Günter der Große

11. April 2012
Von

Vergeltung ist in der Welt, nicht Vergebung. Vergesslichkeit ist in der Welt, nicht Verlässlichkeit. Günter Grass ist ein Verlässlicher. Er ist ein Mann mit Meinung, die seine Meinung ist.  Eine Gegenmeinung.  Mit der zu sein heißt, ein schweres Sein zu haben.

Der eigentliche Skandal um das israel-kritische Gedicht von Günter Grass liegt nach Ansicht des östereichischen Schriftstellers Robert Menasse darin, dass fünfzehn deutsche Zeitungen und fünfundzwanzig Blätter der Weltpresse diesen Text des Literaturnobelpreis-trägers publiziert haben und ihn "sofort mit aufgeregten Kommentaren umranken". Im Grunde, sagt Menasse, produziert die Medienindustrie selbst den Skandal, den sie dann berichtet, kommentiert und diskutiert.

Das Schwersein verlangt, konsequent zu sein. Günter Grass ist ein Konsequenter,
der die Inkonsequenz als Konsequenz verabscheut. Das unterscheidet ihn von
den meisten Menschen. Mit dieser Haltung kann sich ein Mensch bei den Men-
schen ein Denkmal setzen. Hat Günter Grass nicht nötig. Der hat sich längst ein Denkmal gesetzt. Nicht erst,seit er den Nobelpries eingeheimst hat. Er muß sich
kein Denkmal setzen, wie es dieser Tage tönte.

Als Alles 1989/90 in die deutsche Einheit strebte, stellte sich Grass in dem Strom
und wollte nicht vereinigt werden. Der Schriftsteller sprach von einem „Schnäpp-
chen namens DDR“.

Das war ein Denk-Mal. Wie ihm das vergessen? Die Welt ist, wie sie ist, nachtra-
gend. Bis zum letzten Atemzug. Dann können die Kritiker mit der Meinung auftrum-
pfen, dass Günter Grass ein Großer war. Ein Mann mit Meinung. Auch!

Bernd Heimberger

 

 

Print Friendly, PDF & Email

Tags: ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.