Stasi und Bernd Heimberger ?

14. Dezember 2011
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Der MAZ-Beitrag von heute „4 von 56“ wirft Fragen auf.

Zunächst, eine Antwort vorweg: Bernd Heimberger war nicht eine Sekunde seines Lebens als IM für die Staatssicherheit tätig und hat nicht eine Silbe für sie aufgeschrieben.

Dies wußte auch Ekkehard Freytag, Verfasser des MAZ-Textes. Das hätte er nur schreiben müssen, wenn es denn noch in sein vorgefertigtes Text-Schema hinein gepasst hätte, nachdem er über eine Stunde mit dem Anwalt von Bernd Heimberger telefoniert hat.

Bei „4 von 56“ Kreistagsabgeordneten „gibt es Hinweise auf eine Mitarbeit beim Ministerium für Staatssicherheit der DDR.“- falsch, schon wieder eine „Ungenauigkeit. Einer hat sein Mandat niedergelegt, der findet in der MAZ gar nicht statt. Und, dass die dünnen Formulare,  die zu Bernd Heimberger vorliegen, ein Hinweis auf eine „Zusammenarbeit“ sind, meint der ehemalige Hubertus-Knabe-Mitarbeiter, Gilbert Furian, schlussfolgern zu können. Bernd Heimberger hat sich im Schriftwechsel mit ihm dazu erklärt. Für ihn sind diese Unterlagen noch einmal eine schöne Bestätigung des Gegenteils.

Was immer einem die Arbeitsgruppe Stasi-Überprüfung des Kreistages auch schrankfertig zuliefert, muss das für einen kritischen Journalisten „Gesetz“  sein? Warum fragt er nicht nach zum Komplex „Rosenholz-Dateien“? Stasi-„Registrierung bedeutet nicht Täterschaft„, das kann jeder Schüler wissen, der unter „Rosenholz-Dateien“ googelt. Er darf nur nicht MAZ-Journalist sein, oder?  Und er darf keine juristische Ausbildung haben, wie etwa CDU-Fraktionschef Danny Eichelbaum – der von Bernd Heimberger die Niederlegung seines Mandats fordert.

„Die Rosenholz Dateien hat die CIA im Sommer 1992 unter mysteriösen Umständen von einem KGB-Agenten gekauft … Erst mehr als zehn Jahre später (2003) reichten die Amerikaner die „gesäuberten“ Karteien – aus denen man viele führende Politiker, Journalisten usw. entfernt hatte – an die Bundesrepublik weiter. Da viele Journalisten aktiv oder passiv für die HVA (Hauptverwaltung Aufklärung der Staatssicherheit) arbeiteten, sind sie nun erpressbar. Es gibt zahlreiche Hinweise dafür, dass die Amerikaner von ihnen verlangten, positiv über die USA zu berichten und Kritik auch auf anderen Gebieten zu unterlassen, und dass andernfalls unangenehme Konsequenzen drohen. Das ist der Grund, warum vor etwa einem Jahrzehnt die Medien in Deutschland auf einen Schlag ´lammfromm´ wurden!“
(Holger Strohm in „Das Ende der Pressefreiheit“/„Raum und Zeit“ Nr. 173, 2011, S. 51)

Heimbergers Daten jedenfalls haben die Amerikaner nicht vorab gelöscht, wie das? Die Spezifik der Rosenholz Dateien? Kennt die keiner? Sind die wirklich alle so dumm? Oder geht es um etwas ganz anderes?

Hier ein Zitat aus dem Material der Arbeitsgruppe zur Stasiüberprüfung des Kreistages – eins zu eins übernommen von der MAZ:

„Zu Bernd Heimberger liegen verfilmte Karteikarten der `Rosenholzdatei´ der Hauptverwaltung Aufklärung vor, aus denen hervorgeht, dass er zwischen 1982 und 1988 als IM geführt wurde. Da die entsprechende Akte bisher,  nicht gefunden wurde, kann nicht gesagt werden, ob – und wenn ja, in welchem Umfang, er für das MFS tätig war.“    

Zur Verdeutlichung: Ein Verbrechen geschieht,eine Frau wird vergewaltigt. Sie, lieber Leser Y., werden als einer derjenigen ermittelt, die sich zur Tatzeit in der Nähe des Tatortes aufgehalten haben. Nach einem Jahr geht vom zuständigen Beamten G. Furian an das Opfer und die Öffentlichkeit die Information:  Das Verfahren wird eingestellt, der Täter konnte nicht ermittelt werden. Da keine Beweise „gefunden wurden, kann nicht gesagt werden – ob …“ Y. die Vergewaltigung begangen hat.

Hier soll ein Verdacht genährt werden, öffentlich. Das Rechtswidrige daran wird zu prüfen sein. Die Unlauteren aber, die dafür verantwortlich sind, werden gegebenenfalls dafür einzustehen haben.

Das, was an „Rosenholz“ zu Bernd Heimberger vorliegt, wird klaerwerk  in den nächsten Tagen dokumentieren einschl. des Schriftwechsels mit den Akteuren im Kreistag. Vielleicht, liebe Leser, gelingt uns so gemeinsam eine Annäherung an die eine oder andere Antwort.

Jörg Blunk

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3 Responses to Stasi und Bernd Heimberger ?

  1. Matthias Stefke
    15. Dezember 2011 at 08:02

    Ich empfehle uns in Blankenfelde-Mahlow, insbesondere vor dem Hintergrund des dramatischen Freitodes von Doreen Schmalenberger, der allem Anschein nach vor allem
    wegen unbewiesener und wie sich im nachhinein herausstellte wohl auch haltloser(anonymer!)Vorwürfe gewählt wurde, einen sehr behutsamen Umgang mit diesem schwierigen Thema.

  2. Matthias Adrian
    17. Dezember 2011 at 13:43

    Ja, Herr Stefke,
    ich teile Ihre Meinung absolut. So,nun also als nächster Herr Heinmberger ? Sollte dies – die Vorwürfe gegen Herrn Heimberger – ein weiterer Versuch sein, haltlose und anonyme Anschuldigungen zu verbreiten ? Sollten weitere Opfer gesucht werden ? Mit welchem Hintergrund ? Reicht Doreens Tod noch nicht ? Sollen noch weitere Menschen ins Unglück gestürzt werden ? Das Ganze ist nicht mehr auszuhalten, nur noch Infamität und Diffamierungen. Aber das ganze nur gegen Menschen, die Gradlinigkeit zeigen – wie Doreen – …..
    was passiert in dieser Gemeinde, es ist nicht zu ertragen, das diesem unglaublichen Verhalten nicht irgendwie Einhalt geboten werden kann…

  3. Hannelore Pappschik
    17. Dezember 2011 at 15:29

    Lieber Matthias,
    Deine Worte gelesen, kann ich mich dem nur anschließen.
    Nun wird ein weiterer Mensch in den Dreck gezogen. Soetwas hatten wir noch nie in Blankenfelde. Ich frage mich, woher kommt dieser ganze Schmutz? Auch wenn die Sache aus dem Kreistag kam (siehe MAZ), wer schützt jetzt Bernd Heimberger? Hoffentlich hat Bernd Heimberger gesundheitlich die Kraft, dass alles durchzustehen. Ich weiß, ich kenne Bernd Heimberger, er hätte Anerkennung und Achtung verdient, da er zu DDR-Zeiten Menschen vor den Machenschaften der Stasi geschützt und gewarnt hat. Die Spitze des Eisberges ist jetzt diese brutale Unterstellung. Da sollte sich mal die Christlich-Demokratische-Union, an deren Spitze Herr Eichelbaum, einmal fragen, was Sie mit dieser Art des Umgangs erreichen wollen. Soll es ein Sprungbrett sein für einen weiteren Karriereaufstieg? Es ist für mich erschütternd. Ich hätte einfach erwartet, dass man mit diesem Thema verantwortungsvoller umgeht. Der Freitod von Doreen Schmalenberger sollte uns allen eine Mahnung gewesen sein. Was haben die Menschen daraus gelernt, nichts, gar nichts. Das Gegenteil ist der Fall. Immer noch hoffe ich, der oder die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen und das, wenigstens das, sollte noch für Doereen getan werden. Nun geht es weiter. Nichts ist bewiesen, gar nichts, das Gegenteil ist der Fall. Wo bleiben die Verantwortlichen, wo und wie wird Bernd Heimberger geschützt. Diese Frage muß ich mir immer wieder und wieder stellen.
    Täglich arbeite ich mit Bernd Heimberger zusammen und erkläre hiermit, dass ich diese Machenschaften auf´s schärfste verurteile. Zur Rechenschaft müssen die dafür Verantwortlichen gezogen werden und eine Wiedergutmachung ist das Mindeste, was gefordert werden muß. Wenn das überhaupt in irgendeiner Form noch möglich ist.

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