Im Namen von Willy Brandt ?

4. April 2012
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Glosse

 

v.l.n.r.: • Dr. Wolfram Hoppenstedt, Geschäftsführer der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung • Prof. Dr. Rainer Schwarz, Sprecher der Geschäftsführung Flughafen Berlin Brandenburg GmbH • Klaus Wowereit, Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH und Regierender Bürgermeister von Berlin • Matthias Platzeck, Ministerpräsident des Landes Brandenburg / Foto: FBB-Pressestelle, 30. März 2012

Grüß Gott, Willy!

Nun wird Willy Brandt ausgeschlachtet. Nach allen Regeln der kostspieligen Werbestrategie. Koste, was es wolle. Es darf was kosten. Man gönnt sich ja sonst nichts! (Nun denken Sie bitte nicht an sowas Simples und Persönliches wie Schallschutz!). Feiern ist angesagt. Gibts da noch was zu mäkeln?

Die Schönefeld-Strategen sind doch so was von zurückhaltend. Sie rufen Willy Brandt nicht als Erfinder des Flugwesens aus. Sie küren ihn nicht mal zum Erfinder und Erbauer des Flughafens Schönefeld. Sie brauchen den Brandt nur als Grüßaugust des auf Weltniveau getrimmten Berliner Airports. Er, Brandt, muß nur sein Gesicht hinhalten. Schon sieht die Welt, was die Welt sehen soll: Brandts Bekenntnis zum BER. Da darf er auch den Namenspatron machen. Ungefragt! Ist anders nicht mehr zu arrangieren, weil der Namenspatron dem Himmel schon näher ist als die irdischen Himmelsstürmer.

Was den Bayern ihr Franz-Josef Strauß ist, ist den Berlinern ihr Willy Brandt. Der hats auf Erden immerhin zum Friedensnobelpreis gebracht. Was ein Friedensnobelpreis und ein Flughafen gemeinsam haben? Muß nicht gesagt und erklärt werden. Muß nicht! Friedensnobelpreis macht sich immer gut. Mit unverhohlener Schadenfreude ist zu denken: 1:0 für Berlin! Kommt auch nicht so oft vor. Ist dem Weltniveau schon verdammt nah. Und, das ist doch gewollt. Wenn man liest, was sich die Flughafenbetreiber von den Werbern in ihre Reklame-Flug-Schriften schreiben ließen. Alle wollen, sollen auf „Willy Brandt“ fliegen.

Alles zum Abheben bereit? Immer bereit! Alles landet auf Willy! Noch irgendwas unklar? Alles klar! Grüß Gott, derweil, Willy!

Bernd Heimberger

Ergänzende Fakten von der Redaktion:

► In Sachen Schallschutz sind Ingenieurbüros im Auftrag der Flughafengesellschaft offenbar als Nepper, Schlepper, Bauernfänger im Berliner Umland unterwegs. Ein sogenannter Ombudsmann soll "unabhängig" beraten. Informationen zur den gesetzlichen Grundlagen von dessen Tätigkeit? Unbekannt. Die Höher der Entschädigungsleistung hängt ausschließlich vom Verhandlungsgeschick des "Kummerkastenmannes" oder der Lärm-Betroffenen selbst ab. Rechtssicherheit für die Bürger? Fehlanzeige! Im Namen von Willy Brandt?

► Es wird immer offenkundiger, dass etliche Dienstleistungsfirmen – von der Gastronomie bis zu den Gepäckschleppern –  den Umzug nach Schönefeld nutzen, um bei der Gelegenheit kräftig die Löhne zu drücken. Es werden neue Verträge mit gravierend schlechteren Bedingungen gemacht. Gezahlt wird, wenn überhaupt nach dem niedrigeren Osttarif. Im Namen von Willy Brandt?

► Begrüßt wird die Welt auf einem Airport, der eine "Gewahrsamseinrichtung", sprich "Knast" für die Asylbewerber gleich mitgebaut hat .  "Rechtsstaatlich akzeptable Verfahren wird es dort nich geben. Das ist zwar erlaubt nach dem skandalösen deutschen Asylrecht, aber es ist nicht geboten: Andere Flughäfen kommen ohne Knäste aus. Ohne Asyl hätte Willy Brandt die Verfolgung durch die Nazis wohl nicht überlebt" (BZ v. 31.03./01.04.2012)   

 

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