Lärmschutz gegen Fluglärm muss nachhaltig und zukunftsfähig sein!

26. Februar 2012
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Der Verband Berlin-Brandenburgische Wohnungsunternehmen e.V (VBB) hat am 21.02.2012 die nachstehende Pressemeldung veröffentlicht. Spektakulär dürften in diesem Zusammenhang zwei Punkte sein: Es ist eine Vorentscheidung gefallen für moderne  Lüfter mit Wärmerückgewinnungsgeräten.  Ausgangspunkt für diese wichtige Zwischenergebnis von überregionaler Bedeutung , ist ein kleines, regionales Wohnungsunternehmen – und zwar die WOBAB unserer der Gemeinde. Lesen Sie dazu hier bitte die VBB-Pressemeldung:  

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Ausriss aus der BERLINER ZEITUNG vom 17. Februar 2012

Der Ausschuss für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landtages Brandenburg hat sich am 16. Februar 2012 auch mit den Schallschutzmaßnahmen der Flughafengesellschaft beschäftigt, die Wohnungsunternehmen von der Flughafengesellschaft angeboten wurden. Es wurde beschlossen, bei Betroffenen in den Lärmschutzzonen moderne Lüfter mit Wärmerückgewinnung einzubauen. Diese Initiative wurde maßgeblich von der WOBAB Blankenfelde, einem Mitgliedsunternehmen des BBU, unterstützt.

Zur Begründung dieses Beschlusses und weiterer von der Wohnungswirtschaft geforderten Lärmschutzmaßnahmen haben die „BBU-Nachrichten“ ein Gespräch mit den Technikexperten des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. Dipl.-Phys. Ingrid Vogler und Dipl.-Ing., Architekt Siegfried Rehberg geführt. Sie beurteilen die bisher von der Flughafengesellschaft angebotenen Maßnahmen: „Die „Simpellüfter“ sind nicht nur billig, sondern auch nicht nachhaltig und insbesondere im Sinne des Klimaschutzes völlig unzweckmäßig!“.

Der Ausschuss für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landtages Brandenburg hat sich am 16. Februar 2012 auch mit den Schallschutzmaßnahmen der Flughafengesellschaft beschäftigt, die Wohnungsunternehmen angeboten worden sind.

Hierzu hat der BBU ein Gespräch mit den Technikexperten des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. Dipl.-Phys. Ingrid Vogler und Dipl.-Ing., Architekt Siegfried Rehberg geführt:

Welche Lärmschutzmaßnahmen bietet die die Flughafengesellschaft (FBS) an und wie sind diese zu bewerten?

Die FBS bietet Lärmschutz durch Einbau von Schalldämmfenstern und von raumweisen Schalldämmlüftern, je nach Schutzziel (Tagschutz oder Nachtschutz) in den Aufenthaltsräumen oder in den Schlafzimmern und Kinderzimmern an. Diese Maßnahmen müssen aus wohnungswirtschaftlicher Sicht als völlig unzureichend eingeschätzt werden. Eine Aufteilung in Schlaf- und Aufenthaltsräume wird wohnungswirtschaftlichen Erfordernissen an Nutzungsneutralität bei der Vermietung nicht gerecht – Mieter haben prinzipiell das Recht, sich ihren Schlafraum aus den vorhandenen Räumen selbst zu wählen. Deshalb müssen alle Schlaf- und Aufenthaltsräume (auch Wohnküchen) Lärmschutzmaßnahmen erhalten können.

Darüber entspricht der Einbau von Einzelschalldämmlüftern nicht nur nicht den Erfordernissen an Klimaschutz und Energieeffizienz, sie verschlechtern auch die Wohnbehaglichkeit erheblich. In der wohnungswirtschaftlichen Praxis ist ihr Einsatz nicht zumutbar.

Warum sind Einzelschalldämmlüfter nicht zumutbar?

Einzelschalldämmlüfter sind reine Zuluftgeräte – ein Ventilator transportiert die kalte Außenluft schallgedämmt und via Filter in den Innenraum. Sie sind keine energieeffiziente Lösung, da keine Wärmerückgewinnung (= Stand der Technik) erfolgt. Fachleute schätzen die Energieeinsparungsmöglichkeiten bei Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung und Bedarfsführung auf ca. 20 %.

Da die Wohnungstüren und die Fenster heutzutage nahezu luftdicht sind, wird durch die Zuluft auch ein Überdruck in den Wohnungen erzeugt, der zwar gesundheitlich unbedenklich ist, aber die Funktion des Gerätes in Frage stellt – ab 4 Pa Überdruck schalten Einzelschalldämmlüfter gewöhnlich ab.

Die Wohnbehaglichkeit wird gleich mehrfach reduziert: Das Zugluftrisiko ist erheblich, insbesondere in Aufenthaltsräumen durch Einblasen kalter Außenluft im Winter. Innerhalb der Wohnung entsteht raumübergreifende Schallübertragung durch Überströmluftdurchlässe (ÜLD`s). Der höhere Lärmschutz des Gebäudes führt dazu, dass Innengeräusche wesentlich stärker wahrgenommen werden, d. h., es wird in den Wohnungen lauter und die ÜLD`s verstärken die Innenlärmverteilung. Die hygienischen Behaglichkeit ist gefährdet, da verbrauchte und feuchte Luft nicht abgeleitet bzw. unkontrolliert dem Zufall überlassen wird; mögliche Folgen sind Bauwerksschäden.

Einzige vernünftige und zeitgemäße Lösung kann daher eine Zu-und Abluft mit Wärmerückgewinnung sein – raumweise in allen Aufenthalts- und Schlafräumen oder Wohnungsweise.

Welche Nebenarbeiten fallen zu den Lärmschutzmaßnahmen an und müssen daher übernommen werden?

Maßnahmen an bestehenden Gebäuden erfordern neben der eigentlichen Zielrichtung der Maßnahme immer auch unvermeidliche Nebenarbeiten. So fördert z.B. die KfW neben den Maßnahmen der Energieeinsparung auch alle damit in Verbindung stehenden notwendigen Maßnahmen. Förderfähig sind z.B. beim Einbau neuer Fenster neben dem eigentlichen Einbau auch:

  • der Ausbau und Entsorgung der alten Fenster,
  • Maßnahmen zur Wärmebrückenreduktion,
  • die Abdichtung der Fugen,
  • der Einbau neuer Fensterbänke ,
  • notwendige Putz- und Malerarbeiten im Fensterbereich (gegebenenfalls anteilig).

Und beim Einbau von Lüftungsanlagen neben dem eigentlichen Einbau der Anlage:

  • die Wand- und Durchbrucharbeiten,
  • der Einbau von Lüftungsdurchlässen,
  • Maßnahmen für Außenluft- und Fortluftelemente,
  • Elektroanschlüsse,
  • Verkleidungen,
  • notwendige Putz- und Malerarbeiten (gegebenenfalls anteilig),
  • ggf. bauliche Maßnahmen am Raum für Lüftungszentrale.

Alle diese Nebenarbeiten müssen auch im Falle von Lärmschutzmaßnahmen mit übernommen werden, weil sie ursächlich zur Maßnahme gehören.

Astrid Vogler

 

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4 Responses to Lärmschutz gegen Fluglärm muss nachhaltig und zukunftsfähig sein!

  1. Matthias Stefke
    27. Februar 2012 at 09:36

    Da kann man sich bei unserer Wohnungsbaugesellschaft und dessen Geschäftsführer nur bedanken.
    Von der WOBAB wurde das Thema sehr fachkundig aufgearbeitet und durch die Einrichtung einer Musterwohnung am Zossener Damm – auch für Mitglieder aus dem Landtag und der Landesregierung – eindrücklich veranschaulicht.

    Umso unverständlicher ist das umlaufende Gerücht, Bürgermeister Baier wolle den Vertrag von Gesschäftsführer Thomas Bachmann nicht verlängern.

    Nicht nur in diesem Fall hat er (Bachmann!) bisher excellente Arbeit geleistet und sollte nach meiner Auffassung auf jeden Fall bei der WOBAB gehalten werden.

    E r ist ein Pluspunkt für unsere Gemeinde!

  2. Michael Matzke
    27. Februar 2012 at 16:54

    Aber Matthias, für mich ist die Sache klar. Die Aktion, die Herr Bachmann angestoßen hat, kostet der FBS Millionen. Und das bei der prekären Finanzlage (wir erinnern uns an den Ausgabenstopp). Welche Rolle BM Baier dabei spielt, dazu kann sich dann jedermann selber ein Urteil erlauben. Aus meiner Sicht gehört Herr Bachmann für sein Engagement öffentlich gelobt.
    In diesem Zusammenhang weise ich noch auf die bereits eingebauten Lüftungsanlagen in den gemeindeeigenen Gebäuden (Schulen) hin. Ist bei diesen bereits installierten und auch vertraglich abgenommenen Anlagen womöglich auf Kosten der Gemeinde Blankenfelde eine Nachrüstung vorzunehmen? Ist dort, weil auch die Fenster in erheblichem Umfang ausgetauscht wurden, bereits gegen die Energiesparverordnung verstoßen worden? Wenn das so ist, gibt es dazu Verantwortliche, die ja die Verträge mit der FBS abgeschlossen haben und sicher fachkundig genug waren und das eigentlich hätten erkennen müssen. Zumindest Herrn Bachmann als GF der gemeindeeigenen WOBAB hat das erkannt und entsprechend gehandelt. Hätte dies nicht grundsätzlich schon vor Jahren vom Amt mit Blick auf den eigenen Gebäudebestand initiiert werden müssen? Warum wurde das unterlassen?
    Viele offene Fragen die sich mir da stellen und nach einer Klärung rufen.

    • Thomas Breidbach
      28. Februar 2012 at 16:39

      Sehr geehrter Herr Matzke,
      ihre Fragen bezüglich der gemeindeeigenen Gebäuden sind mehr als berechtigt. Kommen Sie doch bitte in die nächste Gemeindevertretersitzung und stelle Sie diese Fragen direkt an den Bürgermeister. Es gibt in jeder Sitzung einen Tagesordnungspunkt „Anfragen der Bürger“, genau da wären Sie hervorragend aufgehoben!

  3. Mark Brandenburg
    29. Februar 2012 at 22:01

    Ich habe Herrn Bachmann bei einer Sitzung des Flughafenausschusses in der Musterwohnung der WOBAB ebenfalls als kompetenten Ansprechpartner erlebt. Sein Engagement und die kritische Begleitung der Schallschutzmassnahmen nuetzen nicht nur der WOBAB sondern allen Bürgern. Wie weit könnten wir schon sein, wenn Verwaltung und die Mehrheit in der Gemeindevertretung mit gleichen Einsatz bei der Sache waeren. Aber wenn ein Bürgermeister schon öffentlich verkündet, man müsse sich mit dem Flughafen abfinden, dann sollte auch klar sein, dass dieser Bürgermeister auch die notwendige Auseinadersetzung mit dem Flughafen meidet.

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