Nachdenken im November

7. November 2011
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Schön, wirklich schön wäre, in der Gemeindevertretung von Blankenfelde-Mahlow säßen würdige Volksvertreter. Wären sie selbst Würdige, wüßten sie die Würdigen zu würdigen. Wissen sie jedoch nicht. Mehrheitlich hat sich die Gemeindevertretung entschieden, keine Grabstätte, auf keinem der Friedhöfe der Gemeinde, zu Ehrengräbern zu erklären. Darum hatte sich die Fraktion des Bürger-Bündnis Blankenfelde-Mahlow einige Jahre bemüht. Kein Erinnern also an die Toten? Keine Toten, die mahnen? Keine Toten, die zu ehren sind?

Wieso dann einen Totensonntag? Wieso einen Volkstrauertag? Wieso das Nachdenken im November? Um salbungsvolle Worte abzusondern, wie das alljährlich der Bürgermeister der Gemeinde im Amtsblatt/Lokalanzeiger tut? Ist das eine Haltung, mit abgedroschenen Worten zu handeln? Haltung haben heißt, zu handeln.

Auf dem Evangelischen Waldfriedhof Blankenfelde sind die Gräber von Hanns Maassen (1908-1983) und Franz Balnat (1887-1963). Ihre Gräber zu ignorieren, die vom Kulturverein Blankenfelde gepflegt werden, bedeutet, die Geschichte zu ignorieren, die die Geschichte aller ist. Also nicht nur lokale Geschichte, sondern die Geschichte der Menschheit im verheerenden 20. Jahrhundert.

Der deutsche Antifaschist Hanns Maassen kämpfte in den Jahren des Spanischen Bürgerkriegs (1936- 1939) auf der Seite des spanischen Volkes. Er war einer der Interbrigadisten, die sich dem Terror Francos widersetzten. Maassen war Redakteur und Sprecher des Senders der Internationalen Brigaden – des Freiheitssenders 29,8. Franz Balnat hat seine spätere Frau, die Musikpädagogin Maria Balnat, in seinem Haus in der Blankenfelder Nettelbeck- (Alpen-)Straße verborgen. Mit Hilfe des Mutigen hat die Jüdin Maria den faschistischen Gewaltstaat überlebt. Franz Balnat hat den Anspruch, als „Gerechter der Völker“ zu gelten.

Diejenigen Gemeindevertreter, die gegen die Ehrengräber votieren, können sich nicht hinter Unwissenheit verbergen. Sie haben sich schutzlos gemacht durch ihr unwürdiges Verhalten gegenüber Würdigen. Fehlendes Geschichtsbewußtsein und –verständnis taugt nicht als Entschuldigung. Auch nicht die fehlende Identität der Achtlosen. Das Erschreckende ist, menschlich zu versagen in der Achtung der Menschlichkeit von Menschen. Das müssen sich vermeintliche Volksvertreter sagen lassen. Kann ehren, wer keine Ehre hat? Kann würdigen, wer würdelos entscheidet?

Bernd Heimberger

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