Lug- und Trughafen: Eröffnung verschoben

8. Mai 2012
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In einer Presseerklärung vom 08.05.2012 stellt der BVBB fest, dass seine bisherigen Warnungen zur Vakanz des Zeitpunktes der Inbetriebnahme des Flughafens Berlin Brandenburg nicht unberechtigt waren – und dass Flughafenchef Rainer Schwarz einmal mehr frühere Aussagen des BVBB zur Leistungsfähigkeit des bestehenden Flughafensystems bestätigt hat.
Während die Flughafengesellschaft in den vergangenen Wochen nicht müde wurde, bereits Engpässe am neuen Flughafen durch temporäre Bauten zu „beseitigen“, sollen die ab 3. Juni 2012 „geplanten Verkehrszunahmen“ – so Schwarz – ohne Probleme im bestehenden Flughafensystem abgefertigt werden können!

Wofür dann aber der neue Flughafen?  Rainer Schwarz begründet dies damit, dass die neuen Flüge in den „Tälern“ von Tegel geplant seien. Bei der kurzen Distanz zwischen Tegel und Schönefeld können die „Täler“ in Tegel aber nicht zu „Bergen“ in Schönefeld werden! Auch hier der Flughafenchef einmal mehr die bisherigen Aussagen des BVBB zur Flexibilität des bestehenden Flughafensystems und zur Anpassungsfähigkeit der Flugzeugumlaufplanung.

Die Lügen der Luftverkehrswirtschaft zu diesen Themen bei den Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht werden nun offensichtlich. Da wurde die Umlaufplanung noch als höchst komplex und nicht beliebig veränderbar bezeichnet. Dies führte im Ergebnis dazu, dass ab dem 3. Juni 2012 Nachtflüge bis 24 Uhr und ab 5.30 Uhr am neuen Flughafen zulässig sein sollten. Nun müssen die in Tegel verbleibenden Fluggesellschaften im Sommerflugplan – also in der Hochsaison –  mit den schärferen Restriktionen des Flughafens Tegel zurechtkommen. Dazu gab es keine Ausführungen des Flughafenchefs.

Der BVBB stellt fest, damit wird ein weiteres Mal belegt wird, dass Flugverbote in der Zeit von 23 bis 6 Uhr unproblematisch durchsetzbar wären, noch besser aber ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr! Flughafen und Politik sind aufgerufen die Verzögerung zu nutzen, im Interesse der Flughafennachbarn, ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr zu verfügen.

Aufschlussreich aber ist, dass sich die beiden Regierungschefs angeblich um die Sicherheit der Fluggäste sorgen, die Gesundheitsfragen der Flughafennachbarn aber unerwähnt bleiben. Dass 90 %  der Anwohner zum Zeitpunkt des geplanten Eröffnungstermins ohne Schallschutz gewesen wären, ließ sie kalt.

Der Flughafen sollte sich die Zeit gönnen, den planungsrechtlich versprochenen passiven Lärmschutz umzusetzen. Besser aber noch, auch aktive Lärmschutzmaßnahmen zu entwickeln.
Interessant waren die unpräzisen Auslassungen des Flughafenchefs, zu möglichen Schadensersatzleistungen an die Fluggesellschaften und die Ausführungen des Regierenden Bürgermeisters, dass man erhebliche Finanzmittel aufgewendet habe, um die termingerechte Einweihung des Flughafens sicherzustellen. Dazu meint der BVBB, dass es dem Flughafen und der Politik besser angestanden hätte, wenn sie diese Millionen für Entschädigungen, aktiven und passiven Schallschutz aufgewendet hätten!
Schlussendlich bleibt der BVBB bei seiner bisherigen Position! Der Standort Schönefeld ist als Flughafenstandort ungeeignet. Das vom BVBB entwickelte und öffentlich vorgestellte Nutzungskonzept eines „Zentralflughafens“ bietet für die Region und für den Flughafen große Entwicklungspotenziale.
Entwicklungspotenziale, die am Standort Schönefeld weder vorhanden sind, noch künftig entwickelt werden können.

Der BVBB empfiehlt den Verantwortlichen, nicht erneut potemkinsche Dörfer aufzubauen. Vordringlich sollte die Beseitigung der erkannten negativen Auswirkungen des Flughafens beseitigt und ein Flugroutenkonzept entwickelt werden welches mit den Wohn- und Erholungsbedürfnisse der Region in Übereinstimmung gebracht werden kann.

Vorsorglich fordert der BVBB die Verantwortlichen auf, für den neuen Flughafen eine Kapazitätsbegrenzung auf maximal 250.000 jährliche Flugbewegungen festzusetzen, eine Pistennutzung zu entwickeln, die Lärmpausen ermöglicht. Weiterhin muss vor einem weiteren Wachstum am Standort sichergestellt werden, dass das Lärmschutzkonzept auf das Verkehrsaufkommen des Jahres 2025 und nicht 2015 ausgerichtet wird.

Der BVBB schließt im Übrigen nicht aus, dass die Gründe der Verschiebung des Eröffnungstermins wegen unzureichenden Brandschutzes nur vorgeschoben sind, die eigentlichen Probleme aber in den Unsicherheiten und Risiken der anstehenden juristischen Auseinandersetzungen um Rechtmäßigkeit der Planfeststellung bzw. der Betriebsgenehmigung bestehen.

Unabhängig davon könnte der nun eingetretene Imageschaden für Berlin und Brandenburg nicht größer sein. Kosten in mindestens 6-stelliger Größenordnung für Medienkampagnen, geplanter Eröffnungsparty und die Umzugsvorbereitungen sowie mögliche Schadenersatzansprüche der Pächter aus dem Non-Aviation-Bereich, vor allem aber der Fluggesellschaften werden auf die staatliche  Flughafengesellschaft und damit den Steuerzahler zukommen.

Die Parlamentarier des Berliner Abgeordnetenhauses und des Landtages Brandenburg müssen sich für die Hintergründe und Verantwortlichkeiten in Regierung, Verwaltung und der staatseigenen Flughafengesellschaft interessieren: Hierfür sollte unverzüglich ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt werden.

Wowereit und Platzeck stehen nun entweder als Belogene oder Lügner dar. Entweder sind sie ihren Aufgaben als FBB-Aufsichtsrat nicht gewachsen und haben versagt oder sie haben im vollen Bewusstsein mit Vorsatz seit Wochen die Öffentlichkeit und Parlamente belogen.In beiden Fällen gibt es nur eine Konsequenz:  Wowereit und Platzeck müssen sofort zurücktreten! 

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5 Responses to Lug- und Trughafen: Eröffnung verschoben

  1. Pollter Udo
    9. Mai 2012 at 05:10

    Nun ist die Katze aus dem Sack gelassen worden, die Posse um den Flughafen BER stinkt zum Himmel ! Ein Schelm der dabei böses denkt. Vor 4 Wochen kam die Meldung " FEHLPLANUNG " bei der Kapazität und jetzt soll der Brandschutz verantwortlich sein, zum lachen. Wie lange wollen Wowereit und Platzek die Bevölkerung noch verarschen? Jeder der schon mal ein Haus gebaut hat, weiß wie wichtig der Brandschutz für die Baugenehmigung ist und welche Auflagen dies mit sich zieht. Wer hat jetzt hier geschlafen? Oder ist es alles nur vergeschoben, um das Planungsverfahren für eine Erweiterung voran zutreiben? Sieht ja danach aus. Man sollte Wowereit und Platzek anzeigen, wegen Vorteilsnahme im Amt und persönlicher Bereicherung!!!!!! Wie kann es sein, das amtierende Politiker im Vorstand von solchen Firmen sitzen? Nach dem Motto, ich mach Politik die mir meinen Vorstandsposten langfristig sichert. Sowas gibt es nur in Deutschland.

  2. Dietmar Astfalk
    9. Mai 2012 at 06:20

    Der alte Spruch gilt noch immer: "Wer glaubt, dass ein Bauleiter einen Bau leitet oder ein Aufsichtsratsvorsitzender die Aufsicht hat, der glaubt auch , dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet." Bei diesem Projekt wurde von Anfang an gelogen und getrickst was das Zeug hält. Warum sollte es in der Schlussphase anders sein?. Die doofen Bürger machen das alles mit und haben sich gefälligst zu freuen, was ihnen da für ein toller Flughafen vor die Tür gesetzt wird. Wenn der erstmal in Betrieb ist wird alles ganz schnell in Vergessenheit geraten. Und der Flughafenchef wird weiter seine 350 000 € Gehalt kassieren. Der kann ja schließlich nicht dafür, wenn die bösen Unternehmen ihn nicht rechtzeitig informiert haben. Ist mir übel. 

  3. Fam. Wegner Mahlow
    9. Mai 2012 at 15:17

    Das ist die Machart von diesen BER-Clowns. Man sollte diesen Fluchhafen BER nicht Willy-Brandt, sondern Baron Münchhausen nennen…. denn es sind leider auch genau die gleichen Gauner, die den Anwohnern Schallschutz versprechen und ihn nicht einhalten. Denn der ist erst zu 5 Prozent fertig.

    Fam. Wegner, Mahlow.

  4. Matthias Stefke
    23. Mai 2012 at 09:27

     
    Der Regierende Bürgermeister und Vorsitzende des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft, Klaus Wowereit sagte anlässlich der
    Taufe eines Lufthansa-Airbus A380 auf den Namen "Berlin" am 22.5.2012 das er die Verschiebung der Eröffnung des BER auch als Chance sehe
     

    „Denn dadurch wird am Flughafen bei seiner tatsächlichen Eröffnung mehr fertig gestellt sein als es im Juni der Fall gewesen wäre.“
     
    Noch Fragen?

     

  5. Hannelore Pappschik
    23. Mai 2012 at 11:15

    Nein, keine Fragen, dazu fehlt mir – und nicht nur mir – jedes Verständnis. Die Schönrederei, um was man sich nun noch alles kümmern kann, schreit zum Himmel. Wer so eine Verantwortung übernimmt, sich dann hinstellt und diese dann den Anderen aufbürgt, hat auf solche Posten nichts, aber rein gar nichts zu suchen. Zum Feiern, zum Präsentieren, dafür sind die Herren Wowereit und Platzeck geeignet. Ansonsten kaum noch zu ertragen.

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