Das macht krank

7. Oktober 2011
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Wieder sitze ich bei Matthias, dem Lebensgefährten von Doreen Schmalenberger. Nichts bringt mich weiter, nichts kann mich beruhigen. Ich verabschiede mich von Matthias mit den Worten: „….ich verspreche Dir, alles mir mögliche zu tun“. Was ist mir möglich? Was kann ich tun? Wir gehen auseinander und ich komme nicht zur Ruhe. Wie wird es Matthias verarbeiten, wie wird er es schaffen, mit dem Geschehenen fertig zu werden? Ich habe das Gefühl, er schafft es nicht.

Lese ich die Beiträge im klaerwerk von Bernd Heimberger – Chronik eines Todes – Teil I, II, III, dann komme ich erst Recht nicht zur Ruhe. Was ist geschehen, dass geschehen konnte, was geschehen ist? Dorren war seit Januar im Ordnungsamt tätig. Wie ich teilweise persönlich von Ihr weis, freute Sie sich, wieder Arbeit zu haben. Die Freude währte nicht lange. Die Arbeit, das Leben wurde Ihr durch Diskriminierungen (anonyme Faxe, E-Mail) zur Hölle. Seit dem letzten anonymen Fax vom 4. August 2011, hatte sie nur noch Angst. Angst, das Ganze in dieser schmutzigen Art und Weise nicht durchstehen zu können. Angst, diese Erniedrigungen würden kein Ende nehmen. Fast täglich kam Sie unter Tränen nach Hause. Matthias versuchte Sie aufzufangen. Wer steckte hinter dieser schmutzigen Sache? Ihr Arbeitgeber mußte von diesen perversen Anschuldigungen gewusst haben, wie hat man Doreen davor geschützt? Wenn Sie glaubte, es sei vorüber, kamen die nächsten Anschuldigungen. Wie kann ein Mensch das ertragen? Doreen hat es nicht mehr ertragen können und wählte den Freitod.

Noch vor Wochen hat Sie Matthias wissen lassen (schriftlich): „…wir fliegen ja zusammen in den Süden … und lass uns gleich mal schauen für nächstes Jahr. Ich liebe Dich…“ Fünf Tage später, also am 4. August, kam dann erneut ein anonymes Fax. Da war für Doreen nichts mehr in Ordnung. Das war der Höhepunkt der Verdächtigungen (Mitarbeitern der Staatssicherheit soll Sie gewesen sein).  Das war nun auch so in der Verwaltung bekannt, dass sprach der Bürgermeister sogar gegenüber der MAZ öffentlich aus. Wie wir im Nachhinein erfahren hatten, nahm sich Doreen genau zu diesem Zeitpunkt das Leben. Zufall? Wußte Sie intern von dieser Pressekonferenz und konnte damit nicht umgehen? Das weiß nur Sie allein! Benutzt wurde, wie wir alle wissen, dieses anonyme Fax in den Wahlkampf. Wem Schaden dadurch zugefügt wurde, wissen wir alle. Das wird aber noch an anderer Stelle geklärt werden. Nur für Doreen war das alles nicht mehr zu ertragen. Ich frage mich immer wieder, wie kann es in der heutigen Gesellschaft passieren, dass Niemand von den Vorgesetzten gemerkt haben soll, dass laufend Anschuldigungen angezeigt werden, welche keinen Sinn machen. Da war Handlungsbedarf nötig, sofort. Warum wurde nichts unternommen? Warum hatte man schon zum derzeitigen Zeitpunkt nicht die Kripo eingeschaltet, oder hat man das?

Nun erträgt es Matthias kaum noch mit dem Gedanken zu leben, Doreen ist für immer von Ihm gegangen, obwohl Sie Beide sehr glücklich waren. Immer wieder stellt er sich die  Frage: Wer war dieses Schwein, warum wurde Doreen nicht geschützt, warum hat man Ihr nicht einmal gesagt, das wird geklärt, dass ist nicht normal.

 Als ich mich von Matthias verabschiedete,  hatte ich  Bedenken, dass er es so nicht schaffen wird. Ich bin total hilflos. Wie soll ich Ihm Mut zusprechen, wo alles kaputt gemacht wurde? Was soll ich sagen, Du schaffst das! Es muß weitergehen! Schau nach vorn! Doreen wollte nicht, dass auch Du daran kaputt gehst! Nein, diese Worte kann und muß ich mir ersparen. Sagen kann ich nur, wenn er mich, uns braucht, bitte komm auf uns zu. Wir werden helfen, wo es möglich ist. Aufklärung, genaue Aufklärung muß erfolgen. Ansonsten kommt Matthias nicht zur Ruhe. Das ist das Wenigste, was man für Matthias tun muß. Auch ich komme einfach seit diesen Geschehnissen nicht mehr zur Ruhe. Ich grüble, grüble, grüble.

Wenn ich dann aber lesen muß, dass der Bürgermeister  sich zynisch bei Bürgern beschwert, dass Sie ihm nicht zu seiner Wiederwahl gratulierten, dann ist das Maß aller Dinge übervoll. Da wählt eine seiner Angestellten den Freitod, Sie fühlte sich gemobbt, Sie fühlte sich hintergangen, Sie ist am Ende. Das Ganze fällt in den Wahlkampf und wird auch teilweise so dargestellt, dass der Gegenkandidat in irgendeiner Weise mit dem anonymen Fax etwas zu tun hätte (siehe Beitrag im Blickpunkt am 10. September – Fair statt anonym -). Ich kann nur hoffen, wenn die Staatsanwaltschaft und Kripo ermittelt hat, dass die Unterzeichner dann überlegen werden, wozu sie sich hingegeben haben und Ihre Schlussfolgerungen daraus dann ziehen werden. Der Bürgermeister erwartet Glückwünsche zu seinem  Erfolg. Ist das krank? Es macht krank!

Was sagte Matthias gestern zu mir: Bitte, helft mir, dieses Schwein zu finden, welches durch die Anschuldigungen den Freitod meiner Doreen verursacht hat/haben. Auch ich werde nicht zur Ruhe kommen, bis das nicht geklärt sein wird. Ich versuche mit all meinen Kräften dazu beizutragen, dass eine lückenlose Aufklärung erfolgen muß. Bernd Heimberger hat sich die große Mühe gemacht, eine Chronik auf Tatbeständen zu erstellen. Hoffen wir, es wird gelingen.  Wir dürfen nicht aufgeben,  Staatsanwaltschaft und Kripo müssen es herausfinden. Erst dann können wir uns ehrlich wieder in die Augen sehen.

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4 Responses to Das macht krank

  1. Matthias Adrian
    8. Oktober 2011 at 06:30

    Liebe Hannelore,

    danke Dir für deine Worte und Zeilen.Es tut gut zu wissen, dass es noch Menschen gibt, denen Doreens sinnloser Tod nicht egal ist. ICH KÖNNTE SCHREIEN VOR WUT UND SCHMERZ.
    Und ich bin mit meinen Kräften am Ende. Heute habe ich Doreens kleinen Hund bei mir,Tiere sind gut für die Seele.

    Danke für deine Unterstützung

    Matthias

  2. Matthias Adrian
    8. Oktober 2011 at 15:09

    Für Doreen

    Du hast jeden Raum mit Sonne geflutet,
    hast jeden Verdruss ins Gegenteil verkehrt.
    deine sanftmütige Güte,
    dein unbändiger Stolz …. Das Leben ist nicht fair.
    *****

    Dein sicherer Gang, deine wahren Gedichte,
    deine heitere Würde, dein unerschütterliches Geschick.
    Du hast der Fügung deine Stirn geboten.
    Hast ihn nie verraten deinen Plan vom Glück,
    deinen Plan vom Glück.

    Ich gehe nicht weg, hab meine Frist verlängert.
    Neue Zeitreise, offene Welt.
    Habe dich sicher in meiner Seele.
    Ich trag dich bei mir, bis der Vorhang fällt.
    Ich trag dich bei mir, bis der Vorhang fällt …

    ( Herbert Grönemeyer )

  3. Heike
    19. Dezember 2011 at 01:50

    Für Doreen

    Liebe Doreen,

    am 27.12. wird unser 25jähriges Klassentreffen sein. Ich habe mich so speziell auf Dich gefreut, endlich wieder nach 15 Jahren! Vor einigen Stunden musste ich erfahren, dass wir uns nie wieder sehen werden….

    Mein Gott Doreen, ich weiß nicht was ich sagen soll. Was haben diese Denunzianten Dir angetan? Du warst immer so sensibel und verletzlich. Wie verzweifelt musst Du gewesen sein, um diesen letzten Schritt zu gehen. Hoffentlich sitzen die Verantwortlichen, die Dich nicht geschützt haben, und die anonymen Briefeschreiber nicht zufrieden unterm Christbaum und beglückwünschen sich für ihre Taten. Glaube mir Doreen, die werden ihre Zeche zahlen und sich verantworten müssen! Nur Feiglinge schicken anonyme Faxe. Wer die Wahrheit spricht, der braucht sein mieses Gesicht und seinen hinterhältigen Charakter nicht unter dem Deckmantel der Anonymität verstecken. Ob die sich jetzt gut fühlen, Dir eins ausgewischt zu haben? Wie armseelig! Die sollen ein Leben lang daran denken, dass sie ein Menschenleben auf dem Gewissen haben – Dich und Deinen Traum vom Glück!

    Du warst mir damals Freundin und Vertraute. Ich werde Dich immer so wie auf dem Foto hier im Blog in Erinnerung behalten – mit Deinem schönen Lächeln. Ich vermisse Dich!

    Heike

  4. Hannelore Pappschik
    31. Dezember 2011 at 17:13

    Für Doreen

    Heute, vor vier Monaten, hast Du uns, liebe Doreen für immer verlassen. Heute werden wir mit Familien, mit Freunden oder Bekannten in das Jahr 2012 gehen. Dich müssen wir zurücklassen. Das schmerzt, das tut weh. Es tut immer weh, von einem Menschen Abschied zu nehmen. Doreen´s Tod hat viele Fragen offen gelassen. Fragen, worauf bisher keine Antworten gegeben wurden. Ich hoffe, auch nach vier Monaten weiterhin, dass diese Fragen beantwortet werden. Zuviel ist geschehen, dass wir einfach zur Tagesordnung übergehen können.
    So sind meine Gedanken auch heute, gerade heute, wieder bei Doreen. Mein Wunsch, der oder die Verantwortlichen müssen ermittelt werden. Es darf nicht nur geschwiegen werden, wir müssen wieder offen und ehrlich miteinander umgehen können. Das kann aber nur sein, wenn wir wissen, wer dafür mitverantwortlich war, dass Doreen keinen Ausweg mehr wußte. Mit dieser Hoffnung gehe ich in das neue Jahr.

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