Täuscher und Täuschungen

20. September 2011
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Der gelegentlich auch schon mal zur sprachlichen Hyperventilation neigende, immer gesprächige Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow wurde wortkarg. Umso lebhafter wurde seine Mimik. Das ist immer so, wenn Baier unsicher ist und abwehrend reagiert. Seine Mimik sagt mir aber mehr als seine Worte.

In der ersten Sitzung des Hauptausschusses, nach der Sommerpause, fragte ich nach den Ergebnissen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Neuruppin. Ich frage nach den Ermittlungen zum Tod der Gemeindemitarbeiterin Doreen Schmalenberger.

Sage ich, Baier wich aus, ist das wohlwollend formuliert. Indifferent zog er sich auf die Position zurück, die er in der Presse lanciert hat,  ohne sich erneut auf die Staatsanwaltschaft zu berufen. Danach gefragt, ob die weitgehende Entlastung, die er für sich in Anspruch nimmt, auch auf andere Mitarbeiter der Verwaltung zutrifft, sank die Auskunftsfreudigkeit auf Null. Ich bin so wissend wie vor zwei Jahren, als das Landeskriminalamt die Staatsanwaltschaft zu prüfen begann, ob die Sorgen der drei Fraktionen der Wählergemeinschaften berechtigt sind, dass die Verwaltung von Blankenfelde-Mahlow Erhebliches an Steuergeldern verschwendet hat (Parkhaus, Rathausplanung, Astrid-Lindgren-Schule). Im Einverständnis mit der Staatsanwaltschaft (Schreib. StAW vom 13.08.2010 u. 03.05.2011) haben wir uns zu den namentlich gezeichneten Anzeigen nie öffentlich geäußert. Wir maßen uns keine Vormundschaft gegenüber der Staatsanwaltschaft an. Niemand ist entlastet. Herr Baier nicht. Auch nicht „und andere“, wie die Staatsanwaltschaft formulierte. Mehr Wissen gibt’s nicht. Derzeit.

Noch unsicherer, vager, sprich unwissender, reagierte Baier auf die Frage zum Fall Schmalenberger. Mit der Bemerkung „Kein neuer Stand“ schlich er sich aus der Verantwortung. Wer kannte welchen „Stand“? Wer der anwesenden Vertreter der Fraktionen, die keine Frage an Baier hatten? Bleibt also die Tatsache in der Welt, dass das berüchtigte, Doreen Schmalenberger denunzierende, Fax vom Faxgerät des Dahlewitzer Ortsvorstehers Rink abgeschickt wurde. Ist das der „Stand“? Niemand, der Herrn Rink begründet entlastet! Nichts, was erwiesenermaßen Herrn Rink von jedem Verdacht freispricht? Kein neuer Stand? Und das nach anderthalb Monaten, seit das Fax die Gemeindeverwaltung am 4. August erreichte. Kein Wort, auch jetzt nicht, wann und wie sich der Bürgermeister schützend vor seine Mitarbeiterin stellte, bevor sie sich am 31. August 2011 das Leben nahm. Wegen des diffamierenden Fax? Für Doreen Schmalenberger war die Anschuldigung lachhaft. Sie hat Herrn Rink angezeigt. Sie hat eine Überprüfung bei der Stasi-Unterlagenbehörde beantragt. Und? Schweigen ringsumher! Seit dem 4. August. Seit dem 31. August.

Bekannt geworden ist, dass sich Doreen Schmalenberger schon vor dem 4. August bedrängt fühlte. Die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes litt unter dem Mobbing in der Verwaltung. Vom Wesen her eine Strikt-Korrekte, ertrug sie es nicht, zu unkorrekter Arbeit angestiftet zu werden. Doreen Schmalenberger sah sich als Alleingelassene. Und als die ist sie gestorben. Das ist die Tragödie.

Nichts ist im Hauptausschuß ins Gespräch gekommen. Nichts davon. Von wem auch? Von wem auch, wenn Täuschungen zum ersten Prinzip des Handels geworden sind. Wenn Täuscher die Tage bestimmen.

Bernd Heimberger

 

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