Zur Korruptions-Debatte im Kreistag

2. Juni 2011
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Für den Vorsitzenden der Gemeindevertretung Blankenfelde-Mahlow, Gerhard Kalinka (SPD/DIE GRÜNEN),  ist der Fall klar: „Die Zahl der wegen Korruption Angeklagten und Verurteilten liegt im Landkreis bei Null.“ Ja, und? Über die Quelle dieser „wichtigen“ Information äußert sich Dr. Kalinka leider  nicht und auch der MAZ-Berichterstatter fragt an dieser Stelle selbstverständlich nicht weiter nach. Das kann man ungeprüft übernehmen. Bleibt allerdings die Frage: Selbst wenn diese Information zutreffen sollte, welche Aussagekraft hat sie? Null! Denn Korruption ist ein „Kompensationsgeschäft zum gegenseitigen Vorteil“, hier gibt es in der Regel keine Opfer, die an Aufklärung interessiert sind und daher Anzeige erstatten. (Schönbohm-Immer mehr Fälle von Korruption, 25.6.09.pdf)

Abgesehen von dem Problem, dass whistelblower mit Zivilcourage in Deutschland vogelfrei sind – im Gegensatz zu Großbritannien. Der CDU sei dank. Das parteipolitische Tauziehen um den gesetzlichen Schutz von whistleblowern in Deutschland – ein Beispiel mehr für das, was Bürger wirklich von den Parteien in Sachen Korruptionsbekämpfung zu erwarten haben. Dazu muss man sich also nicht die einschlägige Debatte im Kreistag antun.  Dass Bauverwaltungen grundsätzlich und überall auf der Welt, zu den korruptionsanfälligsten Bereichen gehören, pfeifen die Spatzen von den Dächern. klaerwerk wird daher auch in Zukunft für die Bürger über Merkwürdiges und Ungereimtes im Zusammenhang mit Großprojekten und Strassenbaumaßnahmen der Gemeinde berichten. Bleibt noch die Frage: Was hat ein Experte für „Stammtische“, wie Dr. Gerhard Kalinka, mit all dem zu tun?  Hier die Sichtweise von Bernd Heimberger:      


Lob dem Stammtisch

Das rauch- und gedankengeschwängerte Tabacs-Collegium des Vaters von Friedrich dem Großen war ein Stammtisch. Die progressive Wissenschaftler-Gruppe der Göttinger Achtzehn war ein Stammtisch. Die honorigen Wirtshaustreffen der Honorationen einer Gemeinde waren lange, lange in den deutschen Ländern lebhafte politische Stammtische. Wer Berliner Kneipen kennt, die noch Berliner Kneipen sind, kann an Stammtischen sitzen und hören, was das von Politikern stets gerühmte Volk an Witz und Weisheit hat. Dagegen sehen Politiker blutlos, leichenblass aus. Was gegen den nachbarschaftlichen Stammtisch auf der Terrasse sagen, an dem das Wort „Seniorenparkhaus“ die Runde macht? Gemeint ist jener Bauklotz inmitten der GAGFAH-Siedlung Blankenfelde, der offiziell – kaschierend „Seniorenpflegeheim“ genannt wird. Wieso also Stammtische verdammen und denunzieren? Wer wagt´s?

Gerhard Kalinka, der gern den GRÜNEN gibt, schwang sich im Kreistag auf, gegen Stammtische und ihre Themen zu wettern. Laut MAZ sagte er: „Korruption ist ein Thema, das sich für Stammtische eignet…“ Wenn schon kein Thema für den Kreistag oder die Heimatgemeinde von Kalinka, Blankenfelde-Mahlow, wo er im Stuhl des Gemeindratsvorsitzen-
den sitzt, warum nicht für den Stammtisch? Ist doch – und das ist keine Vermutung – der Ort, an dem das Volk herzerfrischend davon spricht, was es von den Volksvertretern hält. „Alles Arschlöcher“, mußte ich mir mal von den Leuten anhören, mit denen ich aus einer Sitzung der Gemeindevertretung gegangen war, um mich mit ihnen in ein Restaurant zu setzen. Stammtisch eben! Ein Lob dem Stammtisch!

Bernd Heimberger

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