Blank liegende Nerven und Erinnerung an einen untergegangenen Staatsapparat – Zufällige Paralellen?

7. Juni 2011
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Bernd Heimberger (Vorstand des Kulturvereins Blankenfelde) hat es abgelehnt, den von der Verwaltung erneuerten Mietvertrag in der vorgelegten Form zu unterzeichnen.  Das wiederum war für Bürgermeister Baier (SPD) Grund genug, auf der letzten Sitzung des Hauptausschusses zu fordern, Bernd Heimberger bzw. den Kulturverein Blankenfelde muss nun „… die volle Härte des Staatsapparates treffen …“ und hat  die Schließung der „Alten Aula“ angedroht. Sommerzeit-Partyzeit, manch einer könnte das mit der  flapsigen Bemerkung abtun: „Mönsch, wat haste denn jenommen? Frische Ernte oder wat?“ Bleibt die Frage: Ist das noch lustig? Lesen Sie dazu bitte einen Kommentar von Bernd Heimberger:

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Aus für „Alte Aula“ ?

Das war eine schlimme Bemerkung. Eine schreckliche Bemerkung. Eine widerliche Bemerkung. Die Bemerkung war eine Drohung. Die Drohung lautete, dass ich nun die „ganze Härte des Staatsapparats“ zu spüren bekommen würde. Das war keine zwei Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer. Das war gut ein Jahr nachdem das Gesetz zur Wehrpflicht die DDR zunehmend militarisierte. Die Drohung war eine der Militanz und Macht. Ich hatte es gewagt, zu sagen, dass ich zu keinem Militärdienst bereit bin. Die angekündigte Verweigerung galt als Verrat an der DDR und das war ein Verbrechen. Was kam war eine schauerliche Zeit für einen gerade Zwanzigjährigen. Zu überleben bedeutete, wichtiges fürs Leben zu lernen.

Nun wurde die Bemerkung, die Drohung ist, erneut hörbar. Geäußert wurde sie in der Mai-Sitzung des Hauptausschußes vom Bürgermeister der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow. Die Bemerkung bleibt schlimm, schrecklich, widerlich. Sie ist die Sprache der Militanz und Macht. Sie ist nicht hinzunehmen. Ihr ist zu widersprechen. Obwohl ich mich durch eine solche Sprache nicht mehr angesprochen fühle. Obwohl ich als Person angesprochen wurde. Obwohl der Kulturverein Blankenfelde gemeint war. Der 20-jährige Kulturverein. (Welch ein Schicksals-Zufall!) Bürgermeister Baier meinte, dass ich und der Kulturverein nun mal die „ganze Härte des Staatsapparats“ zu spüren bekommen müssten. Verstärkt durch die erweiterte Drohung, die „Alte Aula“ mal für zwei Monate zu schließen. Wem also gilt die Drohung? Mir? Dem Kulturverein? Den Bürgern der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow? Den Nutzern der „Alten Aula“? Dem Publikum?

Hof – „Alte Aula“

Anlaß für den Ausfall war, unter dem Tagesordnungspunkt „Sonstiges“, eine Aussprache über den angeblich nicht unterzeichneten Mietvertrag zwischen dem Kulturverein und der Gemeinde. Der offensichtlich nicht genügend informierte Bürgermeister weiß offenbar nicht, dass der Kulturverein einen gültigen Mietvertrag hat. Datiert auf den 26. April 2006. Dieser Mietvertrag sollte um zwei Zeilen ergänzt werden. Und genau das ist seit November 2010 nicht geschehen, denn die Verwaltung versuchte eine Reihe von Paragraphen zum Nachteil des Kulturvereins zu verändern, der die Interessen der Allgemeinheit vertritt. Bis April waren sämtliche Korrekturen getilgt und der Kulturverein bereit, den Vertrag zu unterschreiben. Strittig blieb ein neuer Paragraph, der Parkplätze im Hof der „Alten Aula“ fixierte. Allen früheren Verhandlungen zum Trotz. Also auch denen von 2005/06. Wir sollten den Paragraphen handschriftlich streichen. Haben wir nicht getan. Wir teilten der Verwaltung mit, dass wir einen korrekt ausgeführten neuen Vertrag erwarten. Der ist bis zum 31. Mai 2011 nicht im Kulturverein eingetroffen.

Ist das schon die „ganze Härte des Staatsapparates“? Oder kommts noch schlimmer? Kommts zu einer Schließung der „Alten Aula“? Weil Macht das so möchte? So schlimm kanns ja gar nicht kommen. So schlimm wie 1963, weil ich nicht wieder wegen eines „Staatsapparats“ an Selbstmord denken möchte. So schlimm, schrecklich, widerlich die Bemerkung eines Vertreters des „Staatsapparats“ auch ist.

Bernd Heimberger

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