rbb und Fluglärmfetischisten

18. Mai 2012
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rbb und die Fluglärmfetischisten – eine makabre Manipulation der unbedarften Fernsehzuschauer

Da ist sich der an sich renommierte Fernsehsender rbb am 17. 5. 2012 nicht zu schade, eine „Hymne an den Fluglärm“ mit der Sendung „Tegel – Flugzeuge zum Anfassen“ zu senden, in der vonanwohner des Flughafens Tegel zum Ausdruck gebracht wird, wie schön und interessant es doch so ist, in unmittelbarer Nähe des Flughafens das geschäftige und technisch interessante Treiben der rollenden, startenden und landenden Flugzeuge bei Kaffee und Kuchen hautnah zu erleben und den dabei unvermeidlichen Lärm zu genießen. Man würde sich mit der Zeit an diesen Lärm gewöhnen, so dass er fast kaum noch als störend empfunden wird, wenn man nur genügend lange diese Lärmkulisse über sich ergehen lässt. Fiele sie aus, würde man sogar etwas Wesentliches im Leben vermissen.

Dabei kommt deutlich zum Ausdruck, dass man angesichts dieses interessanten Wohlbefindens all die Lärmgegner in dem dicht und häufig überflogenen Flughafenumfeld Lügen straft, wenn sie sich über ihre künftige Dauerverlärmung beklagen. Man unterstellt indirekt allen national und international renommierten Lärmmedizinern eine völlig unqualifizierte Panikmache, wenn sie von den auf Dauer extrem gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Lärms reden und schreiben und entsprechend hohe Anforderungen an den Lärmschutz stellen. Man stellt sich gleichermaßen auf den Standpunkt von Pkw- und Krad-Rowdys, die mit ihren manipulierten Auspuffanlagen oder auch vollausgesteuerten „subwoofern“ im Fahrzeug durch das Wohngebiet „brettern“ und den tollen „sound“ ihrer Fahrzeuge bzw. Audioanlagen genießen, sich daran berauschen. Diese Leute ahnen nicht, dass ihr Verhalten auf Dauer auch ihrem Gehör Schaden zufügt und bei den Anwohnern den Zorn aufkommen und den Blutdruck anstei-gen lässt. Sie negieren, dass dieses Verhalten im Straßenverkehr völlig unzulässig ist und gegen geltendes Recht in mehrfacher Hinsicht ver-stößt. Lärm macht krank – das ist heute eine eindeutig belegte wissenschaftliche Erkenntnis, die auch durch noch so interessante Balkonaussichten auf das Flughafengeschehen nicht zu widerlegen ist. Jeder Mensch, der sich diesem Lärm freiwillig aussetzt, kann das selbstver-ständlich tun, sollte aber nicht wider besseren Wissens so tun, als wäre das auf Dauer eine harmlose Angelegenheit, die eigentlich für jeden Flughafenanwohner, der ja auch gerne selbst einmal fliegen will, hinzunehmen ist. Wenn allerdings ein öffentlich rechtlicher Fernsehsender sich nahezu uneingeschränkt auf den gleichen abenteuerlichen Standpunkt stellt und ebenso dieses Lärmerleben praktisch unkommentiert verherrlicht, dann ist das sehr bedenklich, um nicht zu sagen: „unter der Gürtellinie“.

Prof. Dr. E. Augustin
 

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2 Responses to rbb und Fluglärmfetischisten

  1. Sigrid Zentgraf-Gerlach
    19. Mai 2012 at 12:06

    Insgesamt sind die Nachrichten-Magazine, Reportagen und Dokus des rbb unerträglich boulevardesk aufgemacht; besonders dann, wenn das Berliner Abendschau-Team dafür verantwortlich zeichnet. Man ist jederzeit bereit, über die Probleme gut gelaunt "hinwegzumoderieren" und allezeit dem Berliner Überwertigkeitskomplex neues Futtes zu geben. Und alles an Berlin ist ja prinzipiell gut, einmalig, unübertrefflich. Damit wird der Hauptstadt-Hype noch so richtig angeheizt. Be einmalig! Be Berlin! Sie sind die Größten und die Schönsten und die Unübertrefflichsten. Und selbst die größten innerstädtischen Probleme gehöre angeblich zu dieser prinzipiell liebenswerten Stadt mit dazu. Und was so ein echter Berliner ist, der erträgt sie lieber, als sie zu benennen und einer Lösung zuzuführen; sonst riskiert er, als Nestbeschmutzer gesehen zu werden. Wen in Berlin stört`s, dass die Brandenburger mitunter finden, dass ihnen die großstädtische Verdichtung nun ja gar nicht immer so gut bekommt, was sich in Oberflächlichkeit, stoischer Dickfälligkeit und der Unsensibilität eines im  Porzellanladen alles zertrampelnden Elefanten äußert. Sie sind uns und allen anderen großen Städten in Deutschland an Stückzahl überlegen, aber wissen sie, dass  Masse nicht gleichbedeutend ist mir Klasse? Warum sollte diese Mehrheit also etwas anderes anstreben, als auf der Oberfläche der Probleme herumzutümpeln? Und statt dass der rbb von den Größen des Geistes- und Kulturlebens der Hauptstadt berichtet, den Menschen die Wissenschaften und die Kultur nahebringt, die es ja da auch in großer Vielfalt gibt, wird per rbb dafür gesorgt, dass der gemeine Berliner bloß auch so bleibt. Eigentlich hat nach unserer Verfassung der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine ganz andere Funktion, aber einen anderen Berliner erzeugen durch einen besseren Rundfunk, der seinen Informations- und Bildungsauftrag erfüllt? Der rbb doch nicht. Ganz im Sinne der Rundfunkratsmehrheit, den politischen Parteien, erfüllt man deren Auftrag und erzeugt Untertanen.
     

  2. Arno Busch
    25. Mai 2012 at 12:36

    Liebe Frau Zentgraf-Gerlach,
    Ihr interessanter Beitrag verdient aus meiner Sicht eine kurze Replik.
    Zunächst möchte ich  bemerken, dass rbb heißt: Rundfunk Berlin-Brandenburg.
    Sie kritisieren das Abendschau-Team, um anschließend "den Berliner" und den rbb im allgemeinen ins Visier zu nehmen und vom "Brandenburger" negativ abzugrenzen.
    (Dass der RBB bei den ARD-Sendeanstalten keinen Spitzenplatz einnimmt, ist sattsam bekannt.)
    Der rbb ist kein Berliner Sender, sondern ein gemeinsames öffentliches Unternehmen der beiden Bundesländer Berin und Brandenburg, so wie auch der Flughafen Berlin-Brandenburg ein gemeinsames Unternehmen der beiden Länder (+ Bund) ist.
    Zur behaupteten Rundfunkratsmehrheit der politischen Parteien im rbb ist festzustellen: Von den 30 Mitgliedern werden 3 vom Brandenburger Landtag und 3 vom Berliner Abgeordnetenhaus entsendet.
    Was ist im übrigen daran schlecht, dass die Vertreter der politischen Parteien im rbb-Rundfunkrat beteiligt sind? Welches andere Modell würden Sie denn bevorzugen?
    Was wird damit bezweckt, einen Gegensatz zwischen Berlinern und Brandenburgern hochzustilisieren und die politischen Parteien insgesamt undifferenziert ins Abseits zu stellen?
     

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