Schicksalsstrudel

20. Juli 2012
Von

GLOSSE

 

Der Schützer sah schutzbedürftig aus. So wie er dastand. Klein, schmal, jungendhaft. Und auch still. Am Rande der laut redenden gestikulierenden Leute. Die sorgten sich sehr. Darum, was nun werden sollte in der Stasizentrale, aus der Stasizentrale. Damals Anno 1990.

Er stand da und dabei, als gehörte er nicht hierher und dazu. Er, der junge Mann mit dem biblischen Namen David. Er, der David Gill. Es muß Schicksal gewesen sein, das den Zuhörenden in den Strudel der Geschichte zog. Es traf der Pfarrerssohn auf den Pfarrer. Verwandte Seelen also, die die Companie G & G (Gauck & Gill) schmiedeten. Wo Joachim ins Amt kam, kam auch David zu einem Amt. Nun haben G & G den höchsten Gipfel erklommen.
Ein unangekündigter, unaufhaltsamer Aufstieg des Pfarrersjungen! Zumal ihm der Staat DDR, wie allgemein bekannt, ordentlich Steine in den Weg legte. Nicht studieren durfte der David, wie Herr Gill jüngst in einem Radiogespräch freimütig klagte. Bei Gott, wie kams, dass ein Mädchen aus Mecklenburg, aus behütetem theologischen Hause, Physik studieren konnte? Achja, als eine Ausgewiesene. Abgeschoben zu einem SU-Studium. Das mußte man schon erst mal schaffen. Wie? Das kann der David mal die Angela fragen. Wenn sie sich jetzt begegnen. Nun auf Augenhöhe, wie man allgemein gern sagt. Damit Klarheit kommt in die verheerenden, unklaren DDR-Verhältnisse.

 

Bernd Heimberger

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