereiche“

Zu dieser Problematik nahm aber der 3. Vortrag vom Prof. Zillich, Architekt an der Sektion Städtebau der TU Berlin Stellung. Er zeigte eine Fülle von Bildern bereits in der Welt realisierter Großbauten; aber auch privater Villen, die durch geeignete schallgedämmte Glasvor- und – überbauungen im Innenraum eine von den äußeren Schallquellen isolierte „Wintergarten-Atmosphäre“ mit Bepflanzungen und – z.T. sich frei bewegenden – Tieren schaffen kann. Die dargestellten Beispiele waren interessant und z.T. erstaunlich gut anzuschauen. Die großen Fenster gestatten einen weitgehend ungehinderten Blick in die Umgebung und der klimatisierte Innenraum eine angenehme Aufenthaltsbedingung. Mit den Worten, dass derartige Bauwerke durch die Lärmverursacher zu finanzieren seien, wurde allerdings eine Tür aufgeschlossen, die – unter Beachtung der gegenwärtigen Situation im Umfeld des BBI, angesichts leerer Kassen und der z.Zt. bestehenden Gesetze, Verordnungen, der Bauordnungen und weiterer bürokratischer Hemmnisse – nur einen bescheidenen Blick in ein „Traumland“ ermöglichte. Es sollte doch zur Zeit niemand davon ausgehen wollen, dass z.B. ernsthaft in Betracht gezogen werden könnte, dass die FBS auch nur ansatzweise zur Finanzierung derartiger schalldichter „Ersatzaußenwohnbereiche“ bereit wäre. Was nutzt also den in Blankenfelde/Mahlow betroffenen Fluglärmgeschädigten dieser Blick in ein unerreichbares Traumland, wenn sie allein daran denken, wie sie mit ihren im Allgemeinen bescheidenen finanziellen Reserven derartige „Luftschlösser“ finanzieren sollen. Offen geblieben sind bei diesem Vortrag auch die Möglichkeiten und finanziellen Zusatzbelastungen, die dadurch entstehen, die riesigen Glasflächen im Winter z.B. schneefrei und im Sommer – sicherlich durch die verschiedensten Umwelteinflüsse bedingt mehrmals im Jahr notwendig – schmutzfrei zu halten, wofür auf Grund der begrenzten Belastbarkeit solcher Glasdächer sicher auch ziemlich kostenintensive Reinigungstechnologien erforderlich sind.  

2. Expertenkonferenz: Unzufriedenheit und Frust – oder Druck aufbauen mit legalen Mitteln und Methoden

Als Konsequenz musste also letztendlich beim Verlassen des Veranstaltungsortes bei den meisten der Konferenzteilnehmer eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Gehörten und Gesehenen verbleiben.

Die Veranstaltung war – im Vergleich zur 1. Expertenkonferenz – wesentlich besser besucht; aber es haben angesichts des zu erwartenden Lärmterrors nach Eröffnung des BBI trotzdem viel zu wenig Interessierte den Weg nach Ludwigsfelde gefunden, so dass auf jeden Teilnehmer ca. 500 weitere; aber nicht erschienene Betroffene kommen – eine bittere Erkenntnis der Veranstalter, die damit auf das spätestens ab 2012 mit Sicherheit beginnende „große Stöhnen“ verweisen, wobei den dann „endlich aufwachenden Menschen im Flughafeneinzugsbereich“ nicht mehr zu helfen ist. Die Möglichkeiten, durch eine starke, einheitlich auf ein bestimmtes Ziel hinarbeitende Volksmacht zu erhalten, die die Politik – wie jetzt im Falle des Atomdesasters – zum Handeln zwingt,  wird es unter diesen Bedingungen nicht geben. Daran sollte jeder Betroffene einmal denken und mit Handlungen im Interesse aller Betroffenen aktiv werden und mithelfen, gegenüber der Politik mit legalen Mitteln und Methoden Druck aufzubauen, um sie zum Handeln im Sinne der Betroffenen zu zwingen. Diese haben ja zu Beginn der Flugroutendiskussionen mehrfach lauthals verkündet, dass diese Flugrouten von der DFS schließlich so festgelegt werden müssen, dass möglichst wenige Menschen mit im Prinzip unzumutbar hohen Fluglärmwerten unzulässig hoch belastet werden sollen. Dabei sollte von dem Prinzip: „Fluglärmentlastung geht vor Flugsicherheit und rationellem Flugbetrieb und zuletzt vor der Wirtschaftlichkeit des Flugbetriebs“ – – – sollen sie doch nun endlich zu ihrem Wort stehen und vor allen Dingen auf die Aussagen im Planfeststellungsbeschluss zurückkehren, in dem z.B. von einem „Drehkreuz BBI“ keine Rede ist. Sollen sie doch endlich ferner akzeptieren – wie es das Bundesverwaltungsgericht definitiv festgeschrieben hat – dass ein Flughafenbetreiber große und auch empfindliche Einschränkungen hinsichtlich der anzustrebenden Wirtschaftlichkeit hinzunehmen und Ausnahmen davon sehr genau und nachvollziehbar zu begründen hat, wenn er, wie im Falle BBI, einen Flughafen unbedingt am ungünstigsten – weil stadtnahem – Standort errichten will.

Man kann eben nicht alle Vorteile einer Entscheidung, die sich längst als eine der größten politischen und wirtschaftlichen Fehlentscheidungen herausgestellt hat, in einem Rechtstaat ungestraft auf Kosten der Gesundheit und Eigentumsvernichtung vieler Flughafenanwohner  in Anspruch nehmen wollen und diese Menschen mit allen erdenklichen Nachteilen sich selbst und ihrem Schicksal überlassen.

Prof. Dr.-Ing. habil. E. Augustin

Print Friendly, PDF & Email

Tags:

One Response to Lärmbelastung und Lebensqualität

  1. Uwe Wirkus
    6. Mai 2011 at 06:51

    Danke an den Autor für seine Zeilen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.