Wahrlich wieder ein fauler Kompromiss!

17. Oktober 2012
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Der nachstehende Beitrag bezieht sich auf zwei Artikel inder Zossener Rundschau vom 10.10.2012 zum Schallschutzprogramm. Unser Autor, Prof. Augustin begrüßt darin den Standpunkt der Gemeinde Blankenfelde (auf S. 12 "Ziel bleibt: Null Überschreitungen" ) und kritisiere den nach wie vor verlogenen und rechtswidrigen Standpunkt der Flughafenverantwortlichen (S. 15 "Schallschutz-Ampel steht auf Grün"). Er sieht darin einen weiteren, mathematisch unsinnig begründeten, Versuch, die Betroffenen zu betrügen.


 

Der nach den Zwischenschritten NAT(55) ≤ 6 bzw. NAT(55) ≤ 1 jetzt von der Flughafengesellschaft auf der Grundlage eines Vorschlags des Infrastrukturministeriums in Potsdam als Kompromiss vorgesehene Wert NAT(55) ≤ 0,49 ist mit dem Wert NAT(55) ≤ 1/180 = 0,0056 nicht annähernd vergleichbar, der als Grenzwert anzusehen ist, bei dessen Unterschreitung die Festlegungen im Planfeststellungsbeschluss einge-halten werden, dass „in den sechs verkehrsreichsten Monaten kein Überflug am Tage bei geschlossenen Fenstern im Rauminneren einen Maximalpegel von 55 dB(A) erreichen bzw. überschreiten darf“.

Der Wert 0,49 ist fast 100-mal größer, als zulässig und bedeutet  nichts  anderes,  als dass  der  NAT-Wert des Durchschnittstages  jetzt  die Größe NAT(55) ≤ 88/180 = 0,49 annehmen darf. Mit anderen  Worten  heißt  das,  dass  maximal 88 Ereignisse mit Maximalschallpegeln  ober-halb des zulässigen maßgebenden Außenschallpegels in  den  sechs verkehrsreichsten Monaten hinzunehmen sind.
Diese  Herangehensweise widerspricht damit weiterhin eindeutig den Festlegungen im Planfeststellungsbeschluss und den Urteilen der maßgebenden Gerichte und ist somit nicht zu akzeptieren.          

Ein  völlig untauglicher Versuch der Flughafenlobby,  mit  dem  Wert 0,49  zu begründen, dass – unter Berufung auf die DIN 1333 – durch  eine   rechnerische  Rundung dieses Wertes die so erzielbaren Verhältnisse denen mit 0 gleichzusetzen sein sollen, ist – völlig am Sinn und der korrekten Auslegung der Formulierungen in dieser Norm vorbeigehend – mathematisch unzulässig. Man darf im Falle einer vorzunehmenden Rundung z.B. bei NAT-Werten nämlich nicht nur die Zahl 0,49 betrachten, sondern muss in Betracht ziehen, welche Auswirkungen diese beabsichtigte Rundung auf die Veränderungen der Ergebnisse der Berechnungen ausübt, die durch diese Rundung letztendlich beeinflusst werden.

Im vorliegenden Beispiel heißt das, dass die genannten 88 Ereignisse  bzw. das durch diese Maßnahme um ca. 5 dB(A) verletzte  Schallschutzziel ebenfalls  zu  Null „weggerundet“  werden, was aus der Sicht der Lärmbetroffenen eben nicht hingenommen wird. Insofern ist und bleibt also der letzte Vorschlag des MIL immer noch ein fauler Kompromiss und damit Betrug an den Fluglärmbetroffenen.

Prof. Dr. E. Augustin

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One Response to Wahrlich wieder ein fauler Kompromiss!

  1. Gerrit Schrader
    16. November 2012 at 09:57

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