Über Aufsichtsräte und Zitronenfalter

17. Mai 2012
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"Der alte Spruch gilt noch immer: ´Wer glaubt, dass ein Bauleiter einen Bau leitet oder ein Aufsichtsratsvorsitzender die Aufsicht hat, der glaubt auch , dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet.´ Bei diesem Projekt wurde von Anfang an gelogen und getrickst was das Zeug hält. Warum sollte es in der Schlussphase anders sein? Die doofen Bürger machen das alles mit und haben sich gefälligst zu freuen, was ihnen da für ein toller Flughafen vor die Tür gesetzt wird. Wenn der erstmal in Betrieb ist wird alles ganz schnell in Vergessenheit geraten. Und der Flughafenchef wird weiter seine 350 000 € Gehalt kassieren. Der kann ja schließlich nicht dafür, wenn die bösen Unternehmen ihn nicht rechtzeitig informiert haben. Ist mir übel." – so unser Leser Dietmar Astfalk  am 9. Mai 2012  in einem Kommentar unter dem Beitrag "Lug- und Trughafen: Eröffnung verschoben"  


 

Inzwischen spricht der BVBB, anknüpfend an die gestrige Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft von einem " erschütternden Zeichen" im Hinblick auf die Zustände in Geschäftsführung und Aufsichtsrat der zu 100 % staatlichen GmbH.
Noch vor wenigen Wochen hätten der Sprecher der Geschäftsführung, Prof. Dr. Rainer Schwarz, wie auch der Vorsitzende des Aufsichtsrats, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, keinen Zweifel am Eröffnungstermin 3. Juni gelassen.

Am Dienstag, den 8. Mai, wurde jedoch die Notbremse gezogen, da angeblich die Brandschutzanlagen nicht termingerecht fertiggestellt werden konnten. Während Ministerpräsident Platzeck, ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrats, noch in der Pressekonferenz am gleichen Tag eine Eröffnung im August diesen Jahres einforderte, wird heute, nur eine Woche später, eine Inbetriebnahme am 17. März des kommenden Jahres angekündigt.  Die Mängel, die der Fertigstellung entgegenstanden, haben sich also innerhalb von 8 Tagen wie Karnickel vermehrt.

Dies offenbart nicht nur eine erschreckende Unkenntnis des Kontrollgremiums über den tatsächlichen Stand des Bauzeitenplans, sondern auch Erkenntnisse über den Umgang mit der Wahrheit durch die Geschäftsführung.
Da sollte sich die Steuerzahler schon besorgt fragen, welchen Überblick die Aufsichtsratsmitglieder eigentlich über die Höhe der bisher aufgelaufenen Kosten bzw. die noch benötigten finanziellen Mittel haben.
„Hier muss man die schlimmsten Befürchtungen haben, dass dem Management nicht nur die Zeit sondern womöglich auch die Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen sind“, so der amtierende BVBB-Vorsitzende Hans-Joachim Stefke.

Die  Mitteilung, dass der Technikvorstand Dr. Manfred Körtgen von seinen Aufgaben zu entbunden wird, ist für den BVBB nichts weiter als ein untauglichen Versuch, einen Verantwortlichen aus der zweiten Reihe  "Bauernopfer" zu präsentieren.
Damit soll lediglich von den eigentlich Verantwortlichkeiten und Versäumnissen der Spitze des Aufsichtsrats, in Person des Regierenden Bürgermeister Wowereit und des Brandenburger Ministerpräsidenten Platzeck, abgelenkt werden.

Woher der Verwaltungsjurist (Wowereit), der Ingenieur für biomedizinische Kybernetik (Platzeck), der Absolvent der SED-Parteihochschule (Christoffers) und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler (Henkel) die Kompetenz nehmen, einen Flughafenbau, der gern als das größte Infrastrukturprojekt Europas bezeichnet wird, quasi nebenberuflich als Aufsichtsrat zu kontrollieren, erschließt sich dem Steuerzahler und Zwangsfinanzier, dieses nunmehr mind. 3,5 Mrd. umfassenden Bauvorhabens, ohnehin nicht.
Es ist lange überfällig, dass unabhängige Wirtschafts-  und Bautechnische Prüfinstitute die tatsächliche Situation in Schönefeld analysieren  und Parlamente sowie Öffentlichkeit wahrheitsgemäß über Zustand und Konsequenzen dieses Bauvorhabens am ungeeigneten Standort informieren.

Der BVBB ist zudem der Auffassung, dass der ursprünglich geplante Eröffnungstermin von der Politik bestimmt wurde; das Scheitern daher vorhersehbar war. Offensichtlich dachte auch der ehemalige Technikvorstand Weyer so, als er die Berliner Flughäfen 2008 überraschend verließ. Diese Einschätzung wird durch neue Erkenntnisse gestützt, nach denen bereits 2007 klar zu sein schien, dass nach der Aufteilung von Bau und Planung des Terminals in 35 "kleinere Happen" der Zeitplan nicht mehr zu halten gewesen sein soll.

Der BVBB fordert daher von den für das Desaster  verantwortlichen Politikern persönliche  Konsequenzen.
Es kann nicht sein, dass Inkompetenz und Größenwahn par ordre de mufti weiterhin  Aufsicht und Kontrolle über das so genannte  bedeutendste Bauvorhaben der Region ausüben und der Steuerzahler unendlich für die wiederholten Bauchlandungen der Versager in Haftung genommen wird.

Der BVBB fordert die Verantwortlichen in Politik, Geschäftsführung und Kontrollgremien auf, bis spätestens 31. Mai 2012 belastbare Fakten in Bezug auf Mängel und Probleme, hinsichtlich Bauzeiten- und Baukostenplanung sowie der Mehrkosten für die verzögerte Eröffnung des BER auf den Tisch zu legen. Schließlich stellt Stefke weiter fest: „Alle Unzulänglichkeiten und Schwierigkeiten, die nach diesem Datum zu dem  Schwarzbau am verfassungswidrigen Standort bekannt werden, müssen als versuchte Täuschung der Öffentlichkeit gewertet und einer strafrechtlichen Prüfung unterzogen werden.“

 

Termin:  3.6. um 15.00 Uhr Großkundgebung vor den Roten Rathaus.

 

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2 Responses to Über Aufsichtsräte und Zitronenfalter

  1. Pollter Udo
    18. Mai 2012 at 11:39

    Wen wundert es , das die in Betrieb nahme des "SPOTTFLUGHAFENS" jetzt so lange verschoben wird. Die Baubehörde hat ja angekündigt , keine weiteren Bauanträge zugenehmigen, bis die jetzigen Missstände beseitigt sind.
    Folge die Flughafengesellschaft braucht jetzt Zeit um Ihre Erweiterung durchzubekommen.
    Vieleicht kann ja mal jemand Herrn Platzek die Landesverfassung Brandenburg vorlesen, speziell Artikel 88 http://www.bravors.brandenburg.de/sixcms/detail.php?gsid=land_bb_bravors_01.c.23338.de#88.
    Danke
    Wie schon in meinem letzen Kommentar gesagt ich Prüfe eine Anzeige gegen die Herren Wowereit und Platzek, wegen persönlicher Bereicherung, da diese beiden Herren Ihren Aufsichtsratposten bei der Flughafengesellschaft, auf Kosten der Steuerzahler absichern und ausbauen. 

  2. Bernd Heimberger
    19. Mai 2012 at 08:51

    Bemerkt
    Haben  Sie je etwas Empörendes oder Einprägsames vom stellvertretenden Bürgermeister, dem Bauamtsleiter Sonntag, zum Flughafen Schönefeld gehört? Weshalb auch? Er wohnt in Berlin-Reinickendorf. Noch nie hat er so getan, als wollte er nach Blankenfelde-Mahlow ziehen. Schließlich hat er im hohen Berliner Norden lange genug einiges ausgehalten. Fluglärm heißt, was Geist und Gemüt vernebelt. Über Reinickendorf soll es irgendwann ruhiger werden. Irgendwann! Da muß man doch verständnisvoll sein für das Schweigen des Mannes. Würde der den Mund aufmachen, müßte er davon reden, wovon er was weiß.

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