Eine Hand wäscht die andere und hinterher sind alle nass

7. September 2012
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Wie eine Geschäftsanbahnung nach den Vorstellungen von Bauunternehmer Cieslik, eines Duz-Freundes von Landrat Giesecke, einerseits über die Bühne  – andererseits aber auch mal in die Hosen gehen kann:

Im Jahre 2008 saß Cieslik auf am Tisch der Bürgermeisterin von Zossen, Michaela Schreiber. Vorgeschickt zur Terminanbahnung oder im Schlepptau sein Berater, Heinrich Scholl, Exbürgermeister von Ludwigsfelde. Wer hat schon etwas einzuwenden gegen die Zweitverwertung seiner Kontakte zu Bürgermeister-Kollegen aus der aktiven Amtszeit. Auch ein Ex-Bürgermeister muss schließlich sehen, wo er bleibt. Worum ging es? Um ein größeres kommunales Investitionsvorhaben der Stadt Zossen, den Kita-Komplex in Wünsdorf. Die schlichte Argumentation von Cieslik: Ihm wäre zu Ohrengekommen, Frau Schreiber hätte hin und wieder gewisse Schwierigkeiten – zeitnah an Baugenehmigungen aus der Kreisverwaltung zu kommen. Wo der Geschäftsmann Cieslik recht hat, hat er recht. In einem Fall soll das Erteilen einer Baugenehmigung sogar um ein halbes-dreiviertel Jahr hinausgezögert worden sein. Das wäre in diesem Fall aber kein Problem. Wenn die Bürgermeisterin ihn als Generalübernehmer für besagtes Vorhaben beauftragt, könne er zusagen – dass es diesbezüglich keine Schwierigkeiten geben würde, denn er hätte gute Kontakte zum Landrat.

Mit diesem Ansinnen soll er, wie berichtet, bei der ehemaligen Rechtsanwältin Michaela Schreiber genau an der richtigen Adresse gelandet sein. In Juristen-Kreisen nennt man das wohl einen "untauglichen Versuch am untauglichen Objekt. "Es gibt ja den Spruch: ´Eine Hand wäscht die andere. Ich wandle den gerne ab", hat sie mal auf einer Karnevalsveranstaltung gesagt: "Eine Hand wäscht die andere, und hinterher sind alle nass."

Alle? Immer schön der Reihe nach. Zunächst wirkt zumindest der Landrat etwas durchgefeuchtet vom Regen, in dem er gerade steht. Die Ermittlungen gegen seinen Freund Cieslik sollen vor dem Abschluss stehen und bei welchen Bürgermeisterkollegen aus alten Zeiten Heinrich Scholl als Geschäftsanbahner ein Stück weit erfolgreicher war, als in Zossen, wird sich zeigen. Das Wasser sucht sich halt seinen Weg.     

Festzuhalten bleibt, Landrat Giesecke greift nicht nur in Genehmigungsverfahren ein, wenn es um die Erteilung von Abriss- bzw. Baugenehmigungen geht (Großbeeren) sondern offenbar auch dann, wenn er eine Baugenehmigung nicht erteilt haben möchte. Zuckerbrot und Peitsche? Nun, dem Vernehmen nach haben die meisten Bürgermeister im Landkreis immer so gespurt, wie der  Landrat es von Ihnen erwartet. 

Jörg Blunk

 

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2 Responses to Eine Hand wäscht die andere und hinterher sind alle nass

  1. Matthias Stefke
    7. September 2012 at 09:33

    Apropos Berater Heinrich Scholl.
    In der 37. Sitzung der Gemeindevertretung Blankenfelde-Mahlow, am 14.04.2011 stellte ich hierzu nachfolgende Anfrage:
     
    Hat die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow an die Unternehmens- und Kommunalberatungsfirma des ehem. Bürgermeisters von Ludwigsfelde, Heinrich Scholl Aufträge erteilt?
    Falls ja, In welcher/welchen Angelegenheit(en) ließ sich die Gemeinde von dieser Firma beraten und auf welche Höhe belief sich das Honorar?
     
    Antwort aus der Verwaltung:
    Nach unserem Kenntnisstand nicht.
    Ein klares NEIN hört sich anders an, oder?
    So aber hatte man sich meiner Einschätzung nach ein Hintertürchen für den Fall offengelassen, dass man etwas übersehen oder vergessen hatte…
     

  2. Andreas Trotz
    7. September 2012 at 10:35

    Ein Scheinabschied für das Protokoll: http://www.teltow-flaeming.de/de/aktuelles/2008/01/4333/ Die Giesecke-Cieslik-Scholl-Connection kam ab diesem Zeitpunkt erst richtig in Fahrt. Auch beim Rat(e)haus in Rangsdorf ( http://www.klaerwerk-blog.de/2012/08/30/neues-ratehaus-in-rangsdorf/ ) ist eine bemerkenswerte Standortfixiertheit der Gemeindevertretung auf die Seebadallee festzustellen (BM Rocher entschuldigte sich in der Öffentlichkeit, dass ihm durch die Beschlüsse der Gemeindevertretung Verhandlungen über Alternativstandorte unmöglich sind). Nachdem also der Standort festgelegt war, ein ehemals vorgesehener Investor absprang (nach vorliegenden Informationen, weil GV-Beschlüsse zum Zwecke der Überprüfung in die Kommunalaufsicht gegeben wurden), sprang plötzlich der Investor Cieslik ein und kaufte das Areal (zur Errichtung von Supermarkt und Rathaus) zu einem Preis von "jenseits von gut und böse" (aus vertraulicher Quelle in Rangsdorf). Zumindest ein Essen mit dem Investor Cieslik "nach einer Beratung" räumte BM Rocher allerdings ein (  http://www.maerkischeallgemeine.de/mazarchiv/detail.php?article_id=2333057 ). Zumindest die Beratungen zum Thema Rathaus waren in der Gemeinde fast ausnahmslos nicht-öffentlich. Unbestritten ist der Investor Manfred B. Cieslik Schlüsselfigur in den beendeten und noch laufenden Korruptionsuntersuchungen im Kreisnorden. Die Ermittlungen gegen ihn sind noch nicht abgeschossen. Pikant: Er ist derzeit Bauherr des Rathauses in Rangsdorf, das nach heutigem Stand im Oktober 2012 fertiggestellt sein und dann von der Gemeinde Rangsdorf – nachdem bereits ein Mietvertrag geschlossen wurde – gekauft werden soll.

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