Offener Brief von Prof. Augustin an Frau Dr. Saskia Ludwig (CDU)

1. September 2011
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Sehr geehrte Frau Dr. Ludwig,

vielen Dank für diese Info, die so gar nicht zu den 3 heute in der MAZ veröffentlichten Kurzbeiträgen passt.

Ich kann nur hoffen, dass Sie nicht – wie dort im Brustton der Überzeugung beschrieben – inzwischen durch die mannigfachen Widersacher zur Umkehr Ihrer, für uns fairen Haltung in Sachen BER gezwungen worden sind,
maffiagleichen Methoden gemäss.

Sie haben sich ja dankenswerter Weise den sicher nicht immer angenehmen Fragen und Vorwürfen der Teilnehmer der Anhörung gestellt und waren nicht zu feige, zu den betroffenen Menschen zu kommen und sich deren Sorgen und Nöte, wie auch Forderungen und kritische Hinweise anzuhören, ganz im Gegensatz zum Ministerpräsidenten Platzeck, der das bisher nicht für erforderlch gehalten hat, obgleich wir auch ihn mehrfach darum gebeten hatten und sogar für einen zunächst handverlesenen Kreis von möglichen Teilnehmern gesorgt hätten, um mißliebige Atacken aufgebrachter Bürger zu verhindern. Aber er blieb stur, redete über unsere Köpfe hinweg und beharrt, wie man es gestern dem Fernsehen entnehmen konnte, nach wie vor auf Nachtflug in den Nachtrandzeiten. Was ist das für ein Mensch ?

Auch ich habe bisher der CDU kein Vertrauen schenken können, weil sie von Anfang an für einen wirtschaftlichen Flughafen plädiert und damit auch den – sogar uneingeschränkten – Nachtflug präferiert hat. Da sich diese Haltung
sicher bis heute verfestigt hat, war es kein Wunder, den neuesten Presseinformationen zu glauben, nach denen Sie „zur Umkehr gezwungen“ worden sein sollen.

Wenn das nun nicht der Fall ist und Sie zu dem von Ihnen geäußerten Wort stehen, würde mich und viele meiner Mitstreiter das sehr freuen, wenn ich auch feststellen möchte, dass Sie es nicht leicht haben werden und ggf.
sogar persönliche Angriffe und Repressalien ertragen müssen, was ich Ihnen keinesfalls wünsche.

Ich möchte Ihnen Erfolg wünschen, damit die hier meistbetroffenen Menschen eine Chance erkennen können, trotz des zur Zeit sicher real werdenden BER-Flugbetriebs ein lebenswertes Dasein in Blankenfelde/Mahlow, wie auch in
allen hochbelasteten Orten der Flughafenumgebung – ertragen zu können. Schon eine Perspektive für eine künftige Entlastung durch z.B. Sperenberg wäre schon ein dankenswertes Ergebnis Ihrer Bemühungen. Es würde mich freuen,
wenn Sie – ohne Beeinträchtigung Ihrer Gesundheit – Ihre uns dargestellten Ziele konsequent verfolgen können und in der Lage sind, Ihre Parteimitglieder von der Richtigkeit Ihrer Ideen zu überzeugen.

Es muss bei der auch von den führenden Politikern in Berlin und Brandenburg zu Beginn der Flugroutendiskussionen ausgesprochenen Thesen bleiben, dass vor der Wirtschaftlichkeit des BER zuerst die Flugsicherheit; aber dann auch
die Vermeidung einer unzumutbaren Schadstoff-, Absturzrisiko- und Lärmbelastung zu realisieren sind – Thesen, von denen heute viele „Platzecks“ und „WowereitS“ kaum noch reden.

Gegen die auch von der Politik immer wortreich popularisierten Hinweise auf die Schädlichkeit des Lärms, insbesondere in der Nacht muss nun endlich etwas mit Nachdruck getan werden, was in erster Instanz dazu führen muss, dass ein absolutes Nachtflugverbot einzuhalten ist.

Man muss im Landtag und in der Flugverkehrslobby endlich begreifen, dass man mit einem nachgewiesener Maßen ungeeigneten Standort des BER nicht alle Vorteile eines unbeschränkten Flugbetriebs genießen kann, sondern man muss sich darüber im Klaren sein, dass dieser ungeeignete Standort innerhalb eines dichtbesiedelten Umfeldes zu Konsequenzen führen muss, die zu Lasten der Wirtschaftlichkeit gehen müssen. Das ist eben die Folge einer heute
ebenfalls zugegebenen Feghlentscheidung im Rahmen des Konsensbeschlusses, ausgerechnet diesen „ungeeigneten Standort“ für den Bau des Flughafens gewählt zu haben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Gesundheit, Stehvermögen, konsequente Ehrlichkeit und Offenheit gegenüber den betroffenen Menschen im BER-Flughafenumfeld und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr.-Ing.  habil. E. Augustin

 

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