Bewahrte Raritäten

9. November 2012
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Das Dilemma der Museen, dass zuviel in Depots und Archiven zwar nicht verschwindet, doch bewahrt werden muß. Nicht anders ist die Situation des 2010 in der „Alten Aula“ eröffneten „Museum Blankenfelde“. Vieles bleibt im Depot und wird fürs Archiv registriert. Jüngst ist es dem Kulturverein Blankenfelde gelungen, zwei besondere Publikationen zu erwerben.

Der Teltow - von Willy Spatz, Bd. 1, Verl. Robert Rhode 1905, Foto-H. Pappschik

In tadellosem Zustand wurden die Erstausgaben der Bände 2 und 3 von Willy Spatz´s Standardwerk „Der Teltow“ angeboten. Wurde der erste Band 1905 veröffentlicht, erschienen der dritte Band 1912 und der mittlere 1920. Die späteren Bände sind rar, weil sie mit geringerer Auflage gedruckt wurden.
Eine Rarität, nicht jedoch in der Ausführung, sind die „Erinnerungen an einen Heimgegangenen“. Sie sind ein schriftlicher Epitaph, den Helene von Hülsen dem Berliner Professor Adolf Schottmüller widmete. Der Hochschullehrer der Philosophie und Geschichte, mit starken theologischen Neigungen, hatte erheblichen Einfluß auf die geistige Bildung der jugendlichen Helene von Haeseler.
Am 16. Februar 1829 in Blankenfelder Gutshaus geboren, wurde die spätere Frau des langjährigen Generalintendanten der Königglichen Schauspiele, Botho von Hülsen, eine vielgelesene Lyrikerin, Erzählerin und Essayistin des 19. Jahrhunderts.
Die Achtung für Schottmüller teilte Helene von Hülsen mit Wilhelm von Humboldt der den Professor „Einen der Bedeutendsten nennt, die ihm in seinem Leben vorkommen“. Die Würdigungs-Broschur ist ergänzt durch einen „II. Abschnitt“, der einiges „Aus den Gesprächen mit dem Herrn Professor Schottmüller“ wiedergeben. Der „III. Abschnitt“ veröffentlicht „Distichen und Poetische Erzeugnisse“ Adolf Schottmüllers.
Wichtig in den knappen Erinnerungen sind Schilderungen eines Besuchs des Lehrers 1848 im Blankenfelder Elternhaus. Bereits im Besitz eines Briefs der Schriftstellerin, ist nun ein zweiter Autograph im Blankenfelder Archiv für Heimatgeschichte. Gesteigert wird der Wert der erworbenen Publikation durch eine handschriftliche Widmung. Die lautet: „Herrn Geheimrat Deetz in dankbarer Ergriffenheit, ganz, die Verfasserin. Hamburg, den 9. Juli 1890“.
Zwei Jahre später, am 8. Mai 1892, war auch Helene von Hülsen am Ende ihres Lebensweges angekommen.

Bernd Heimberger

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