Klare Worte

7. September 2011
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Das muß noch einmal klar und deutlich gesagt werden. Das kann so nicht hingenommen werden.

Hilflos und voller Traurigkeit mußten wir alle zur Kenntnis nehmen, dass sich meine Nachbarin das Leben genommen hat. Warum es dazu kommen konnte, bleibt nicht offen. Wir alle wissen, wieso das geschehen konnte. Wir alle sollten jetzt dazu schweigen und hoffen, dass der Hauptverursacher, welcher das Fax anonym verschickte, ermittelt wird. Das kann nicht die Aufgabe von Vermutungen sein, dass müssen die dazu ständigen Stellen klären.

Genau das ist der Punkt, weshalb ich mich jetzt an alle Bürger wende und somit nicht wieder ein „Verdächtiger“ – „mehrere Verdächtige“ vorverurteilt werden.

Jeder weiß inzwischen, dass die Wählergemeinschaften eine Anzeige vor  z  w e i Jahren wegen vermeintliche Vergeudung der Steuergelder gestellt hat. Von Anfang an war diese Anzeige keine anonyme Anzeige, wie behauptet wird. Das sollten alle wissen, darauf haben wir von Anfang an Wert gelegt.

Nun kursieren in vielen Kreisen (auch in der Verwaltung) Meinungen, wonach die „Anzeigenart“ –  mit der der Wählergemeinschaften – anonym, verglichen wird. Das ist Rufmord! Wenn es so ist, dürfen wir nicht schweigen.

Was haben wir aus diesem tragischen Tod gelernt? Was haben die Verantwortlichen aus diesem so leidvollem Tod gelernt? Wieder Verdächtigungen ohne jegliche Beweise? So erging es Doreen Schmalenberger.

Wer stand Ihr zur Seite, wer gab Ihr die Kraft, die Anschuldigungen und das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber, Herrn Baier, zu verarbeiten? Was erlebte Doreen danach? Das sind Fragen, die ich hier stelle. Ich kenne teilweise die Antworten. Ich weiß, was teilweise danach geschah.

Daraus müssen doch Konsequenzen gezogen werden. Das Gleiche darf so nicht wieder passieren. Keine Verdächtigungen, keine vermutbaren Äußerungen dürfen jetzt gemacht werden. Doreen Schmalenbergers Tod verpflichtet uns. Er verpflichtet uns dazu, nicht im Vorhinein Personen zu verurteilen. Er verpflichtet uns, zur Sache beizutragen, wenn man es dann kann.

Ich kann bisher nur feststellen, dass aus diesem Tod kaum Jemand  Folgen gezogen hat. Das gleiche Prinzip, nur in einer anderen Sache, läuft genau so ab. Es werden Vermutungen ausgesprochen, hinter gehaltener Hand wird Verschwiegenheit angeordnet und Niemand traut sich darüber zu sprechen. Es ist bedrückend – erdrückend. Beurteilen, verurteilen  können wir die Person erst dann, wenn wir genau wissen, wer es war. In tiefer Traurigkeit schreibe ich, auch für Doreen, diese Zeilen.

Hannelore Pappschik

 

 

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3 Responses to Klare Worte

  1. Matthias Adrian
    7. September 2011 at 09:30

    Liebe Frau Pappschik,

    herzlichen Dank für Ihren Artikel.Ja, es stimmt, es sollte Aufklärung betrieben werden und nicht-wie es den Anschein hat-die ganze “ unbequeme Angelegenheit “ unter den Tisch zu kehren. Nicht nur die politischen Kandidaten und der Verwaltungsapparat sind betroffen, sondern auch wir als Familie, Lebenspartner und Eltern. Die ganze Situation ist für uns alle unerträglich, schmerzhaft und nicht nachvollziehbar. Es wurde nicht nur das Leben von Doreen zerstört, nein – es ist ein wertvoller, pflichtbewusster Mensch aus unserer Mitte gerissen worden, der „nur“ seine Arbeit mit 100% erledigt hat und dafür auch noch Infamitäten und Perfiditäten über sich ergehen lassen musste.

    Sie hat sehr viel geweint und sich nicht getraut, aus Angst vor Repressalien Ihren Mund aufzumachen, um auch innerbetriebliche Sachverhalte aufzudecken. Wir haben es hier mit einem Bauernopfer zu tun, welches geschlachtet wurde, um einigen Herrschaften zu schaden oder Positionen zu verteilen.

    Wir als Angehörige werden uns mit aller Kraft, die wir haben, dafür einsetzen, um diesen Tod, der nicht nötig war, in seinen Hintergründen aufzuklären. Warum hat die Polizei nicht reagiert? Weil ein 64-jähriger Kripobeamter keine Lust mehr auf seine Arbeit hatte. Nach Eingang des Faxes an Herrn Baier und einige Betriebe in der Gemeinde hätte man reagieren müssen, Unterstützung wäre angesagt gewesen.Es muss doch in der hochtechnologischen Zeit, in der wir leben, möglich sein, nachzuvollziehen, wo diese Verleumdungsfaxe entstanden und verbreitet worden sind?
    Es bringt nichts, den Schuldigen hin und her zu schieben, bis irgendwer vorverurteilt wird oder bereits schon ist.
    Es zählen nur Fakten, ich habe als Lebenspartner von Doreen alle Im Wahlkampf involvierten Parteien das Versprechen abgenommen, sich um Aufklärung zu bemühen.
    Nun sind wir – als Familie, Ehemann und Lebenspartner gespannt, was passiert.
    Sollte Doreens Tod umsonst gewesen sein ?
    Diese Frage stelle ich nur in den Raum. An schlechte Gewissen darf man sicherlich nicht appellieren ……

  2. Michael Bartz
    14. September 2011 at 08:17

    Liebe Leute,

    vor etwas mehr als einem Jahr war in der Zeitschrift EMMA ein Artikel zu lesen der die Überschrift trug: „Ein sehr befremdlicher Selbstmord“ und es ging dabei um meine langjährige Freundin Kirsten Heisig.

    Befremdlich ist auch der Freitod dieser jungen Frau, dem Bericht aus der MAZ 43 Jahre jung. Befremdlich weil vollkommen unnütz alleine schon aus der Historie. Als das System des ehemaligen SED-Staats todgeweiht war kann sie maximal 21 Jahre alt gewesen sein! Und da frage ich doch einfach mal ketzerisch: wie viel „Unheil“ kann denn ein 21jähriges Mädel gesellschaftlich angerichtet haben? Viel kann es ganz sicher nicht gewesen sein, wenn überhaupt. Aber offensichtlich zieht die Stasi-Keule immer noch – übrigens genau so gut wie die Nazi-Keule, mit der man auch ins gesellschaftliche AUS gestellt wird.

    Die Rolle ihres Dienstherrn sollte man hingegen sehr deutlich analysieren. Wer mit Personalinterna derart an die Öffentlichkeit geht, statt sich schützend vor die Person zu stellen, der hat nach meinem Dafürhalten in dieser Position nichts verloren.

  3. Andreas Höhn
    15. September 2011 at 12:36

    Hallo zusammen!

    Der Selbstmord der jungen Frau war wirklich sinnlos. Es weiß natürlich niemand, ob allein die dienstliche Situation dafür ausschlaggebend war. Nach den mir vorliegenden Informationen gehe ich aber davon aus. Die Stasi-Beschuldigungen sind so unnütz, weil nicht bewiesen. Dem Bürgermeister allerdings ist es anzukreiden, dass er damit an die Öffentlichkeit gegangen ist. Er hat sich als das Opfer dargestellt, statt seine Mitarbeiterin zu schützen. Sie stand sowieso schon im Fokus – so wie die meisten Außendienstmitarbeiter/innen. Diese machen einen schweren Job, bei dem sie vielen Anfeindungen ausgesetzt sind. Wer will schon Knöllchen … Aber sie machen eine guten und wichtigen Job. Und dann eine Außendienstmitarbeiterin auch noch so vorzuführen, ist eine Riesensauerei. Man wird Herrn Baier rechtlich hier nicht beikommen können, da er ihr (hoffentlich) nicht bewusst schaden wollte. Er hat es aber objektiv getan. Und dafür ist er moralisch verantwortlich. Was müssen wohl die anderen Gemeindemitarbeiter denken, wenn sie mitkriegen, wie ihr Chef sie der Öffentlichkeit preisgibt, wenn es ihm nutzt.

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