Vorhandenes vorstellen

6. Dezember 2011
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Der Teltow war mal was! Auch noch vor hundert Jahren. Der Kreis Teltow war, so verlautete es, der Lieblingskreis des deutschen Kaisers. Wohlhabend und direkt vor den Toren der kaiserlichen Residenz an der Spree. Das südliche, das westliche Berlin, alles war einst Teil des weiten Teltower Lands. Als der Kaiser fort war, verleibte sich die Stadt die schönsten, stärksten Gebiete des Kreises ein. Groß-Berlin war da und klein nun der Kreis Teltow. Der verschwand 1952 aus den Landkarten, als die noch junge DDR eine strikte Verwaltungsreform durchsetzte.

1993 tauchte im wiedererstandenen Land Brandenburg auch der Teltow wieder auf. Wiederum nicht in seinen ursprünglichen Grenzen. Die neuerliche Kreisreform brachte den Landkreis Teltow-Fläming hervor. Wahrlich nicht das, was Historiker, Regionalpolitiker, Lokalpatrioten wünschten. Im Kreis Teltow-Fläming sind Restgebiete des Teltow integriert.

Wenn nun ein Buch „Die Guts- und Herrenhäuser im Landkreis Teltow-Fläming“ präsentiert, dann ist es nicht das Repräsentativste, was es an Schlössern und Gutshäusern im großen Kreis Teltow gab. Die beiden Autoren der Publikation, Carsten und Hiltrud Preuß, haben das Nochvorzeigbare, selbst wenn das der gegenwärtige Zustand kaum rechtfertigt, zusammengefaßt. Geradezu wie eine Rechtfertigung für die Edition „strahlt“ auf dem Umschlag des Bandes das Schloß Genshagen. Wie in jedem anderen Falle wird die wechselvolle Geschichte des Gebäudes dargestellt. Das bedeutet die Geschicke des Bauwerks wie der Historie. Das in einer Art und einem Stil, die nicht die Fachleute bedienen wollen. Die Preuß´s haben ein Buch für Jedermann verfaßt. Für die Bewohner der Region, für die Stadtbewohner, die es am Wochenende aufs Land zieht, für die Touristen, die ins Brandenburgische kommen, insbesondere in den Kreis Teltow-Fläming.

Das Schloß Genshagen, auf dem Teltow, ist ein Glücksfall wie das Schloß Wiepersdorf im Fläming, wo Bettina von Arnim zu Hause war. Beide Adelssitze wurden nicht mit der Achtlosigkeit und Vernachlässigung gestraft wie das nach 1945 so häufig geschehen ist. Viele, auch historisch-architektonisch bedeutende Gutsgebäude haben die Zeiten nicht überstanden. Insbesondere im Norden des ursprünglichen Kreises Teltow. Vieles ist durch Umnutzung, Veränderungen bis zur Unkenntlichkeit und, schlimmstenfalls, durch Abriß verloren.

Es gibt Gründe genug für die kritische Bewertung und Beurteilung des Versagens und Versäumens in der Vergangenheit. Das Kritisieren haben Hiltrud und Carsten Preuß nicht als den Auftrag gesehen, dem sie hätten entsprechen müssen. Beide ohnehin keine Historiker, doch mit der Regionalgeschichte gut vertraut, zudem Mitarbeiter der Kreisverwaltung des Teltow-Fläming (Denkmalschutz/Umweltschutz), haben sie sich darauf konzentriert, Vorhandenes vorzustellen. Egal, in welchem Zustand sich das Vorgestellte befindet. Zeigenswert ist alles, weil alles seine Geschichte hat, die keinem gleichgültig sein sollte. Sich der Geschichte besinnen, bedeutet, sich seiner Verpflichtung in der Gegenwart zu erinnern. Und das bedeutet, dass es im Kreis Teltow-Fläming noch viel zu tun gibt. Auch für den Kreis Teltow-Fläming. Noch ist nicht alles vertan und verloren. Noch!

Was alles, wie, durch wen gewonnen wurde, wiedergewonnen auch, in den vergangenen beiden Jahrzehnten, davon berichten die Autoren mit Freude. „Die Guts- und Herrenhäuser im Landkreis Teltow-Fläming“ von Carsten und Hiltrud Preuß ist zuerst ein Buch, das eine bestimmte Region meint. Zugleich ist das Buch ein Buch von überregionaler Bedeutung. Zumindest für viele Landstriche in Ostdeutschland. Ein ermutigendes Buch. Es kann anstiften, achtsamer zu sein, wenn es Überliefertes zu bewahren gilt. Nicht nur im Kreis Teltow-Fläming.

Carsten und Hiltraud Preuß: Die Guts- und Herrenhäuser im Landkreis Teltow-Fläming. Lukas Verlag: Berlin 2011. 244 Seiten, 263 Abb., 29,80 Eur. ISBN 978-3-86732-100-6

 

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