“Ihr Völker der Welt schaut auf diese Stadt”

11. Mai 2012
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Nach der Verschiebung der Eröffnung für den Hauptstadtflughafen kommt es für Brandenburg, dem "Land der gescheiterten Großprojekte", nun knüppeldick. Noch ist nicht einmal der Niedergang der Solarbranche verkraftet, schon droht einem weiteren Großprojekt das Ungemach. Zu verdanken ist das allein einem Ministerpräsidenten, der das Regieren eingestellt zu haben scheint. Denn die Flughafenpolitik wird schon lange nicht mehr in Brandenburg, sondern in Berlin gemacht. So war es, als Wowereit keine Flugrouten über Berlin forderte, so war es auch, als er den Bau einer dritten Startbahn in den Berliner Koalitionsvertrag aufnahm und so ist es, als er kürzlich die Absenkung des Schallschutzniveaus zu Lasten der Brandenburger beantragen liess. Zu allem schwieg Platzeck (SPD) und degradierte Brandenburg damit zum bloßen Erfüllungsgehilfen der Berliner Politik.

Aber auch eine Lehre hält die Verschiebung für die Politik bereit. Wenn schon eine nichtfunktionierende Rauchgasanlage das "größte Infrastrukturprojekt Europas" zum Stillstand bringt, dann sollte das auch für den nur in Bruchstücken vorhandenen Schallschutz möglich sein. Die Forderung des Tages lautet deshalb, die  Eröffnung auf einen Zeitpunkt zu verlegen, an dem der Schallschutz zur Gänze errichtet ist.

Den Regierungschefs von Berlin und Brandenburg wird nun die "Ehre" zu teil, nach Jahrzehnten die Vision von Ernst Reuter in die Tat umgesetzt zu haben: "Ihr Völker der Welt schaut auf diese Stadt".

Gerrit Schrader

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One Response to “Ihr Völker der Welt schaut auf diese Stadt”

  1. Prof. Dr.-Ing. Erhard Augustin
    13. Mai 2012 at 09:51

    Was ist das für ein "Aufsichtsrat", der seine "Aufsicht" vernachlässigt und deshalb auch keinen "Rat" weiß, der ihm jetzt aus der "Patsche" hilft. Das sind absolute Versager, ohne Führungsstil für ein solches Großprojekt, denn wie sonst will man sich erklären, dass man von derart gravierenden Ereignissen und Mängeln entweder nichts gemerkt hat bzw. seine hochdotierten "Manager" nicht täglich zum Raport zitiert hat und sich ständig über alle wichtigen Schritte der Realisierung und dabei auftretende Störungen informieren lässt und sofort reagiert. Da stellt sich jetzt Herr Wowereit hin und entschuldigt sich für das Desaster, gibt aber gleichzeitig zu, dass er schon seit dem Jahresende 2011 gewusst habe, dass es schwierige Probleme bezüglich der Sicherung des Endtermins gibt. Was ist das für ein Führungsstil, wenn dann nicht alle Alarmglocken schrillen und nicht sofort Maßnahmen – welcher Art auch immer, auch wenn sie im Einzelnen unpopulär sind  – eingeleitet werden,  mit klaren Verantwortlichkeiten und täglichen Berichten über eingeleitete Schritte und deren Ergebnisse. Offenbar hat man sich aber das "hohle Geschwätz" der Flughafenleitung kritiklos und gutgläubig angehört und als Aufsichtsrat nicht angemessen reagiert. Wenn man jetzt von persönlichen Konsequenzen redet, sollte man ganz oben anfangen und nicht, wie üblich in den mittleren und unteren Verantwortlichkeitsebenen die Schuldigen suchen und als "Bauernopfer" fallen lassen. "Auch beim Fisch stinkt zuerst der Kopf" -.eine altbekannte Fischerweisheit. Außerdem soll man jetzt nicht so tun, als wäre nur das mißglückte Brandschutzproblem schuld daran, dass die geplante Flugbetriebseröffnung auf dem neuen Flughafen nicht zum Termin "starten" kann - aber mit der Salamitaktik hat man ja schon beste Erfahrungen gesammelt – na dann "meine Herren Aufsichtsratsmitglieder – bereuen und weitermachen !"    

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