Porträts: Whistleblower – die, die den Mund aufmachen, wo andere wegschauen

30. September 2011
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Bemerkenswert, im Deutschen gibt es nach so viel Jahren noch immer keinen Begriff für „whistleblower“(Pfeifenbläser) – angelehnt an die Bobbys in England, die, ansonsten unbewaffnet,  Alarm mit ihrer Trillerpfeife schlugen.

Sie erinnern sich vielleicht an die Altenpflegerin aus Berlin, Brigitte Heinisch, deren Fall vor einer Zeit durch die Medien ging. Gut, dass es noch internationale Gerichte gibt, die den „Rechtsstaat“ BRD in die Schranken weisen. Sie hat Schlimmes durchgemacht und verdient unsere volle Solidarität. Aber das Skandalöseste an diesem Fall ist, dass der Klinikbetreiber Vivantes GmbH ein Landesbetrieb ist und in seinem Aufsichtsrat z.B. die Gesundheitssenatorin Lompscher (LINKE) und der Finanzsenator Nußbaum (parteilos, für SPD) sitzen.

Keiner aus der Landesregierung hat versucht, diesem ganzen Horrorszenario Einhalt zu gebieten. Damit ist schnell klar:

Keine Ausbeuter-GmbH, keine Leiharbeitsfirma, keine an den Grenzen zur Legalität agierende Kapitalisten-AG hat eine menschenverachtende Personalpolitik betrieben – sondern ein zu 100% in Landesbesitz befindliches Unternehmen. Ein Landesunternehmen, dem sowohl das Leid der zu pflegenden Patienten als auch die Arbeitsbedingungen seiner Mitarbeiter egal zu ein scheinen.

Brigitte Heinisch – lesen Sie mehr zu ihr inder online-Galerie.

Am 29.09.2011 feiert Whistleblower-Netzwerk e.V. sein fünfjähriges Bestehen. Seit seiner Gründung anlässlich einer Tagung der evangelischen Akademie in Iserlohn ist der gemeinnützige Verein stetig gewachsen und hat derzeit über 70 Mitglieder, die als Fachleute oder Privatleute die Bedeutung von Whistleblowing erkannt haben und sich gemeinsam für dessen Förderung einsetzen.
Im Laufe seines Bestehens konnte Whistleblower-Netzwerk e.V. bereits einen nicht unerheblichen Beitrag dazu leisten, dass auch in Deutschland verstärkt über die Notwendigkeit von Whistleblowing als gesellschaftlichem Frühwarnsystem zur Aufdeckung und Beseitigung von Missständen diskutiert wird. Im privaten und im öffentlichen Sektor wird heute über die Einführung von Hinweisgebersystemen nachgedacht und auch die Forderung nach effektivem gesetzlichen Schutz von Whistleblowern bzw. Hinweisgebern findet immer mehr Anhänger. Whistleblower-Netzwerk e.V. hat durch die Teilnahme an Anhörungen im Bundestag und im Hearing zu Whistleblowing im Europäischen Parlament, durch Gespräche mit Politik, Unternehmen, Gewerkschaften und und nicht zuletzt durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit diesen Prozess unterstützt.
Auf seiner Webseite whistleblower-net.de bietet der Verein zahlreiche Informationen rund um das Thema Whistleblowing an. Dort finden sich Erklärungen zum Begriff, zum typischen Ablauf und Tipps für Betroffene genauso wie Studien und Vorschläge zu internen Hinweisgebersystemen und ein konkreter Gesetzesentwurf zum Schutz öffentlicher Interessen durch Whistleblowing.

Zum fünfjährigen Vereinsjubiläum präsentiert das Netzwerk auf seiner Webseite jetzt erstmals über 20 Portraits aus dieser Ausstellung: von Menschen, die den Mund aufmachten, wo andere wegschauten. Ausstellung: Whistleblowing - Licht ins Dunkel bringen! Neben Erfolgen, wie zuletzt dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Fall Heinisch, wird leider an vielen Beispielen deutlich, dass es noch ein weiter Weg ist, bis Whistleblower als Menschen mit Zivilcourage geachtet und effektiv vor Diffamierungen und Repressalien geschützt werden. Whistleblower-Netzwerk e.V. wird auch weiterhin dazu beizutragen, diesen Weg zu beschreiten und ruft Gleichgesinnte zur Mitarbeit und Unterstützung auf.

 

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