Beten für Bethke?

18. Juli 2011
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Auf das Himmelreich auf Erden wartet die Menschheit seit Menschengedenken. Endlich, endlich ist es nicht mehr fern. Inmitten der Blankenfelder GAGFA-Siedlung wird der Menschheitstraum wahr. Zunächst einmal ist das irdische Himmelreich für die älteren menschlichen Jahrgänge reserviert, die unter dem Begriff Senioren summiert werden. In der „Residenz“, wie die irdische Einrichtung himmlischen Charakters genannt wird, wird „Menschlichkeit gepflegt“. Ja wo denn sonst, wenn nicht in einer Residenz, die in unmenschlichen Zeiten der bevorzugte Sitz eines weltlichen oder kirchlichen Oberhauptes war. Eine Residenz ist eben auch nicht mehr, was eine Residenz mal war.

In der Volksresidenz muß mit allem gerechnet werden. Mit der „liebevollen Pflege auf höchstem Niveau in gemütlicher Atmosphäre im mediterranen Stil“. Da sind „die Tage mit vielseitigen Freizeitmöglichkeiten“ geradezu unvermeidlich. „In unmittelbarer Umgebung“ der paradiesischen Residenz, „befinden sich Einkaufsmöglichkeiten, eine Apotheke, ein Bäcker“. Mehr braucht Mensch schließlich nicht mehr, wenn er auf dem Weg ins wirkliche Himmelreich ist. Eh der Garten Eden betreten wird, lädt der „parkähnliche Garten des Hauses zum Verweilen und zu abwechslungsreichen Spaziergängen ein.“ Wie da an einen profanen Hofrundgang denken? Dem kann sich ohnehin entziehen, wem nicht der Sinn nach „Ausflügen, bunten Festen zu jahreszeitlichen Anlässen und Konzerten bis zu gemeinsamen Kochvergnügen oder Sportangeboten“ steht. Selbst wer ein Gewohnheitstier ist, kann seine „lieb gewordenen Hobbys weiter pflegen“. Tischler, Schlosser, Gärtner unter den Residenzbewohnern sollten sich vielleicht zu Philatelisten oder Numismatikern umschulen lassen. Sicherheitshalber. In den „bereits gemütlich und freundlich“ – wie auch anders? – eingerichteten Zimmern der Residenz ist für allzu raumgreifende Hobbys nun wahrlich kein Raum. Zugestanden werden kleinere „Möbel, Bilder, ein Radio, ein Fernseher oder auch andere liebgewordene Dinge“. Man denke an ein Deckchen, ein, zwei Kissen und Familienfotos. Vergessen Sie alles, was Sie am Computer schon gelernt haben. Das ganze moderne Teufelszeug hat im Paradies nichts verloren.

Eingebrockt hat uns das heimelige Himmelreich auf Erden der gewiefte Geschäftsführer Michael Bethke. Der spielt sich nicht als barmherziger Samariter auf. Auch sein Paradies hat seine Preise. Darüber in dem irdischen Himmel preisenden Werbeblatt zu sprechen, verbietet die Höflichkeit dem Betreiber. Also Feilschen? Alle möglichen Pflegestufen ausknautschen? Oder beten? Für Herrn Bethke? Gnade ihm Gott, es wird wieder nichts mit einem Himmelreich auf Erden!

Bernd Heimberger

 

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8 Responses to Beten für Bethke?

  1. Sigrid Zentgraf-Gerlach
    18. Juli 2011 at 14:54

    Sehr geehrter Herr Heimberger,

    was ist denn Ihre Alternative zu Seniorenheimen, wenn die Situation in den Familien so aussichtslos geworden ist, die Pflege zu Hause noch länger zu schultern? Oder wenn alte Menschen von vorneherein niemanden haben? Oder wenn Pflegepersonen völlig erschöpft und selbst krank geworden sind? Haben Sie schon einmal schmerzlinderende Spritzen in den Rücken bekommen, damit sie sich mit der Pflege weiterschinden können, obwohl feststeht, dass Sie es absolut nicht mehr schaffen? Ich schon! Und ein Heimplatz war dann die einzige Chance, sich irgendwann einmal wieder annähernd normal und gesund zu fühlen. Auf den haben wir 2 1/2 Jahre gewartet und derweil die Zähne zusammengebissen, weil es zu wenige Pflegeplätze gibt in der Region. Und wenn sich Heimträger Gedanken machen, was sie an Betätigung noch anbieten können, dann ist das aller Ehren wert. Meistens aber sind diejenigen, die in einer Pflegeeinrichtung leben, aber schon so eingeschränkt, dass sie kaum noch eines von diesen Angeboten überhaupt noch annehmen können. Also Herr Heimberger, welche sozialromantische Lösung auf Kosten vom wem haben Sie denn in der Tasche, um die wirklichen Probleme zu lösen, von denen Sie anscheinend noch nicht einmal im Ansatz einen Begriff haben, wie sie sich anfühlen. Diejenigen, bei denen es noch irgend geht, zu Hause zu bleiben, bekommen von der Pflegeversicherung keine Kostenübernahme für den Anteil an der stationären Pflege. Das schützt die meisten, die weniger gut betucht sind, schon gut davor, sehr früh in einer Senioreneinrichtung zu leben. „Pflegestufen ausknautschen“? Eine der schlimmsten Heimsuchungen in unserer Gesellschaft ist die Knausrigkeit der Pflegeversicherungsbürokratie. Vermutlich fehlen Ihnen damit auch einfach die Erfahrungen, denn sie waren ganz offensichtlich noch nicht dazu gezwungen, die Sozialromantik einer liebevollen Pflege in der Familie über länger als zehn Jahre zu leben. Und was die Kosten angeht: Da unterscheiden sich die Heimträger nicht so sehr voneinander. Einen Unterschied macht es lediglich, wenn ein Heim beim Bau einen Zuschuss aus einer öffentlichen Kasse bekam. Dann sind die Kosten niedriger, weil das Geld für die Entstehung des Gebäudes nicht in voller Höhe in den Pflegesatz eingerechnet ist. Auf Plätze in solche Heimen haben aber in erster Linie die Sozialbehörden einen Zugriff. Wenn sie selbst für Menschen mit nur geringen Rentenbezügen den Platz noch mitfinanzieren müssen, dann bestehen sie auf dem günstigsten Heim. Manche mit höheren Einkünften kommen da gar nicht hinein. Für alle ist es gut, wenn die Auswahl bei den Heimen gesteigert wird. Und über die Qualität der Arbeit der Einrichtung in Blankenfelde sollten Sie erst abschließend urteilen, wenn die Residenz am Netz ist und die Dinge ins Laufen gekommen sind. Erst dann wissen wir, ob die Pflege richtig und mit Zuwendung geleistet wird, die Verpflegung gut ist, Angehörige willkommen sind und eingebunden werden und sich die Menschen dort dann auch wohlfühlen.

  2. Bernd Heimberger
    20. Juli 2011 at 12:57

    Worte zu den Worten von Sigrid Zentgraf-Gerlach

    Schade, zu schade, dass mein Text angeguckt und nicht genau gelesen wurde. Ich habe nichts über Altersheime geäußert. Mein Thema waren die überaus trivialen Werbetexte des Unternehmens Bethke. Wenn die einen Wert haben, dann als Material für eine Glosse. Die habe ich geschrieben.
    Wer über Altersheime informiert werden möchte, wende sich an das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) oder lese die substanziellen Bücher von Dr. Konrad Franke.
    Mir graut, wenn ich lese: „… wenn die Residenz am Netz ist und Dinge ins Laufen gekommen sind:“ Alles im Namen der „Menschlichkeit“?!

  3. Sigrid Zentgraf-Gerlach
    20. Juli 2011 at 14:01

    Sehr geehrter Herr Heimberger,

    Entschuldigung, aber unter dem Gattung „Glosse“ konnte ich diesen Text nicht unbedingt rezipieren. Ich befürchte, weder das Prießnitz-Haus, noch die DRK-Seniorenresidenz „Graf von Bülow“ in Großbeeren, noch die ASB-Einrichtungen in Rangsdorf und Ludwigsfelde haben andere Flyer oder Werbebroschüren. Die könnten sie alle genau so in dieser Art „beglossen“.

    Der Satz, vor dem Ihnen so graut, ist zugegebenermaßen einfach ein bißchen „saloppes Deutsch“, und eben so, wie sich heutzutage die PC-Benutzer ausdrücken; wir sind heute alle eben „am Netz“, wir „googlen“, „updaten“, „downloaden“. Und inzwischen „appen“ wir sogar. Sind Sie zufriedener, wenn ich eine etwas gediegenere Ausdrucksweise wähle und schreiben würde? „Warten Sie doch erst einmal die Eröffnung dieser Senioren-Residenz ab und beurteilen Sie danach, ob die Bewohner dort so gepflegt werden, wie man es von einer Einrichtung erwarten kann, in der sich engagierte Mitarbeiter alle erdenkliche Mühe geben, diese Aufgabe nach allen Kriterien einer guten Pflege und mit viel Zuwendung zu den dort lebenden Menschen zu erfüllen!“ Ist das jetzt politisch korrekter? Im übrigen: Es ist weniger wichtig, dass man Menschlichkeit sprachlich richtig umschreibt. Es ist wichtiger, sie zu leben. Ob man sie hat oder nicht, drückt sich im „Tun“ eines Menschen aus, und nicht im „Schön-Sprechen“.

    Im übrigen finde ich, dass kaum ein Aspekt aus dem Bereich Pflege „glossenfähig“ ist. Selbst hinter den schönfärberischen Werbebroschüren verbirgt sich eine bestimmte menschliche Not. Benennen Sie diese Nöte in anderen Textsorten und schreiben Sie besser Glossen über die Dinge, die wirklich entlarvt und lächerlich gemacht gehören. Es gibt tausend Themen, bei dem Sie Ihr zweifellos vorhandenes Talent besser einsetzen könnten. Das liest man das dann gerne immer wieder von Ihnen und bemerkt auch die Absicht, sei es in diesem blog oder als Leserbrief in der MAZ.

  4. Hannelore Pappschik
    20. Juli 2011 at 16:38

    „Es ist weniger wichtig, dass man Menschlichkeit sprachlich richtig umschreibt. Es ist wichtiger, sie zu leben. Ob man sie hat oder nicht, drückt sich im “Tun” eines Menschen aus, und nicht im “Schön-Sprechen”.

    Genau das ist der Punkt. Es stellt sich hier nicht die Frage Pflegeheim ja oder nein. Gut, dass es diese Einrichtungen gibt. Es stellt sich aber die Frage, wie gebaut wurde. Auch für mich gab es da große Probleme. Ich habe mir die Zimmer im Rohbau angesehen. Möchte ich hier einmal meinen Lebensabend verbringen? Als Gegenargument hörte ich immer wieder: Es muß sich rechnen! Wie dem auch sei, es war ein umstrittenes Bauvorhaben und wieviel Gemeindevertreter haben dem so zugestimmt? Ich glaube, es war die knappe Mehrheit!
    Noch ein kleiner Hinweis zu Menschlichkeit: Lesen Sie das Buch „Sterbestunden“ von Bernd Heimberger

  5. Götz Bremer
    22. Juli 2011 at 10:34

    Sehr geehrte Frau Sigrid Zentgraf-Gerlach,

    Ihrem Beitrag entnehme ich, dass Sie sich intensiv mit „Pflegeheimen“ beschäftigt haben. Ich habe mich in der Gemeindevertretung jahrelang vergeblich um die Einrichtung einer menschenwürdigen Altenpflegeeinrichtung bemüht. Im September 2010 habe ich ausführlich in Ergänzung des Beitrages „Ablehnenswert“ von Bernd Heimberger zum damaligen Stand der Bauplanungen des Pflegeheims Stellung genommen. Meine Kritik an dem Bau besteht weiterhin.

    Der Landkreis hat dem Bau des Pflegeheims schon wegen seiner Lage in unmittelbarer Nähe der neuen Start- und Landebahn des Flughafens in Schönefeld nicht zugestimmt. Das Land Brandenburg hat die Zustimmung ersetzt.
    Das Pflegeheim existiert nicht für den Landkreis.Deshalb sind auch mit dem Sozialhilfeträger keine Kostensätze verhandelt worden. Im Bedarfsfall wird die Unterbringung in dem Pflegeheim nicht aus öffentlichen Mitteln finanziert. Ältere Mitbürger, die sich das Leben in einer betreuten Wohnung noch leisten können, müssen die Einrichtung aus Kostengründen verlassen, wenn sie pflegebedürftig werden, oder spätestens dann, wenn die Gelder aus einem Hausverkauf aufgebraucht sind. Benötigt Blankenfelde-Mahlow eine solche Pflegeeinrichtung für ältere MitbürgerInnen?
    Es ist auch zu befürchten, dass demente PatientInnen mit Psychopharmaka ruhig gestellt werden, da sie in diesem Pflegeheim wegen der räumlichen Bedingungen nicht anders zu ertragen sind.

    Im Sozialausschuss und in der Gemeindevertetung habe ich diese Bedenken immer wieder vorgetragen und die Prüfung der Pläne dieser Pflegeeinrichtung durch das Kuratorium Deutsche Altershilfe(KDA) in Köln vorgeschlagen, das bereit war, kurzfristig eine Stellungnahme abzugeben. Auch Frau Bohmke wollte diesen Vorschlag nicht unterstützen, die jetzt das KDA in der Gemeindevertretung als Möglichkeit einer Qualifizierten Beratung bei der Entwicklung einer angemessenen Versorgung der älteren Mitbürger unserer Gemeinde ins Gespräch bringt, nachdem das Kernstück, das Pflegeheim, baulich so missraten ist.

    Sicherlich kann das Pflegeheim durch die Entwicklung kleinerer, über die Gemeinde verstreuter Pflegeeinrichtungen ersetzt werden, die je nach Bedarf von ambulanten Pflegediensten versorgt und wie anderen Orts, von SozialpädagogInnen stundenweise ergänzend betreut werden, die sich um das soziale Miteinander der BewohnerInnen bemühen und den Tagesablauf und auch Feiern und Ausflüge u.a. sichern.
    Zu diesem Thema können Sie sich ausführlich auf den Seiten des KDA informieren, u.a. auch darüber, daß in einer menschenwürdigen Pflegeeinrichtung die Herstellung des Essens in die große Gruppenwohnküche gehört und nicht durch einen Caterer geleistet wird.

    In den letzten Jahren meiner beruflichen Tätigkeit als Sozialarbeiter habe ich mich ausführlich mit der stationären Versorgung pflegebedürftiger älterer Menschen beschäftigt, bin in Deutschland herumgereist und habe mir viele stationäre Einrichtungen angesehen.
    Als Ergebnis habe ich die Einrichtung einer WG im Diakoniezentrum Heiligensee angeregt, die dort seit Jahren das altersgerechte – betreute – Wohnen und die Kurzzeitpflege ergänzt.
    Die WG orientiert sich an entsprechenden Angeboten in Braunschweig.

    Mein Vorschlag ist, mit den Fachleuten des KDA uber eine geeignete Versorgung unterstützungsbedürftiger älterer Menschen in der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow nachzudenken, und die Ergenisse dieser Vorarbeit mit Unterstützung der gemeindeeigenen WOBAB zielstrebig und Schritt für Schritt umzusetzen.
    Dazu gehört auch die Unterstützung nachbarschaftlicher Hilfe bei der Pflege älterer Menschen durch ihre Angehörigen. Nach Auskünften in der Gemeinde besteht hierfür kein Bedarf. Ihrem Beitrag, Frau Sigrid Zentgraf-Gerlach, entnehme ich, dass Sie solche Unterstützung gebrauchen könnten. Sollte dies`der Fall sein, setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung.

    Mit freundlichen Grüssen

    Götz Bremer

    03379320570

    PS: Während ich mir die Haare raufe wegen der Ignoranz der Verwaltung und der überwiegenden Mehrheit der parteigebundenen GemeindevertreterInnen, die schon lange überwiegend das eigene Denken eingestellt zu haben scheinen und stur Vorgaben ihrer jeweiligen Partei bei Abstimmungen folgen, die nicht öffentlich diskutiert und gerechtfertigt werden und wie bei diesem Pflegeheim meiner Meinung nach nicht im Interesse der Bürger unserer Gemeinde entscheiden – schreibt Bernd Heimberger angesichts dieser Situation Glossen, um sich zu entlasten.

  6. Sigrid Zentgraf-Gerlach
    19. August 2011 at 10:39

    Sehr geehrter Herr Bremer,

    vielen Dank für Ihr Hilfsangebot. Derzeit bin ich in keine familiäre Pflegesituation involviert, war aber schon das ein oder andere Mal recht verzweifelt. Aber ich fand dann auch immer Hilfe, bis auf den Fall mit meiner einen Tante.

    Ich war in meinem Leben ziemlich viel und lange zuständig für hilfs- und pflegebedürftige Menschen, für meine Pflegeeltern ganz selbstverständlich, aber auch, weil meine verstorbene Mutter drei unverheiratete Geschwister hatte; darunter ein Onkel, der autistisch behindert war. Und auch sonst war in der Familie noch die ein oder andere Pflegesituation zu lösen.

    Während meine eine Tante in einem Pflegeheim es richtig genossen hat, von aller Arbeit befreit selbst umsorgt zu werden, hat ihre Schwester es im gleichen Zimmer nur sechs Wochen ausgehalten, ging dann lieber in ihre schlimmen Lebensumstände zurück, konnte sich, schwer krank, mit ihrer amputierten Hand nicht einmal mehr ein Feuer anzünden und ging ohne Not betteln. Von unseren Justiz- und Sozialbehörden musste ich mir dann sagen lassen, dass sie das so dürfe und ich ihr keine Vorschriften über ihre Lebensführung machen könne. Sie starb aufgrund ihrer Lebensumstände weit vor ihrer Zeit. Ich saß dann irgendwann einmal vor einem Aktenordner mit Behördenbriefen und überlegte, ob man diese Sozial- und Vormundschaftsgerichte eigentlich wegen unterlassener Hilfeleistung verklagen sollte.

    Während der gleichförmige Lebensrhythmus in Heimen für die meisten nervtötend ist, finden Autisten darin aber ihre Geborgenheit. Dann sagt man immer, Zwei-Bett-Zimmer seien inhuman. Ich habe schon Betreuer erlebt, die haben, nachdem sie sich ein Einzelzimmer für ihren Schützling erkämpft hatten, weil dieser so sehr trauerte, dann wieder die Rückverlegung ins Zimmer zu meinem Onkel erstritten. Ein anderer Onkel setzte nach einer Kurzzeitpflegemaßnahme im Anschluß an einen Krankenhausaufenthalt die gesamte Familie durch einen Quasi-Hungerstreik unter Druck, ihm genau dort in dieser Einrichtung mit dem Schick der 60er Jahre der alten BRD, schnellstmöglich einen Platz zu besorgen, obwohl die Familie ihm idealtypische Bedingungen für die häusliche Pflege bot, weil es zu Hause zu langweilig sei. Er wollte lieber zu seinen gleichaltrigen Kumpels, die er kennengelernt hatte. In dieser anderen Situation hat er auch die Trauer um seine Frau überwinden können. Zu Hause nicht! Das half ihm beim seelischen Überleben.

    Für meine Mutter, die nach 13 Jahren zu Hause in den letzten vier Monaten ihres Lebens dort beim besten Willen aller Angehöriger und Pflegedienste nicht mehr zu pflegen war, war es schlimm, in einem Heim zu sein. Sie war bei medizinischen Maßnahmen nicht mehr kooperativ und sorgte dafür, dass das Ende schneller kam, weil sie diese Umstände nicht gut aushalten konnte.

    Mein Vater fand es dann, nachdem er einsah, dass ich es mit der Pflege nicht mehr stemmen konnte, im Heim auch kurzweiliger. Jedenfalls musste ich vorher meine Besuche mit ihm terminlich gut abstimmen, weil er ja nicht immer für mich Zeit hatte. Er war da in seinem Heim bei jeder Geburtstagsfeier und jeder Aktivität gerne mit dabei. Und so bat ich immer um zwei bis drei mir huldvoll gewährte Audienzen wöchentlich.

    Ganz verrückt war es dann bei meiner Schwiegermutter. Aufgrund persönlicher Umstände hat meine Schwägerin gute Kontakte in einen großen deutschen Krankenhauskonzern hinein. Nach ihrem Schlaganfall bekam Schwiegermama Früh-Reha, alle nur denkbaren Maßnahmen und Pflege mit allem Schnick und Schnack, nur alles das ist in der End-Phase des Lebens eines Menschen ja dann auch des Guten zuviel. Mit meinem Vorschlag, es mal mit einem wirklich guten, ganz normalen Pflegeheim zu versuchen, bin ich bei ihr sehr angeeckt. Aber er wurde dann zur Erlösung aller doch aufgegriffen. Es brauchte zwei Jahre, bis meine Schwägerin Worte der Versöhnung fand: „Ja, Du hattest recht, aber ich konnte nicht anders!“ Sie wollte und konnte ihre Mutter nicht gehen lassen. Und das macht sie ja nicht zu einem schlechten Menschen.

    Und wenn ich eines gelernt habe, dann, es besser mit Sokrates zu halten: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, welche Pflegesituation für wen die richtige ist. Was bei dem einen noch einmal die Lebensgeister weckt, ist für den anderen die Hölle.

    Allerdings habe ich die ambulanten Dienste für mich in die „ambulanten Bärendienste“ umgetauft, weil die selten etwas vollbracht haben, was ich im Resultat wirklich hilfreich fand. Also wenn ich es noch mühevoller haben wollte, dann musste ich die engagieren. Und dass man da Pflegepersonal mindestens hälftig für die Teilnahme am Straßenverkehr bezahlt, finde ich auch nicht immer sinnvoll.

    Die so sehr glorifizierte häusliche Pflege kann genau so schlecht sein wie ein schlechtes Heim. Man braucht viele Angebote für die unterschiedlichsten Menschen. Und offene Augen für die Qualität der erbrachten Pflegeleistung, egal ob Angehörige und ambulante Schwestern oder Heimpersonal sie vollbringen! Und im Ernstfall auch ganz viel Zivilcourage. Ich war zuerst entsetzt, als die Hausärztin meines Vaters immer verlangte, dass er ganz ausgezogen wurde, damit sie eventuelle Misshandlungen erkennen kann. Aber nach einiger Überlegung fand ich gut, dass sie immer und in jedem Fall grundsätzlich darauf besteht.

  7. 2. Oktober 2019 at 08:00

    Warum macht niemand etwas gegen die Machenschaften des Herrn Bethke ? DAS ALLES IST DOCH SCHON VIELE JAHRE BEKANNT

  8. Hannelore Pappschik
    5. Oktober 2019 at 15:03

    Sollte dies ein „Hilferuf“ von Sabine Schilf sein? Durchaus denkbar! Wer aber wird sich mit dieser Problematik, wenn vorhanden, wenn gewünscht, auseinandersetzen? Bedenken und Kritiken wurden bereits im Jahr 2011 eingebracht (siehe vorherige Beiträge). Zweifel wurden einberäumt und Götz Bremer hat sich jahrelang damit beschäftigt, bevor dieses Haus eröffnet wurde. Er wollte einfach seine Erfahrungen und Befürchtungen einbringen. Viel Zeit, sehr viel Zeit hat er dafür investiert, ich weiß, wovon ich schreibe. Leider, leider wurde alles kleingeredet, seine Hinweise, fachlichen Vorschläge sind nicht dort erhört worden, wo diese erhört hätte werden sollen. Viele damaligen Gemeindevertreter, Ausschussmitglieder und und und werden sich erinnern. Es war ein Rennen gegen die „Wand“, dass so Götz Bremer mit allen Möglichkeiten versucht hat, zu verhindern.
    Wer kann heute einschätzen, was ist, was läuft schief, gibt es Probleme und wenn ja, wie können diese gelöst werden? Wer wird es von den Heimbewohnern wagen, Mängel öffentlich zu machen, wenn es die dann so gibt, wer??? Wer ist dazu berechtigt?
    Es ist nach wievor sehr schwer als Außenstehender zu beweisen, was es alles zu bemängeln gibt oder nicht, wie auch? Inwieweit ist es gesetzlich geregelt, dass ein Bürger in dieses Haus geht und versuchen würde zu erkunden, was ist hier nicht alles Rechtens ist?
    Ich glaube, nein ich bin mir fast sicher, es wird niemand gegen dieses „Machenschaften“ vorgehen, wie es Sabine Schilf fordert. Wenn dem so ist!?
    Machen sie es doch bitte öffentlich, Sabine Schilf, um welche Machenschaften es sich handelt.

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