Elende Einstimmigkeit

6. März 2012
Von
Wo geht’s denn hier Richtung DDR? Mal in der MAZ blättern! Jüngst stimmten eine Redakteurin sowie eine CDU-Gängerin und Gemeindevertreterin aus Blankenfelde-Mahlow ein Hohelied auf die hundertprozentigen Abstimmungsergebnisse der verpönten, verblichenen DDR an. Vom „selbstgerechten Abstimmungsverhalten“ ist zu lesen, weil Abgeordnete nicht parteiverpflichteter Wählergruppen, selbstverständlich und souverän, vier für das Schiedsamt vorgeschlagene Personen nicht einstimmig bestätigten.
Der Nationalen Front der DDR nachweinend, schreibt die CDU-Gängerin: „Traditionell werden Personen, die Ehrenämter in unserer Gemeinde, für die Gemeinde und die Menschen in unserer Gemeinde, bekleiden, respektvoll, einstimmig, ohne Enthaltung und Gegenstimme benannt.“ (Über merkwürdige Anstandsregeln – im Wochenspiegel vom 07.03.2012) Das ist weder originell, gescheit, schon gar nicht im Sinne der Demokratie. Das Artikulierte ist pure Parteiprosa. Die deklarierte, diktierte Einheitswahl, unabhängig vom Anlaß, hat nichts mit „Anstand und Würde“ zu tun, von der die CDU-Verfasserin redet. Selbstverständlich selbstgerecht. Kein Schimmer der Ahnungslosen, dass jede Ehrung der Ehrenamtlichen zuerst eine Sache der Ehrlichkeit ist. Insbesondere gegenüber denen, die sich für das achtungsgebietende Schiedsamt bewerben. Schlechte Schiedsleute wären die, die nichts mit gegensätzlichen Haltungen anzufangen wissen. Wozu ist das Schiedsamt da? Zuerst, um sich mit dem Gegensätzlichen im Gesellschaftlichen herumzuschlagen. Und, um zu schlichten. Fern jeder Doktrin. Wissend auch, dass von 32 stimmberechtigten Abgeordneten keine gleichmacherische Einstimmigkeit zu erwarten ist. Zum Glück für die Gewählten. Zum Glück für die Gesellschaft. Ist das kein Fortschritt, wenn keiner im Gleichschritt marschiert und automatisch den Arm hebt? Sollen wir wieder die DDR machen?
Bernd Heimberger
Print Friendly, PDF & Email

Artikel zum Thema

Tags: ,

2 Responses to Elende Einstimmigkeit

  1. Matthias Stefke
    6. März 2012 at 11:08

    Im Übrigen:
    Auch im Falle von Enthaltungen gilt ein Beschluss als einstimmig gefasst!

  2. Hannelore Pappschik
    7. März 2012 at 19:23

    Ist es eine Schande, nicht einstimmung gewählt zu werden? Ist es nicht, im Gegenteil! Sieht es doch so nicht nach abgekatertem Spiel aus. Ich glaube fast, da ist Sabine Plettner mehr enttäuscht als die Gewählten oder Nicht-Gewählten. Nach Ihrer Meinung hat das etwas mit „Anstand und Würde“ zu tun. Finde ich in diesem Zusammenhang für weit hergeholt um nicht zu sagen, albern. Wieso haben die Schiedsleute dadurch einen schlechten Start? Verstehe ich absolut nicht! Gut aber zu lesen, dass Sabine Plettner die Arbeit der Ehrenamtlichen sehr hoch einschätzt. So soll es auch sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.