Chronik eines angekündigten Todes – Teil III

6. Oktober 2011
Von

Doreen Schmalenberger, 14.04.1968 - 31.08.2011

Kränkung macht krank. Sagt jeder Arzt. Weiß jeder Mensch. Kränkung kann töten.

Hat Kränkung Doreen Schmalenberger getötet? Wer wagt das zu entscheiden? Nichts hat der Verstorbenen in den letzten Lebensmonaten derart zugesetzt wie die erlittenen Kränkungen. Seit April 2011 mehrten sich die Beschwerden gegen die Mitarbeiterin des Bau- und Ordnungsamtes. Das trug nicht zur Beliebtheit der Mitarbeiterin in der Gemeinde bei. Beliebtheit kann wohl niemand kassieren, der Bußgeldbescheid an die lieben Mitbürger schickt. Hat das mit dem mangelhaften oder fehlenden Unrechtsbewußtsein der Beschuldigten zu tun? Hat die Knöllchenschreiberin ihre Kompetenzen überschritten? Wie das ermitteln, wenn Behauptungen unbewiesen bleiben.

In den hinterlassenen Unterlagen von Doreen Schmalenberger setzt die Serie der sie diskreditierenden Faxe mit einer „Dienstaufsichtsbeschwerde wegen Beleidigung im Amt und Falschaussage im Amt“ ein. Die E-Mail erreichte die Verwaltung am 26. Mai 2011. Als Verfasserin unterzeichnete eine Mahlowerin. In  dem  Schriftstück wird ein Ereignis geschildert,  das sich angeblich  am 1. März. 2011  in Mahlow zutrug. Auch weitere Fakten deuten verwaltungsinterne Kenntnisse an. Doreen Schmalenberger hat sich gegen dieses Fax gewehrt. Schnell stellte sich heraus, dass das Fax von der Unterzeichnerin nicht abgeschickt wurde. Die vermeintliche Unterzeichnerin war empört und teilte der Verwaltung am 14. Juni 2011 mit, dass sie überhaupt keine  E-Mail Adresse hat. Ein Fall für Polizei und Staatsanwaltschaft. Am 28. August 2011 (Sonntag!), drei Tage vor dem Tode von Doreen Schmalenberger, wurde sie von der Staatsanwaltschaft über Ergebnisse und Folgen der Ermittlungen informiert. Deprimierend, was da zu lesen ist, obwohl die vermeintliche Unterzeichnerin ebenso entlastet wurde wie Doreen Schmalenberger. Das angeblich am 1. März 2011 kontrollierte Auto wurde nicht kontrolliert. Die Halterin und vermeintliche Fax-Unterzeichnerin besitzt keinen Führerschein. Also saumäßig recherchiert von den Absendern der E-Mail.

Für Doreen Schmalenberger sicher eine wenig befriedigende Antwort der Staatsanwaltschaft Potsdam. Die schließt mit dem Satz: „Sollten sich jedoch nachträglich Anhaltspunkte für die Klärung dieser Straftat ergeben, werden die Ermittlungen von Amts wegen wieder aufgenommen.“ Der täuschenden E-Mail vom 26. Mai 2011 folgte das denunzierende Fax vom 9. Juni 2011,folgte das diffamierende Fax vom 4. August 2011.

Am 31. August 2011 entschied sich Doreen Schmalenberger für den Freitod.

Nun haben Polizei und Staatsanwaltschaft seit Monaten genug „Anhaltspunkte“. Vielleicht ziehen die Ermittler nun auch einen Philologen zu Rate. Die Diktion der Faxe deutet eindeutig auf einen einzigen Verfasser der Denunziationen hin. Sie sind, in der Summe, eine monatelange, massive Diffamierungskampagne gegen einen Menschen, der sich in den Selbstmord rettete. Ein Selbstmord, der ein moralischer Mord ist.

Bernd Heimberger

 

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2 Responses to Chronik eines angekündigten Todes – Teil III

  1. Matthias Adrian
    7. Oktober 2011 at 10:04

    Ja, Herr Heimberger,
    ich gebe Ihnen im vollstem Umfang recht.
    Kränkungen machen krank. Und Doreen war krankgeschrieben. Weil Sie nicht meh konnte.
    Sie hat es nicht verstanden, warum es immer nur gegen Sie ging.
    Natürlich sind ordnungsliebende, knöllchenverteilende Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter einer Behörde,die auf Anweisung handeln die unbeliebtesten Menschen in einer Gemeinde.
    Aber Doreen war ein Mensch, der immer 100 % gegeben hat.
    Sie konnte mit Unrecht nicht umgehen. Aber dies ist kein Grund, jemanden so systematisch fertig zu machen.
    Was steckt dahinter? Ich weiss, das die Kripo noch ermittelt.
    Ich persönlich wäre mit Ihrem Tod anders umgegangen, wenn Sie eine schwere Krankheit oder einen Unfall gehabt hätte, der zu Ihrem Tod geführt hätte.
    Aber man hat mir auch mein Leben zerstört, weil man mir alles genommen hat.
    Wir wollten neu anfangen, einfach nur ein bischen Glück…..
    Ist das zuviel verlangt ?
    Danke für Ihre Arbeit.
    mit freundlichen Grüßen
    Matthias Adrian

  2. Matthias Adrian
    7. Oktober 2011 at 11:56

    Für Doreen

    “ An den möglicherweise nahen Tod zu denken, ist nach meiner Erfahrung das stärkste Hilfsmittel, wenn es darum geht, wichtige Entscheidungen in meinem Leben zu treffen. Weil nahezu alles, alle äusseren Erwartungen, aller Stolz, alle Angst vor Verlegenheit oder Scheitern im Angesicht des Todes von einem abfallen, so dass nur das bleibt, was wirklich wichtig ist. An den Tod zu denken, ist der beste Weg, nicht ständig zu glauben, man hätte etwas zu verlieren“

    Steve Jobs ( gest. 5.10.2011 )

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