Das Justizopfer Giesecke

11. September 2012
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Ich war heute Augen- und Ohrenzeuge eines wirklich bemerkenswerten Auftritts des Landrates Giesecke (SPD) in der öffentlichen Kreistagssitzung. Bevor die Tagesordnung in bekannter Manier ("Die Abnicker") "abgearbeitet wurde, hatte der Landrat darum gebeten, eine persönliche Erklärung abgeben zu dürfen, was ihm vom Vorsitzenden, C. Schulze, auch gewährt wurde.
Bevor er beginnen konnte, mußte er aber erst noch einmal schnell in sein Büro eilen, da er zwei Seiten seiner Rede in der Hektik des Tages vergessen hatte.
Was dann kam, verschlug wohl allen im Raum, bis auf die roten Genossen, die Sprache.

Da stand vorn am Rednerpult ein verdienstvoller Landrat, der in seinen gut 20 Jahren Amtszeit für über 2 Milliarden € im Kreis TF verantwortlich gewesen ist und der sich in dieser Zeit nichts habe zu schulden kommen lassen. Nur durch anonyme Anzeigen sei er vor gut 3 Jahren in den Fokus der Staatsanwaltschaft  geraten. All die Vorwürfe im Falle der Großbeerengeschichte seien kein Bestandteil mehr des Strafbefehls. Trotz intensivster Ermittlungen sind dafür nur ein paar Dutzend Turnschuhe, das Paar für 20€, übrig geblieben, die er den Jugendlichen in der Projektschule stiftete. Die Ermittlungen haben ihn krank gemacht, seit einem Jahr befindet er sich in fachärztlicher Behandlung, er hat Schlafstörungen und muss regelmäßig Medikamente nehmen.
Da er nun diesem Druck nicht mehr gewachsen war, hat er sich entschlossen, auch in Hinsicht und mit Rücksichtnahme auf seine Familie und seine Mitarbeiter in der Kreisverwaltung, den geforderten Antrag auf den Erlass eines Strafbefehls mit den bekannten Strafen auf sich zu nehmen. "Zitat:"Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende." Er wollte einfach nur all diesen Menschen ein langjähriges Verfahren, bis hinauf zum BGH, ersparen. Er habe nicht mehr die Kraft, für seine Unschuld zu kämpfen.
In seinem Statement bekannte er sich zu kleineren Fehlern, die aber diese Strafe in dieser Höhe nicht rechtfertigt. Im Endeffekt sei er das Opfer eines Justizirrtums, was er zwar nicht sagte, aber genauso den Anwesenden zu vermitteln versuchte. Er läßt sich demnach aus seiner Sicht stellevertretend für den Kreis, seine politische, saubere und korrekte Arbeit zu einem "vorbestraften Täter machen". Was für eine heroische Tat. Sein ganzes Leben stellt dieser Mann in den Dienst der Menschen in TF — wir sollten dankbar sein, Ihn zu haben, den gemütlichen "Macher" aus Werben.

Tja, wenn dass alles nicht so traurig wäre, könnte man über den Mittelteil dieses Artikel herzlich lachen, Doch diese Unverfrorenheit, sich jetzt auch noch als Opfer der Justiz zu bezeichnen, schlägt dem Faß den Boden aus! Wer seine Äußerungen live miterlebt hat, kann nur noch mit dem Kopf schütteln über diese Überheblichkeit. Schon sein Benehmen in der dann folgenden Sitzung zeigte seine "Ernsthaftigkeit". Bei Redebeiträgen der Opposition spielte der gute Mann mit seinem I-tablet und scherzte mit dem Vorsitzenden C. Schulze. Noch nicht einmal den Anschein von Interesse mochte er erwecken:  "Was interessieren mich die Redebeiträge der anderen, ich habe hier das Sagen!"

Thomas Böhm

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2 Responses to Das Justizopfer Giesecke

  1. Hannelore Pappschik
    11. September 2012 at 15:05

    Auch ich habe das ganze "Theater" gestern life miterleben können. Das Peer Giesecke den Strafbefehl akzeptierte, liege nicht zuletzt daran, dass er sich "weiteren Belastungen nicht gewachsen" fühle. "Ich lege meine weitere berufliche Zukunft in Ihre Hände", so seine abschließenden Worte an alle Kreistagsabgeordnete.
    Er drückte in einer emotionalen Erklärung sein "tiefstes Bedauern" darüber aus, dass ….., schrieb E. Freitag. Hm, emotional? Was für ein Wort! Ich sehe das vollkommen anders. Es geht Peer Giesecke doch nur  darum, weiterhin im Dienst bleiben zudürfen. In diesem Monment mußte ich einfach an den Geschäftsführer der WOBAB, Herrn Bachmann denken. Wie muß sich ein Mensch fühlen, wenn er diese "Geschichte" hört oder liest, der sich nichts zu Schulden kommen lassen hat. Der Erfolge vorweisen kann, der geachtet wird von den Bürgern.  Bürgermeister Baier bestätigte abermals in der MAZ (7.9.2012), dass es nicht um Bachmanns Leistungen geht, – die wurden gewürdigt, da hat er die Erwartungen erfüllt-. So, so,! Hier geht es um ein "zerrütetes Verhältnis". Trotzdem muß Thomas Bachmann gehen?
    Dann erlebe ich den gestrigen späten Nachmittag im Kreistag und bin entsetzt. Nach all den Worten von Peer Giesecke war ich mir absolut sicher, seine Entscheidung steht fest. Er wird diese am Ende seiner Erklärungungen allen hier Anwesenden mitteilen: "Ich stelle mein Amt zur Verfügung". Das habe ich nach den ganzen Vorgängen erwartet. Wenigstens soviel Achtung und Ehrgefühl wird er vor sich selber, seinen Angestellten und den Bürgern im LandkreisTeltow-Fläming haben, dachte ich. Denkste!
     Wie nun, was nun, schuldig, unschuldig, obwohl er den Stafbefehl akzeptiert? Das muß man erst begreifen? Fällt mir, ehrlich gesagt, schwer.

  2. Heike Saase
    11. September 2012 at 16:31

    Das ist doch gelebte und gefühlte " Demokratie " a la Brandenburg . Umso mehr Dreck ein Politiker am Stecken hat , umso wohler fühlen sich alle politischen Abnicker in seinem Umfeld . Ja , man scheint  sich regelrecht in diesem Dreck zu suhlen . Ehrliche und kompetente Menschen haben in der brandenburgischen Polithemisphäre keine Chance . Zeigen diese Menschen doch den  Versagern , wo ihr Versagen  ist . Beste Beispiele Thomas Bachmann und nun auch Saskia Ludwig . Beide Menschen eint , das sie offen , ehrlich und kompetent sind und sich zum Wohle der  Menschen  einsetzten . Das unterscheidet sie gravierend  von denen , die sie weghaben wollen . Ich finde es unerträglich , das  wir in Brandenburg fast ausschließlich von Gesetzesbrechern , fast Gesetzesbrechern und baldigen Gesetzesbrechern regiert werden , dene nur ihr eigenes Wohl  , sprich Geld , am Herzen liegen .

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