Klartext vom Umweltbundesamt (UBA) und Falschdarstellungen der MAZ (07.01.2012)

8. Januar 2012
Von

Das Umweltbundesamt (UBA) spricht „Klartext“ im Sinne der vom künftigen Fluglärm betroffenen Anwohner

Endlich spricht eine maßgebliche Institution der Bundesrepublik das Problem offen an, diesen Flughafen am ungeeignetsten Standort des Raumordnungsverfahrens zu installieren – ein Problem, dass wir, die Vertreter der „ältesten Bürgerbewegung (BVBB) gegen den vom BBI(BER) zu erwartenden Fluglärm, seit 1996 laut und deutlich diskutiert habe einschließlich der Folgen dieser Fehlentscheidung.

Wir wurden dafür von offiziellen Vertretern der Flughafenlobby; aber auch leider von „sehr vielen unserer lieben Mitmenschen“ verhöhnt und sogar bedroht. Heute müssen wir mit Bedauern feststellen, dass nun auf einmal viele Vertreter dieser „lange schweigenden Masse“ aus ihren Löchern hervorkommen. Vielen Fakten, die inzwischen von der Flughafenlobby geschaffen worden sind, lassen sich nur noch  in Nuancen im Sinne der zumeist Betroffenen beeinflussen. Und jetzt erheben sich diese Vertreter über ihre Umgebung und „kämpfen“ auf einmal lautstark für die Lösung ihrer nun in Erscheinung tretenden Probleme.

Als „Trittbrettfahrer“ ließ es sich bisher und auch jetzt noch ganz gut leben, solange die „echten Standortgegner“ mit dem Geld aus deren Privatvermögen an die Front gingen und immer und immer wieder gegen die Machenschaften der Planfeststellungsbehörde (MIL) – mit der Flughafengesellschaft an ihrer Seite – aufbegehrten, oftmals mit wenig Erfolg.

Inzwischen haben sich aber doch spürbar in vielen Köpfen offizieller Stellen die Erkenntnisse verfestigt, dass Fluglärm tatsächlich – insbesondere nachts – extrem schädlich ist, eine Tatsache, die auch von uns bereits seit der Anhörung zum Planfeststellungsverfahren auf Grund der damals schon hinreichend bekannten, wissenschaftlichen Erkennt-nisse, laut und deutlich herausgestellt worden ist. Man hat uns nicht ernst genommen und – entgegen jeglicher Vernunft – „auflaufen lassen“.

So ist es nur zu begrüßen, wenn jetzt nun das UBA diese „uralten Erkenntnisse“ noch einmal aktualisiert und durch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse der Lärmwissenschaften unterstützt veröffentlicht und Forderungen stellt, diese Erkenntnisse nunmehr auch seitens der Flugverkehrslobby endlich anzuerkennen, und zwar ohne wenn und aber.

Insbesondere die Forderung bezüglich des Nachtflugverbots zwischen 22 und 6 Uhr ist hervorzuheben, denn genau diese Forderung steht in der Argumentation des BVBB ganz vorn und ist aus unserer Sicht nicht diskutabel. Da mögen die Vertreter der Fluggesellschaften noch so laut lamentieren, dass sie durch ein derartiges Nachtflugverbot ihre Gewinnmargen geschmälert sehen – Ihre Haltung und die so mancher unbelehrbarer Politiker und Wirtschaftsstrategen ist und bleibt in dieser Hinsicht unmenschlich, egoistisch und letztendlich verfassungswidrig und muss deshalb bekämpft werden.

Schlimm ist es, dass die Presse, z.B. die MAZ nach wie vor in Hofberichterstattungsmanier diese Lobby unterstützt und sich so gegen die betroffenen Menschen stellt.

Auch in der letzten Veröffentlichung vom 7. 1. 2012 kann ,man das wieder deutlich feststellen.

Da werden Karten – Quelle UBA (?), die mit Sicherheit dort anders aussehen ! – abgedruckt, die wieder mal bestens geeignet sind, die Leser – insbesondere diejenigen, die z.Zt. nicht unmittelbar vom künftigen BER- An- und Abfluggeschehen beeinträchtigt sind – völlig falsch zu informieren.

Da werden wieder Flugrouten als Striche – natürlich wieder ohne Angabe der zu erwartenden Flugkorridore – angegeben, was schon mal unsinnig ist.

Aber viel schlimmer ist die völlige Falschdarstellung verschiedener Ortslagen, die vom Fluglärm massiv betroffen sein werden.

Da wird Mahlow-Blankenfelde (richtig heißt der Ort Blankenfelde/Mahlow !) als „Kullerchen“ nördlich der westlichen An- und Abflugrouten dargestellt und erweckt damit den Eindruck bei Außenstehenden, dass dieser Ort doch kaum vom Fluggeschehen betroffen sein wird. Warum wird ein großflächiger Ort, dessen Zentrum des Ortsteils Blankenfelde genau zwischen den beiden Flugrouten liegt, nicht genau dort angegeben ? Warum wird ein derart großflächiger Ort, der weit nördlich und südlich über das von den Flugrouten bedeckten Gebietes hinausreicht, nicht auch als große schraffierte Fläche dargestellt, um die wahren Verhältnisse zu zeigen.

Warum tauchen große Orte wie z.B. Rangsdorf gar nicht auf?

Warum wird Erkner ebenfalls als „Kullerchen“ nördlich der östlichen An- und Abflugrouten dargestellt, obgleich der Stadtkern von Erkner ziemlich genau unter der nördlichen An- und Abflugstrecke liegt ?

Berlin ist deutlich grau ausgelegt dargestellt; aber um den Flughafen herum gibt es offenbar keine großflächig bewohnten Gebiete – auf der Westseite, wie auch im Osten durch Eichwalde, Schulzendorf und Zeuthen bis hin nach Königs-Wusterhausen – – – nur ein paar unbedeutende Orte, die man durch kleine Kreise, „Kullerchen“, darstellen kann?

Diese Art der Darstellung und Manipulation der Leser ist widerwärtig, eben „Hofberichterstattung“ ganz im Interesse der Flugverkehrslobby und auf Kosten der unmenschlich vom Fluglärm und Abgasen betrof-fenen Flughafenanwohner.

Fazit: Ich bin gespannt, welche Wirkung das neue UBA-Gutachten auf die Flughafenlobby ausüben wird, ob es Gehör findet oder ob es wieder in absehbarer Zeit in der Versenkung verschwindet – kommentiert durch „Sachkundige“, die sich nicht zu schade sind, wider besseren Wissens gegen diese Veröffentlichung zu polemisieren und ihre Erkenntnisse in Abrede zu stellen, um – kraft ihrer Machtposition – zu tun, was sie allein für richtig halten – komme, was da wolle!

Prof. Dr.-Ing. habil. E. Augustin

Print Friendly, PDF & Email

Tags: , ,

7 Responses to Klartext vom Umweltbundesamt (UBA) und Falschdarstellungen der MAZ (07.01.2012)

  1. S.Walkowiak
    9. Januar 2012 at 11:55

    Wenn das Umwetbundesamt als für mich mich kompetente Stelle zur Beurteilung der Auswirkungen von Fluglärm, zu der Erkenntnis kommt, dass es ein Nachtfluverbot geben muss, sollte dies für alle bindend sein.

    Wenn die BER-Interessen wieder im Vordergrund stehen, sollte man wirklich überlegen, in welcher Republik wir leben. Und, dann können solche Behörden wie das Umweltbundesamt geschlossen werden, wenn dessen qualifizierte Einschätzung doch ignoriert wird.

    • Dr.Walter Schmidt
      13. Januar 2012 at 12:57

      Oder solche Leute wie Sie verlassen diese fürchterliche Bananenrepublik und gehen z.B. ins herrliche Griechenland !!
      Ich wohne seit 30 Jahren in der Einflugschneise von Tegel ( wie übrigens weitere rund 1,2 Millionen Bürger ) Da kräht kein Hahn danach.
      Aber wir werden jetzt auch aktiv-und zwar gegen Sie als Gegner dieses Berlin entlastenden Airports.Man muß doch wohl sachlich abwägen, wieviele Menschen werden vom Fluglärm entlastet und wieviele neu belastet.Und da sehen Sie wohl sehr sehr alt aus.
      Haben Sie schon mal am dichtbesiedelten Ollenhauerplatz einen Kaffee getrunken, wenn eine 707 reinschwebt???
      Was Sie wissen müssen ist, dass es auch 100tausende Menschen gibt, die dieses Problem ganz anders sehen als Sie.
      Mit nicht all zu freundlichen Grüßen
      Walter Schmidt

  2. Matthias Stefke
    9. Januar 2012 at 21:36

    Wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) vermeldet, hat das Bundesumweltamt seine für den morgigen Dienstag mit Spannung erwartete Pressekonferenz zu dem Thema Flugrouten und Nachtflugregelung für den künftigen Flughafen BBI/BER in Schönefeld kurzfristig abgesagt!

    Schon am Wochenende wurde in zahlreichen Tageszeitungen berichtet, dass das Bundesumweltamt die sich herauskristallisierenden Flugrouten und vor allem die vom Bundesverwaltungsgericht höchstrichterlich bestätigte Nachtflugregelung mit einer Lärmpause von lediglich 5 Stunden (00.00 – 05.00 Uhr) äußerst kritisch beurteilen soll.

    Die heutige Absage deutet daraufhin, dass die Verantwortlichen im Bundesumweltamt kurzfristig zurückgepfiffen wurden. Zumindest der Hinweis, man müsse sich noch mit verschiedenen Ressorts der Bundesregierung – insbesondere dem Wirtschaftsressort – abstimmen, lässt aufhorchen.

    Klar ist:

    Mit einem Nachtflugverbot, wie es wohl das Bundesumweltamt von 22.00 – 06.00 Uhr (= 1/3 des Tages) empfiehlt, ist der BBI/BER zu 100% nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben.

    Demzufolge dürften wohl noch am Wochenende bei den BER-Befürwortern- und Verantwortlichen die Alarmglocken geschrillt und die Telefondrähte geglüht haben.

    Bleibt im Interesse aller Betroffenen zu hoffen, dass das Bundesumweltamt vor politischer Einflussnahme nicht in die Knie geht!

  3. Matthias Stefke
    13. Januar 2012 at 17:34

    Dr. Schmidt ist ein braver Berliner, so einer wie ihn sich Wowereit wohl wünscht wenn er fordert “ Berliner sollen sich endlich zu Flughafen bekennen“.

    An der akademischen Bildung dieses Herrn Dr. Schmidt sind allerdings Zweifel angebracht.
    Nichts dagegen, dass er sich über die Entlastung Berlins freut.
    Wir hatten einmal eine Kleingartenparzelle ganz in der Nähe des Kurt-Schumacher-Platzes, da kann ich schon mitreden, wie stark die Fluglärmbelastung gerade in dieser Ecke derzeit ist. Den Reinickendorfern und anderen Leidensgenossen sei es von Herzen gegönnt.

    Völliger Unfug ist doch aber, dass ein „neuer“ Großflughafen ebend genau wieder in dichtbesiedeltes Gebiet gebaut wird, der zumindest Hunderttausende um ihre Ruhe und Gesundheit bringt, Werte vernichtet, Katastrophenrisiko bedeutet und Umwelt und Natur für Mensch und Tier quasi unbenutzbar macht.

    Da hätte man sich von einem Herrn Dr. schon etwas mehr Niveau in dessen Eintrag hier erwartet.

    Ich freue mich allerdings auf dessen Ankündigung „Aber wir werden jetzt auch aktiv-und zwar gegen Sie als Gegner dieses Berlin entlastenden Airports“.

    Na dann ´mal los! Schaun wir ´mal, wer mehr Leute auf die Beine bringt. Ich schätze, ab Juni nach der Inbetriebnahme geht´s dann erst richtig los mit dem Protest der vom BBI/BER-Betroffenen und Betrogenen.

    Ach so, heute Vormittag vermeldete BB-Radio ja, dass der Eröffnungstermin gefährdet sein soll. Da dürfte dem zu der Zeit auf dem Neujahrsempfang des Springer-Verlag weilenden Regierenden Partymeister wohl der Champagner in der Sektflöte gefroren sein.

    Na, wird wohl wieder nischt mit der Eröffnung Wowi?!

    Für den Fall würden wir uns dann ebend ´mal freuen, wenn auch ersteinmal nur für ein paar Wochen oder Monate.

    Nischt für Ungut, Herr Dr.

    • Loske-edith
      14. Januar 2012 at 08:08

      Hallo Herr Dr. Schmidt, („Sehr geehrter“ lasse ich weg.)

      ich kann mich dem Schreiben des Herrn Stefke nur anschliessen. Wo leben Sie denn Herr
      Schmidt ? Haben Sie die politische Lage West-Berlins vergessen. Berlin war eine Insel.
      Wir waren zufrieden, dass wir per Flieger diese Insel zeitweise verlassen konnten um den Kontrollen des Transitverkehrs zu entgehen. Ich weiss nicht wie alt Sie sind, sollten sich aber besser informieren und sich mit dem neuen Flughafen auseinandersetzen, bevor Sie Menschen angreifen und als GEGNER ansehen. Die Bevölkerung wurde und wird von den Politikern für dumm verkauft.
      ohne Grüsse an Sie.

  4. M. Friedrich
    13. Januar 2012 at 19:30

    Zumal unser Herr Dr. wohl garnicht aus der Ecke da oben kommt :)

    Ollenhauerplatz, ahja, den möge er mir doch mal zeigen ! Schlecht bei Google Maps rechachiert würde ich mal behaupten …

    Ich arbeite ja an der Ollenhauerstraße (wo da nur der Ollenhauerplatz ist !?) und da hinten kommt im Normalfall nicht ein einziger (!) Flieger vorbei, wenn dann sinds die Rettungs- und Polizeihubschrauber die die Ollenhauerstraße überqueren… Schade aber auch das es Ortskundige hier gibt oder !? Kurz hinter der Scharnweberstraße (also noch so ziemlich am Anfang der Ollenhauerstraße, die beginnt dort nämlich erst !) kommt kein Flieger mehr lang, zumindest nicht zu den normales Tageszeiten und ab 23.00 Uhr ist ohnehin Feierabend mit der Fliegerei, womit wir auch gleich beim achso wichtigen Nachtflug wären: Ohne die „Randzeiten“ ist der BER angeblich ja nicht wirtschaftlich zu betreiben !? Komisch, war Tegel nicht der einzige Berliner Flughafen der schwarze Zahlen geschrieben hat und aus Kapazitätsgründen erweitert werden musste und Schönefeld der Flughafen mit sinkenden Passagierzahlen und dauerhafter Quersubvention durch Tegel !?

    Dann fassen wir mal zusammen:

    Tegel: Nachtflugverbot von 23.00 Uhr bis 6.00 Uhr = wirtschaftlich
    Schönefeld: aktuell 24h-Betriebserlaubnis = sinkende Passagierzahlen = rote Zahlen seit Jahren !

    Es stand den Fluggesellschaften ja frei nach schönefeld mit 24h-Betriebserlaubnis umzuziehen, gemacht hats meines Wissens nicht eine einzige !

    Aber es ist in der Tat wirklich extrem laut, wenn man am KURT-SCHUMACHER-Platz einen Kaffee trinken will :) Den gibts nämlich und da schwenken auch die Flieger ein…. Aber der Name dieses Platzes steht nicht in Google Maps und da die Ollenhauerstraße da anfängt haben wir mal geraten Herr Dr. !?

    Der Witz ist allerdings, das sehr viele Tegler/Reinickendorfer Ihren Flughafen behalten wollen, was mir wirklich schwer zu glauben erscheint, ist aber in der Tat so.

    Der Knaller ist übrigens, das aus unzähligen Wohnungen nach Schliessung des Flughafens Tegel die Schallschutzfenster wieder ausgebaut werden müssen (wegen Denkmalschutz diverser Häuser da oben !), als mir das Kollegen berichtet haben (ich habe auch das Schreiben der Wohnungsbaugesellschaft gesehen die das ankündigte !) habe ich mich ernsthaft gefragt, wo wir hier eigentlich leben, aber nunja !

    Niemand hat da oben ein Problem mit uns Fluglärmgegnern, gerade weil alle da oben wissen was Fluglärm bedeutet ! Wenn Herr Dr. sich etwas mehr informiert hätte, wüßte er, dass NIEMAND von uns möchte das Tegel auf Dauer erhalten bleibt, aber man kann ja erstmal lospöbeln ;)

  5. bernd brandenburg
    17. Januar 2012 at 12:00

    werter herr dr. schmidt , aus der not heraus wurde , z.z. des kalten krieges und der blockade berlins , der flughafen tegel errichtet . die blockade berlins ist aufgehoben und die teilung berlins ebenfalls . es bestand also kein grund mehr , in der stadt bzw. an der stadtgrenze , einen neuen flughafen mit drehkreuzfunktion und wie von der wirtschaft gefordert mit durchgehendem nachtflugbetrieb zu errichten . übrigens gönne ich allen in der nähe des flughafens tegel die bald einkehrende ruhe . es scheint ihnen entgangen zu sein , daß die im süden berlins wohnenden sich ebend nicht freuen können , daß sie vom fluglärm nicht betroffen sind , wie es mal lauthals auf einer montagsdemo in lichtenrade verkündet wurde.
    mit freundlichen grüßen ,
    ihr zum nachdenken anregender b. brandenburg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.