Emotionale Eindrücke

13. September 2012
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Eine Erklärung, die erklärt, dass eine „Emotionale Erklärung“ zu hören war, erklärt gar nichts. Eine „emotionale Erklärung“ hört sich anders an als das, was Zuschauer und Abgeordnete des Kreistages am 10. September 2012 zu hören bekamen.

Jeder, der Peer Giesecke in guten Tagen reden hörte, weiß, dass er ein versierter Redner ist: Schlagfertig, bisweilen sarkastisch-scharf, zuweilen frech-frotzelnd Das ist eine seiner Qualitäten, die nicht jeder mag. Sei´s drum! Das macht manchmal dröge Kreistagssitzungen weniger langweilig. Die Sitzung des 10. September war hörbar, sichtbar nicht die Stunde des Peer Giesecke. Sie war keine Sternstunde des Parlaments. Sie war eine Ansammlung der Halbgelähmten.
Die Sitzung hätte eine des Landrates Giesecke sein können, wäre er der Souverän gewesen, als der er so oft aufgetreten ist in zwanzig Jahren, seit er das SPD-Fürstentum Teltow-Fläming regiert. Eine lange, lange Zeit, in der auch einer wie Giesecke Fehler und Fehler unterlaufen. Die hat er wiederholt bedauert. Bereut? Das zu sagen wäre wohl auch eine Interpretation. Peanuts- Fehler waren es, wie mehr als deutlich zu hören war. Vorgetragen, einzig aus der Sicht eines Menschen, der sichtbar, ein Bedrängter ist. Da muß man gut, sehr gut im Glauben sein. Warum nicht gut sein im Glauben? Warum nicht?
Wäre das Gesagte nur nicht so lakonisch, lapidar vorgetragen worden. Abgelesen. Größtenteils. Von einem Mann der freien Rede. Alles andere als emotional, obwohl die Bereitschaft der Zuhörer da war, Verständnis für einen emotional Bedrängten zu haben. Plötzlich, als sich das Sicherklären dem Ende neigte, blickte Giesecke ins Publikum. Die Anspannung in ihm schien zu weichen. Die bitteren Erfahrungen der letzten Wochen zusammenfassend, begründete er seine Entscheidung zum Arrangement mit der Staatsanwaltschaft mit der geläufigen Bemerkung: „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“.
In dem Moment mögen Viele emotional bewegt gewesen sein und gedacht haben: Jetzt kommt ein Dank und der endgültige Abgang des Souveräns. Denkste! Schnell waren sämtliche Emotionen verflogen.

Bernd Heimberger

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