Weiter lebenswert ?

12. Februar 2012
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Als ich den Beitrag in der MAZ vom 9. Februar 2012 – Schadensbegrenzung oder Fluchtgeld – gelesen hatte, war ich nicht nur wütend sondern ich stellte mir auch die Frage: Was soll uns dieser Beitrag sagen? Für mich eine reine Verdummung, schlicht und einfach nur Verdummung.

Wer von den Fraktionsvorsitzenden ist in der Lage, konkrete Auskunft zu geben? Wer von diesen anwesenden Fraktionsvorsitzenden ist überhaupt in der Lage, Aufklärung zu leisten? Ehrlich gesagt, ich traue das weder Ronald Scharp, Katja Grassmann noch Regina Bomke zu. Parolen in die Welt hinauszuposaunen wie „..mehr Transparenz und bessere Informationen“, „Schadensbegrenzung – mehr können wir nicht machen“ undsoweiter undsofort. Na, hervorragend, dass wußte ich alles bisher noch nicht. Tolle Neuheiten! Ich will nicht zu weit ausholen, ich will hier an Ort und Stelle sagen: Leute, verscheißert uns doch nicht. Wir sind doch alle genug bestraft mit dem Großfluchhafen. Ob in Mahlow, Blankenfelde, Jühnsdorf, Groß-Kienitz und Dahlewitz. Daher kann ich auch solche Parolen kaum noch ertragen.

Einzig und allein, dass wissen wir alle sehr genau, gibt es nur eine Möglichkeit, dem Ganzen zu entkommen: Der Standort muß verlegt werden. Ansonsten bleibt uns keine Alternative, um unser Leben hier in dieser Region, lebenswert zu gestalten.

Seit Jahren kämpft der BVBB mit seinen Anhängern, das Furchtbare abzuwehren. Auch hier könnte ich Seiten über Seiten schreiben. Wo war die Unterstützung Derer, welche jetzt uns sagen wollen, was zu tun wäre? Also, alles was dort auf dieser Diskussionsveranstaltung gesagt und berichtet wurde, ist lächerlich. Wir alle wissen, wer uns diesen Schlamassel eingebrockt hat. „Die Politiker warben darum, hierzubleiben und nicht wegzuziehen“, ein weiterer Kommentar. Die genannten Argumente hierzu schlicht und einfach nicht nachvollziehbar: Schließlich investiert die Gemeinde viel Geld in Kitas, Schulen und in das neue Rathaus (ich bin begeistert!). Trotzdem bleibt unsere Gemeinde doch trotz Fluglärm weiter lebenswert. Allein wegen dieser Aussage könnte ich die Fassung verlieren. Lebenswert – diesen Begriff sollten sich die Politiker, welche an diesem Abend anwesend waren, einmal durch den Kopf gehen lassen. Ich hatte aber auch nichts anderes erwartet. Deswegen war auch ich nicht auf dieser Veranstaltung. Das Ortwin Baier dort erschien, verwunderte mich sehr. Eigentlich hatte ich den Bürgermeister auf der Ortsbeiratssitzung der Gemeinde Blankenfelde erwartet (laut Tagesordnung). Wer von der Fraktion BürgerBündnis Blankenfelde-Mahlow hat eine Einladung erhalten?

Ich bin Hauptbetroffene dieses Großflughafens. Ich bin für jede Idee, welche eine Entlastung mit sich bringt, sei sie noch so gering, dankbar. Ich war, sofern es mir möglich war, immer mit dabei wenn es darum ging, den Politikern zu zeigen, zu sagen, das ist eine Sauerei, was Ihr mit uns vorhabt. Dann muß ich solche Kommentare am 9. Februar lesen, unfassbar. Ich schäme mich für das teilweise Gesagte der hier anwesenden Fraktionsvorsitzenden, wenn Sie es dann so gesagt haben, wie es geschrieben steht.

Hannelore Pappschik

 

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6 Responses to Weiter lebenswert ?

  1. Mark Brandenburg
    12. Februar 2012 at 12:44

    „… mehr können wir nicht machen“? Es hätte schon gereicht, wenn die träge Mehrheit in Blankenfelde-Mahlow bereits vor 10 Jahren machtvoll protestiert hätte. Wenn die Politik den Eindruck bekommen hätte, die Situation würde ihrer Kontrolle entgleiten, wäre der Ausbau von Schönefeld damals ad acta gelegt worden. Wie „geschmeidig“ Politik sein kann, hat der Atomaustieg bewiesen. Aber ich kann mich immer weniger des Eindrucks erwehren, dass die DDR ganze Sache geleistet hat, in dem sie Generationen ein „Kuschen vor der Obrigkeit“ einhämmerte. Das ist das eigentliche Problem. Bleibt also nur zu hoffen, dass mit der Inbetriebnahme des BBI die Wut der Mehrheit so zunimmt, dass Zehntausende vielleicht auch einmal den Flughafen lahm legen. Dann wird auch die Zeit gekommen sein, Spezialdemokraten wie Platzeck, genauso wie Honecker oder nordafrikanische Despoten, aus dem Amt zu jagen. Bürger, die von der Politik so erniedrigt werden, wie die Anwohner des BBI, haben dazu moralisch das Recht.

    • M. Friedrich
      12. Februar 2012 at 18:51

      Herr Brandenburg, die Hoffnung haben wir alle !

      Wenn wir zu unseren hessischen Freunden (z.B. nach Flörsheim) schauen, dann hoffen wir alle, dass mit der Eröffnung des Fluchhafens ein Sturm der Entrüstung durch die Gemeinde „weht“….

      Zeit wird´s !

      Warum ich jetzt nur sehr wenige Miteinwohner auf diversen Demos treffe und mir sogar Kommentare anhören muss: „… ach so schlimm wird´s nicht werden …“ – will mir einfach nicht in den Kopf !

      Insofern ist eine Eröffnung im Sommer (oder Herbst !?) sehr gut gewählt:

      Lärmschutz haben die Schwerstbetroffenen größtenteils nicht (dazu muss ich mich, dank der Gemeinde, auch zählen !) und selbst wenn, beim Grillen im Garten ist das ohnehin sinnlos:

      Wenn man seine Gäste anbrüllen muss, wenn wir in 150 bis 250m Höhe überflogen werden und das im ca. 90 Sekundentakt (Quelle bezüglich der Überflughöhen: Dieter Faulenbach da Costa !), dann sollte auch der letzte „Flughafenfan“ aus unser Gemeinde merken wie recht die wenigen von uns seit zum Teil 16 Jahren hatten (wozu ich mich leider auch nicht zählen darf).

  2. Thomas Breidbach
    12. Februar 2012 at 21:29

    Liebe Frau Pappschik,
    Sie haben das sehr gut beschrieben, was mir beim Lesen dieses Artikels durch den Kopf gegangen ist. Auszug aus dem Artikel:

    „Schließlich investiert die Gemeinde viel Geld in Kitas, Schulen und in das neue Rathaus, deshalb bleibt unsere Gemeinde doch trotz Fluglärm weiter lebenswert“, waren sie sich einig.

    Die Damen Grassmann und Bomke, sowie Herr Scharp glauben aber wirklich daran, jedenfalls
    belegen Sie das seit Jahren in der Gemeindevertretung. Sie hätten vielleicht noch das Parkhaus erwähnen können, eine verpasste Chance… Frau Bomke ist für mich die treibende Kraft hinter diesem Neubau der Astrid-Lindgren Schule mitten in der Einflugschneise. Sehr lebenswert. Frau Grassmann hatte auch nichts dagegen die neue Kita in die Einflugschneise zu bauen. Aber mit großem Innenbereich, macht das Ganze direkt noch lebenswerter. Vor die Tür müssen die Kinder ja nicht unbedingt gehen… Was das Rathaus mit lebenswert zu tun hat erschließt sich mir nicht, vielleicht steht das in den von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Akten?
    Anstatt die Gemeinde mehr politischen Druck aufbaut und Umsiedlungsanträge für ihre sensiblen Einrichtungen stellt, verbaut sie in den schlimmsten Lärmzonen Millionen. Das bezeichne ich als mutwillige Vernichtung von Volksvermögen.
    Die Gemeinde kann durchaus lebenswert sein, aber dazu muss der Standort Schönefeld weg. Dieses Fazit vermissse ich völlig, dafür aber Resignation in der Sache (Roland Scharp, Vorsitzender der Fraktion Die Linke, setzte sich für eine Schadensbegrenzung ein, „mehr können wir nicht machen“, ergänzte er mit Bedauern. Zitat aus der MAZ). Wer in dieser Gemeinde noch ernsthaft über Flugrouten diskutiert, sollte endlich die politischen Konsequenzen für sich selber ziehen und wegen Unfähigkeit abtreten.

  3. Sigrid Zentgraf-Gerlach
    16. Februar 2012 at 11:11

    Hallo Frau Pappschik,

    es waren ausnahmslos alle Fraktionen zu dieser Veranstaltung eingeladen. Und eine jede hätte frei ihre Position darstellen und sich in die Diskussion einbringen können. Wir von BIMS wären ja froh gewesen über eine möglichst allparteiliche Auseinandersetzung zu dem Thema Flughafen. Und auch der Meinung von BVBB-WG, der WG Rahneberg und dem BB hätten wir gerne Raum gegeben und aufmerksam zugehört. Bei so manchem hätten diese WGs damit mehr Anklang gefunden als diejenigen mit ihren Äußerungen, die gekommen sind. Der BVBB-Kandidat für das Amt des Bürgermeisters ist auch von Mitstreitern aus den Reihen von BIMS gewählt worden! Diese Menschen hätten Herrn Steffke sowieso gerne zugehört und haben ihn wohl auch ein bisschen vermisst.

    Leider hat der Berichterstatter der MAZ nicht wiedergegeben, worum es im Wesentlichen ging und auch den Diskutierenden auf dem Podium im Wege der Verwechselung die falschen Zitate untergeschoben, so dass Sie jetzt den Falschen geißeln. Das passiert leider hin und wieder, dass man die eigene Veranstaltung dann in den Pressebrichten nicht unbedingt wiedererkennt. Ist Ihnen bestimmt auch schon so gegangen, oder?

    Ich bedauere aber sehr, dass da nicht die Gelegenheit genutzt wurde, mitzudiskutieren. Fernbleiben und sich mit der Zeitungslektüre begnügen ist eine sehr schmale Basis, um eine Veranstaltung hinreichend zu beurteilen, meinen Sie nicht?

    Ich finde es zudem vollkommen unglücklich und eigentlich unhaltbar, dass es in unserer Gemeinde keinen gemeinsamen öffentlichen Diskussionraum gibt, indem man die unterschiedlichen Meinungen zur Flughafen-Problematik äußern und gemeinsam – durchaus auch sehr kontrovers! – diskutieren kann. Und dass der sich augenscheinlich auch nicht schaffen lässt, von wem auch immer! Wir stecken in dieser Gemeinde in zwei feindlichen Lagern fest, die jeweils in ihrer eigenen politischen Hermetik denken und handeln. Das schwächt diese Gemeinde insgesamt in den schweren Kämpfen gegen den Flughafen, die vor ihr liegen.

    Ich würde den BVBB und die anderen „Weg-Bleiber“ bitten, sich inhaltlich mit den Positionen von BIMS auseinanderzusetzen und es nicht dabei bewenden zu lassen, uns einfach auszuklammern und ins andere, gegnerische politische Lager abzuschieben. Auch wenn es so schön einfach ist: Etikettchen draufkleben und ins vorgefertigte Schublädchen stecken – und fertig. Ich bezweifele zu ihren Gunsten, dass Sie alle wirklich so wenig von ihren Argumenten überzeugt sind, als dass Sie sie nicht selbstbewusst mit anderen – und auch mit Andersdenkenden! – austauschen könnten. Und dass Sie meinen, sie könnten damit nicht überall bestehen! Also ich für meinen Teil bilde mir das so ein, gehe überall hin und setze meine Auffassungen der Überprüfung durch sachlich vorgetragene Gegenreden aus.

    Oh doch, Herr Breidbach, es gibt Flugrouten. Diejenigen, die im Nahbereich genau drunter wohnen und künftig sowohl beim Start als auch beim Landen die Räder von unten sehen werden und jede Schraube zählen können, immer und ohne Pause diesselben starken Lärmquellen über sich haben, immer am meisten dem Schadstoffausstoß und der schlimmsten Gesundheitsgefährdung ausgesetzt werden, wissen, dass es Flugrouten gibt. Und denen ist dieses Problem überhaupt nicht egal. Und wer das nicht versteht, sollte sich wegen Erkenntnisunfähigkeit nicht mehr zur Flughafen-Problematik in Blankenfelde-Mahlow äußern.

    Versuchen Sie doch einfach einmal zu unterscheiden zwischen den engen Flugkorridoren in einer Breite von 300 bis 400 Meter im Nahbereich des BER in niedrigster Höhe. Und an den Stellen, wo die Flugzeuge die Höhe erreicht haben, in der sie die Freigabe bekommen, von wo aus sie abdrehen und sich überall auffächern dürfen wie bei einem Pinsel-Strich. Ab dort, etwa auf die Nordbahn bezogen in der Gegend von Diedersdorf, erledigt sich jede Flugrouten-Diskussion dann tatsächlich vollkommen.

    Ich habe im Übrigen die Äußerungen Ihres Vaters Ferdi Breidbach in den Info-Veranstaltungen nach der FLK so gedeutet, dass er es inhaltlich eigentlich genau so sieht. Er hat sich dort auch immer gegen die Doppelbelastung der Nordbahn ausgesprochen und meine Parteinahme für Blankenfelde-Mahlow durch eigene Aäußerungen dazu immer verstärkt, wofür ich dankbar war.

    Und wer in Blankenfelde-Mahlow wünscht sich denn den Flughafen nicht ernsthaft weg? Aber damit das wird, müssen wie alle noch ganz stark und lange an einem wirksamen Widerstand stricken. Wie meinen Sie denn, dass die Menschen hier halbwegs gesund über die Runden zu bringen sind, weil trotz allen Wünschens der BER eben doch eröffnet wird? Wir sind doch nicht bei Pip Langstrumpf und können uns unsere Blankenfelder-Mahlower Welt so malen, wie sie uns gefällt! Kaum einer von uns würde da so viele Flugzeuge an den Himmel zeichnen. Es wird aber unentrinnbar auf uns zukommen. Und keiner nimmt uns diese schlimme Last erst einmal weg. Wie sollen die Menschen aber damit leben? Und für einen anderen Antwortversuch von ihnen als „Es darf nicht sein, was nicht sein darf!“ wäre es doch vielleicht jetzt auch einmal wahrlich an der Zeit.

  4. Hannelore Pappschik
    16. Februar 2012 at 18:00

    Liebe Sigrid Zentgraf-Gerlach

    „Leider hat der Berichterstatter der MAZ nicht wiedergegeben, worum es im Wesentlichen ging und auch den Diskutierenden auf dem Podium im Wege der Verwechselung die falschen Zitate untergeschoben…“. Ja, ja, das ist ein leidiges Thema, kenne ich zur Genüge. Denke aber schon, dass diese „Parolen“, von wem auch immer, gesagt wurden. Wer was gesagt hat, sei dahingestellt.
    Wichtig für mich ist, wer kann konkrete Aussagen über das leidige Thema Flughafen machen. Die genannten drei Fraktionsvorsitzenden wissen nicht mehr als ich, woher auch. Sie wissen, dass der Flughafen in kürzester Zeit eröffnet wird. Sie wissen, dass unsere Gemeinde Blankenfelde-Mahlow sehr stark betroffen sein wird. Sie wissen, dass Sie in einer Gemeindevertretersitzung gegen den Antrag, – Baustopp, Verlegung des Flughafens -, gestimmt haben (oder irre ich mich da?). Nun sollen diese Fraktionsvorsitzenden Auskunft geben. Ich finde das mehr als lächerlich, Sie nicht auch?
    Seit wann kämpfen wir gegen den Flughafen und seinen Folgen? Ich war von Anfang an mit dabei (leider auch nicht immer, andere Termine), aber ich war dabei. Wie oft habe ich bei diesen Veranstaltungen, sprich Demonstrationen, Ronald Scharp, Regina Bomke, Katja Grassmann gesehen? Ich kann mich nicht daran erinnern? Ich will nicht behaupten, dass Sie nie dabei waren, ich habe Sie jedenfalls nicht gesehen. Ich freue mich über jede Bürgerinitiative, welche darum kämpft, dass wir unser Leben lebenswert gestalten können. Aber das heißt natürlich auch, gemeinsam müssen wir uns dafür einsetzten. Ich tue das seit über einem Jahrzehnt. Der BVBB ist der Vorreiter und davor ziehe ich meinen Hut. Wo waren all die Tausenden in den ganzen Jahren? Kurz gesagt, wären wir damals so stark vertreten, es wäre zu der jetzigen Situation nie gekommen. Trotzdem bin ich froh darüber, dass wir jetzt wenigstens zueinander gefunden haben (ich hoffe es). Aber nun brauchen ich nicht unbedingt eine Veranstaltung, wo ich im Vorhinein weiß, dass diese uns absolut nichts Neues bringt. Das Ganze ist ja jetzt auch in einer Phase, wo wirklich Fachleute dahinterstehen müssen. Es ist sehr schwer, alles genau zu durchschauen und was wissen wir alles nicht, diese Frage stelle ich hier. Inwieweit besteht eine Zusammenarbeit unserer Verwaltung mit den Flughafen? Besteht eine Zusammenarbeit? Ich habe kein Vertrauen in das Geschwafel Derer, welche nur Parolen raushauen. Von Denen gibt es leider zu viele.
    Wir müssen zusammenhalten, wir müssen jede Gelegenheit nutzen, sei diese auch nur sehr gering. Wir wurden belogen und betrogen hinsichtlich der Flugrouten. Mir war von Anfang an klar, kommt der Flughafen, dann ist es mit der Ruhe, im Garten sitzen und ruhigem Schlaf vorbei. Diejenigen, welche sich in Sicherheit „gefühlt“ haben, kann ich durchaus verstehen. Ich kann mich nicht darüber freuen, wenn jetzt zum Beispiel ein Bürger aus Mahlow-Waldblick zu mir sagt: Nun freuste Dich, dass wir auch was abbekommen. Freude, nein, die kann ich so nicht spüren. Ich denke, wir sollten alle darum kämpfen, dass der Flughafen sein Domizil wo anders aufschlagen wird. Das sehe ich als einzige Möglichkeit, nicht dass Hin-und Herschieben von Flugroten und somit den Bürgern Märchen erzählen. Wir alle wissen, wie die Wahrheit aussieht.
    Zeigen wir gemeinsame Stärke: Am Samstag, 25.2.2012, 14 Uhr, Berlin Gedächtniskirche.
    Ich hoffe, wir sehen uns.

  5. Sigrid Zentgraf-Gerlach
    17. Februar 2012 at 00:42

    Liebe Frau Pappschik,

    aber Sie hätten doch das Neue und Andere an Gedanken in die Veranstaltung einbringen können. Ich glaube einfach daran, dass man in einer Diskussion in einem großen, gemeinsamen öffentlichen Gesprächszusammenhang, in absoluter Gleichrangigkeit, mit einem Mindestmaß an gegenseitigem Respekt und dem Willen, den anderen auch gelten zu lassen und seine Gedanken zu verstehen, sich vielleicht eher einander annähern kann, als wenn man sich und den anderen keinerlei Veränderungen zutraut und sich in gar keiner Diskussion mehr begegnet. Und wir müssen ja jetzt neue Lösungen finden, wie unter dem Lärm gelebt werden soll. Der Druck der Verhältnisse erzwingt es ja, dass wir uns Gedanken machen. „Um choroscho, a dwa lutsche!“ sagen die Russen.(„Ein Verstand ist gut. Aber zwei sind besser!“) Vielleicht wäre in diesem Sinne die Addition von sechs verschiedenen Denk-Ansätzen auf einem Podium besser gewesen als nur die Hälfte davon, wie wir es hatten.

    Stattdessen erlebe ich, wie sich zwei Lager in der Gemeinde in ihren Schützengräben verschanzt haben und in einem Stellungskrieg verharren. Der Bürger, der jetzt nicht unbedingt die Kommunalpolitik inhaltlich mit verfolgt hat, kann das nur schwer begreifen, warum das so sein muss und wie sich das entwickelt hat. (Ist aber vielleicht so, weil man sich schon jahrelang behakt hat und der immer gleiche Schlagabtausch in immer den gleichen Koalitionen in einer Endlos-Schleife abläuft.)

    Mein Mann und ich haben uns im Jahr 2004 der Gruppe der freien Kläger um Rechtsanwalt Boermann angeschlossen und den Klageweg begleitet. Wir wollen durchhalten bis Straßburg. Seit dieser Zeit ist die Abwehr des Flughafens und seiner Auswüchse ein Thema in unserem Leben. Und je mehr Zeit wir bekamen, weil familiäre Verpflichtungen entfielen, desto mehr haben wir uns nicht nur durch die Prozess-Beteiligung, sondern auch politisch in der Anti-Fluglärm-Bewegung engagiert.

    Wir wollen aber lokal begrenzt arbeiten, und so, dass es den Menschen in unserem unmittelbaren Umfeld nützt. Das ist aber sowieso Aufgabe genug, denn Mahlow unter der Nordbahn, der nach der Flughafen-Eröffnung noch zunehmende Straßen- und Eisenbahnlärm, macht unser Wohngebiet zum hot spot des Krachs in unserer Gemeinde. Wie sollen wir Menschen an diesem Ort ausharren können, ohne verrückt oder krank oder beides zu werden? fragen wir uns. Damit sind wir sehr bald konfrontiert. Und was dann? Einfach mal über Nacht wird uns niemand den großen Geldbetrag in den Briefkasten werfen, der nötig wäre, damit wir wegziehen könnten. Also bleiben, resignieren und erdulden? Geht doch auch nicht. Also Hilfe suchen und sich selbst helfen! Und sich vor allem wehren!

    Sie fragen: Inwieweit besteht eine Zusammenarbeit unserer Verwaltung mit dem Flughafen?
    Die gibt es bestimmt. Auch Herr Stefke hätte bspw. den Platz für die Gemeinde in den drei Arbeitskreisen des kommunalen Airport-Dialogforums einnehmen müssen. Auch er hätte irgendwie eine Art des Umgangs mit Flughafenchef Rainer Schwarz finden müssen, weil es immer einen Problemklärungsbedarf gab, gibt und geben wird. Die Frage, die sich stellt: Geschieht das aus der puren unvermeidbaren Notwendigkeit heraus oder mit ganz großer Flughafenaffinität? Ich glaube, keinen einzigen Bürgermeister der Schutzgemeinschaft freut es, dass er sich mit so einem Moloch wie diesem Flughafen auseinandersetzen muss, am wenigsten den von Blankenfelde-Mahlow, egal, wer das gerade ist und wie er heißt. Sich diesen machtvoll-arroganten Flughafen-Technokraten gegenüberstellen zu müssen, ist für alle von Ahlgrimm (Großbeeren) über Speer (Eichwalde) bis Mücke (Schulzendorf) sowie den neuen Stadtrat Hölmer vom Bezirksamt Treptow-Köpenick ein großes Stück Arbeitsleid. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie die allermeisten anderen Tätigkeiten lieber machen.

    Zum einen ist es derzeit noch so, dass Waldblick relativ wenig von den Flugzeugen abbekommen wird. Aber das wird sich innerhalb weniger Jahre verändern. Sie werden dem Lärmauf Dauer nicht entkommen können. Weiterhin kann es niemanden freuen, mich ganz bestimmt eingeschlossen, wenn immer mehr Menschen verlärmt werden. Aber man kann es auch nicht dabei belassen, dass eine bstimmte Gruppe in der Gemeinde der vollen Dröhnung ohne Lärmpausen und stark erhöhten Gesundheitsrisiken ausgesetzt wird. Das muss einem auch zu denken geben. Und da muss Abhilfe her!

    Und ob ich die verstehen kann, die sich von den falschen Isolinien in den Karten betrogen fühlen? Ja, das kann ich gut. Ich habe sogar damals in unserer BI dafür geworben, die E-Petition zu unterzeichen, damit irgendwann einmal Planfeststellung und Routen-Festlegung nicht mehr entkoppelt wird.

    Aber wann hat diesen Lügen und Betrügen eigentlich eingesetzt? Schon ganz früh mit den Grundstückspekulationen. Seit dieser Zeit erzeugt eine Lüge zwei neue und die wiederum dann vier Gaunerstücke, bestehend aus einer weiteren Steigerungsform von Lug und Betrug. Das derzeit Schäbigste sind dann meiner Meinung nach die Tricksereien beim Schallschutz.

    Aber die Politiker tragen nicht die Folgen davon, sondern wir Menschen, die wir niemanden belogen und betrogen haben. Und nur weil wir unter den so genannten alten Flugrouten es wussten, das der Flughafen kommt, heißt das doch nicht, dass wir mit Lärm weit jenseits aller Grenzwerte belastet werden dürfen. Ist denn ein angekündigtes Verbrechen nicht auch ein Verbrechen? Sind Schläge in Form von schwerer Körperverletzung nur deshalb plötzlich legal, weil sie Jahre vorher bereits bekanntgegeben waren? Tuen die nicht genau so weh, wie wenn jemand ohne Ankündigung verprügelt wird?

    Der Flughafen ist ein Unrecht an uns allen in der Region. Aber es nur verurteilen hilft den stark Belasteten ja auch nicht. Noch nicht einmal das gemeinsame Weg-Kämpfen des Flughafen hilft, sondern nur das Mittragen einer Teil-Last des Fluglärms.

    Ich war am heutigen Abend bei der 725-Jahr Feier von Mahlow. Bewegende Reden, eine wunderbare Bilder-Präsentation von unserem schönen Mahlow. Da war noch nicht einmal in Bildern dargestellt, dass da noch ein andersartig schönes Blankenfelde dranhängt und ein nicht weniger lebenswertes Dahlewitz. Neben mir saßen junge Frauen. Ich frage, wo sie denn engagiert seien. Sie waren in einer Sportgruppe aktiv. „Und Sie?“ „Die Fluglärm-Bürgerinitiative!“ Und sie sagten: „Ja, das ist ja so wichtig. Bei all den schönen Bildern dachte ich doch dauernd: Wie lange ist das noch so bei uns in Mahlow? Ob es so bleiben kann?“

    Und das macht mich so unendlich traurig. Jahrelanger Bürger-Fleiß hat die Gemeinde voran gebracht. Es ist auch so viel an guter Infrstruktur für diesen Ort entstanden, weil auch die kommunalpolitisch Engagierten alle miteinander die Weichen richtig gestellt haben hin zu einer Vorzeige-Gemeinde in Brandenburg. Und all das wird uns wahrscheinlich demnächst zunichte gemacht werden. Als Demo über den Ku`damm ganz bestimmt und auch die ein oder andere Inhouse-Demo sucht noch Teilnehmer!

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