Ein Konzept legt Zeugnis ab: „Kommunales Schilderleitsystem“

3. Juli 2011
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ZIEL VERFEHLT

Es ist schon ein Leid mit dem Wörtchen „Leit“. Wo immer möglich wird es vom Bauamt der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow in papierne Konzepte eingeflochten. So auch in das „Konzept eines kommunalen Schilderleitsystems“. Geschenkt, weil soviel „Leit“ etwas Inflationäres hat und deshalb kaum mehr ernstzunehmen ist? Wollen wir nicht zu leicht nehmen, was sich offensichtlich der Kulturausschuß, der Bauausschuß, die Ortsbeiräte und die Gemeindeverwaltung zu leicht gemacht haben. Infolgedessen auch der „Bearbeiter“ des Konzepts: Sieghard Kupsch.

Jan Skuin: Skulpturengarten in Blankenfelde, Albrecht-Dürer-Str. 73

Aus nicht erklärten, unergründlichen Gründen ist sämtlichen Dorfkirchen der Großemeinde das Wort „Alte“ vorangestellt. Wo hätten wir denn, in welchem Dorf welchen Ortes, eine „Junge Dorfkirche“? In Blankenfelde wäre, um allen Verwechslungen aus dem Wege zu gehen, die Katholische und die Neuapostolische Kirche auszuschildern. Keine Sorge, daran ist nicht gedacht! Wieso also „Alte Dorfkirche“? Angesichts der Überfülle „Alter Dorfkirchen“ muß man den Gemeindebesuchern ja nicht mit einer alten Dorfschmiede kommen. Die ist ja nur ein halbes Jahrtausend alt und das zweitälteste Gebäude in Blankenfelde. Hat man Pech, kann man in der Schmiede einen Metallgestalter schmieden sehen. Wieso die Leute in derart abgelegene Winkel des Blankenfelder Dorfangers locken, wo die Schmiede steht? Man könnte die Touristen glatt verführen, die Schritte bis zur 150 Meter entfernten Dorf-Eiche Blankenfelde zu lenken. Was ist denn interessant an einem so alten Gehölz? Außer, dass der Baum über dreihundert Jahre auf dem Buckel hat und der älteste Baum in der großen Gemeinde ist. Muß man ja nicht wahrnehmen. Muß man ja nicht drauf hinweisen. Weil dem Bearbeiter eingeflüstert wurde, wie er schreibt, dass die „historische Eiche …. örtlich historische Wertigkeit“ hat und „begrenzt von Interesse für auswärtige Besucher“ ist (Dümmer geht’s nimmer!). Genau das ist nicht der Fall. Wie der Kulturverein sehr gut weiß, sind viele Blankenfelde-Besucher überaus dankbar, wenn sie zum Besuch der Dorf-Eiche (plus Schmiede) ermuntert werden.

Keine Gnade fanden von denen, die die „Ziele“ auswählten, das einzigartige Wohnhaus des Architekten Bruno Taut (Dahlewitz) und der in Brandenburg einmalige Skulpturengarten Jan Skuin (Blankenfelde). Dazu ist im „Konzept“ zu lesen: …sind privat und für Besucher nicht  u n z u g ä n- g l i c h. Besichtigungen oder Führungen sind folglich nicht möglich.“ Was denn nun? „Nicht unzugänglich“. Oder? Taut –Haus wie Skulpturengarten sind gut von der Straßenseite her zu besichtigen.

Es ist nicht nur ein Gefühl, dass diejenigen beziehungslos in der Gemeinde leben, die die Auswahl trafen. Wenn vorwiegend Ortsansäßigen gesagt wird, was sie ohnehin wissen, wo Kirchen, Bahnhöfe, Bibliotheken, Sporthallen, Friedhöfe zu finden sind, dann haben die Hinweise auf die Ziele ihr Ziel verfehlt. Eine Gemeinde, die sich selbst etwas Wert ist, weist auf die Werte der Gemeinde hin. Davon ist zu wenig in dem „Schilderleitsystem“. Für Touristen ist es ein Leid. Und für einen historisch bewußten Bewohner von Blankenfelde-Mahlow ist es eine leidvolle Erfahrung, dass es keinen Hinweis auf den „Mauerweg“ gibt. 22 Jahre nach …! Man müßte wirklich etwas von seiner Gemeinde wissen, damit man weiß, wohin man Menschen leitet, die was wissen wollen von und über Blankenfelde-Mahlow.

Bernd Heimberger

 

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One Response to Ein Konzept legt Zeugnis ab: „Kommunales Schilderleitsystem“

  1. 15. Juli 2011 at 17:22

    Ein Schilderleitsystem ist für die Ortschaft immer etwas Gutes. In Trebbin kann man Aussteigen und sich mit Zuhilfenahme der Beschilderung bis in die Friedensstadt Glau orientieren. Denke in Blankenfelde tut Ihr gut daran dem Besucher ein Schilderwald zur Verfügung zu stellen. Lg Peter

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