Bloßstellung eines Lügners

19. November 2011
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Da stellt Helmar Loske von der Bürgerinitiative „Interessengemeinschaft Berliner Strasse“  fest:

„Der Baudezernent und stellvertretende Bürgermeister, Herr Sonntag, belog in alt bekannter Manier die Gemeindevertreter …“ 

und Gregor Schiller (SPD) beantragt im Bauausschuss – ganz offensichtlich mit Blick auf Baudezernent Sonntag – das Thema „Barrierefreies Wohnen“ in der Gemeindevertretung gesondert zu behandeln

„Damit nicht Ausschüsse gegeneinander ausgespielt werden, einschließlich WOBAB.“

Es ist im Grunde nicht zu fassen: Ein Gemeinwesen, in dem der Baudezernent „in alt bekannter Manier“ die Gemeindevertreter belügt? Ein Gemeinwesen, in dem die Ausschüsse des Gemeindeparlaments offenkundig vom Baudezernent gegeneinander ausspielt werden? In „alt bekannter Manier“?  Grotesk und abenteuerlich! Gibt es noch irgendwo im Landkreis oder im Land einen Baudezernenten, über den derartiges schwarz auf weiß im Internet und der regionalen Presse nachzulesen ist und der immer noch auf seinem Stuhl sitzt?

Abgesehen von der Belanglosigkeit, dass er sich seit über zwei Jahren im Visier der Staatsanwaltschaft befindet. Wenn man denn vorsichtig davon ausgehen kann, dass es zwischen der jüngsten Beschlagnahme von Akten durch die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Korruption im Zusammenhang mit zwei Bauvorhaben in Millionenhöhe (Parkhaus, Rathaus)   und der Person des amtierenden Baudezernenten einen Zusammenhang gibt. Eine Hausdurchsuchung seiner Privaträume? Gerüchte! Und wenn überhaupt, kann dieser bestenfalls ein belangloser, banaler Anlass zugrunde gelegen haben.

Haarsträubend, so haarsträubend, dass es inzwischen wohl auch niemand mehr zu stören scheint, wenn in aller Öffentlichkeit von einem Baudezernenten die Rede ist der „in alt bekannter Manier“ lügt“ und der Ausschüsse einschließlich der Kommune eigenen Baugesellschaft (WOBAB) gegeneinander ausspielt. Der Vorsitzende des Bauausschusses (Dr. Stirnal, LINKE) jedenfalls steht im dabei seit 2003 mit seinem begnadeten Dilettantismus zur Seite. Natürlich kann man sich als promovierter Philosoph im Laufe er Zeit viel aneignen. Nur eines kann man sich nicht durch Anlesen zulegen: Arsch in der Hose. Im kleinen Rahmen räumt er auch schon mal ein, dass nicht er (als Volksvertreter!) bestimmt – was auf die Tagesordnung des Bauausschusses kommt, was nicht rauf kommt und was kurz vor der Sitzung wieder runter fliegt. Aber, haben sich nicht inzwischen viele, zu viele daran gewöhnt, dass dieser Baudezernent sein Angestellten-Dasein permanent mit den Aufgaben eines Ausschussvorsitzenden „verwechselt“. Dass er mit der ihm eigenen, verschlagenen Kreativität den Willen der Volksvertreter und der Bürger unterläuft und die einen gegen die anderen ausspielt?

Die Bruchlandung, der Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, ist absehbar. Verantwortlich für den sich abzeichnenden Scherbenhaufen ist nicht nur der Verwaltungsangestellte Sonntag. Das Versagen hat viele Namen.

Jörg Blunk

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One Response to Bloßstellung eines Lügners

  1. Detlef Böttger
    7. Oktober 2012 at 09:57

    … besonders der letzte Satz hat's in sich! Mir kommen dabei besonders wir, die Gemeindevertreter in den Sinn. Vorauseilender Gehorsam, falsch verstandene Loyalität waren u.a. schon oft die Ursache für Unfrieden und finanzielle Schäden. Es gibt viele Gründe im dienst für die Allgemeinheit zu versagen, Selbstherrlichkeit, Macht- und Geldgier und Feigheit aber an erster Stelle und nahezu unbesiegbar bleibt die Dummheit.

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