Glück, Glanz und Gloria?

9. November 2012
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So originell war das nicht, Ernst von Stubenrauch den „eisernen Landrat“ zu nennen. Einiges sprach zwar dafür. Doch die Titulierung „eisern“ war bereits besetzt. Otto von Bismarck, der Reichsgründer, hatte den Beinamen „Der eiserne Kanzler“. „Eiserner  Landrat“ war also abgekupfert.

Der sonst sehr sachlich urteilende Willy Spatz, Autor des dreiteiligen Geschichtswerks „Der Teltow“, schwärmte, sobald er von Stubenrauch sprach. Dem war er wahrlich zu Dank verpflichtet wie Stubenrauch ihm. Der Landrat hatte dem Lehrer aus Schöneberg angeregt, die ausführlichste Geschichte des Kreises Teltow zu verfassen. Eine Anregung, die ohne Eigennutz war, ohne Ehrgeiz und Eitelkeit? Was bleibt von den Leistungen eines Landrats? Es bleiben die Leistungen und wie über sie gesprochen wird. Zu den Leistungen Stubenrauchs gehörte auch, Anreger und Förderer von Willy Spatz´ Teltowwerk zu sein. Es bleiben die vielfältigen Werke des gepriesenen Landrats.

Peer Giesecke hat etwas verpaßt. Der Langzeit-Landrat hat es versäumt, eine nötige, neue Publikation der Kreisgeschichte zu veranlassen. Dafür war in ihm offenbar kein Sinn. Nicht in den über zwei Jahrzehnten seiner Amtszeit.
Der Berliner Jurist von Stubenrauch, am 18. Juli 1853 geboren, erhielt am 18. August 1885 auf Schloss Babelsberg, aus der Hand des Königs, die Ernennungsurkunde zum Landrat. Überliefert ist die Bemerkung des Königs: „Mit dem müssen wir uns gut stellen.“ Mit derartigen Weihen wurde Peer Giesecke nicht ins Amt gehoben. Ein unbekannter Tempelhofer Stadtrat, namens Klaus Wowereit, hatte den zunächst widerstrebenden Sozialdemokraten Giesecke gedrängt, sich um das Landratsamt zu bemühen.
Stubenrauch wurde vom preußischen Minister von Puttkammer empfohlen, den er dadurch beeindruckte, als er auf die Nachfrage erwiderte: „Wenn Eure Exzellenz den Mut haben, mich hinzuschicken, ich habe den Mut hinzugehen…“ Donnerwetter, wenn das kein Selbstbewußtsein ist! Der ausgebildete Jurist und Volkswirtschafter brachte die gefragten Voraussetzungen für den Posten mit.
Damit war Peer Giesecke nicht gesegnet. Vom Fernsehen der DDR kommend, wurde er ins politische Geschäft des Verwaltungschefs gestoßen. Er war ein mehrfach Benachteiligter. Aber ein Mutiger? Er mußte sich zunächst mit dem Klein-Kreis Zossen zufrieden geben. Zu verwalten war vor allem das politische und ökonomische Desaster, das die DDR hinterlassen hatte. An jedem Tag. An jedem Ort. Keine Glücksstunde der Geschichte für den Unerfahrenen? Oder? Also!
Aufbauarbeit war zu tun, wo sich Stubenrauch ganz der Ausbauarbeit widmen konnte. Es war die Zeit der enormen Entwicklungen des jungen Deutschen Reiches. Eine prosperierende Phase, von der der Kreis Teltow profitierte. Glanz und Größe des Teltow sind identisch mit der Ära Stubenrauch. Die Zeit hat ihn begünstigt. Wie Giesecke seine Zeit? Weil der Umbruch auch Aufbruch war? Wie das Unvergleichbare vergleichen? Wie die Unvergleichbaren? Willy Spatz schildert Ernst von Stubenrauch als „außergewöhnliche Persönlichkeit“. Das würde dem Peer Giesecke gefallen. Hat sich, jetzt, einer seiner Genossen derart geäußert? Spatz hat das Äußere von Stubenrauch als „mächtig, hünenhaft“ beschrieben. Das ist nicht weit weg von dem Giesecke, der mit seiner Körperfülle in den vergangenen Jahren den Kreistag dominierte. Weiter ist bei Spatz zu lesen „Stubenrauchs ganzes Dichten und Trachten war auf das Wirken im öffentlichen Leben gestellt“. Etwas nüchterner formuliert, ließe sich der Satz auch auf den Dauerlandrat von heute münzen. Oder?
Spatz rühmt den „untrüglichen Scharfblick und Sinn für das wirklich Durchführbare“, das Stubenrauch eigen war. Darauf beruhte, so die Zeitgenossen, der einzigartige Erfolg des Gepriesenen. Wenn das wirklich so war! Nicht jeder war auf der Seite des Landrats, der am 22. Dezember 1900 im Babelsberger Schlosspark den ersten Spatenstich für den Bau des Teltowkanals tat. Gemäß seine Mottos: „Erst wägen, dann wagen.“
Ob Giesecke das Motto kennt? Hat er immer erst gewägt und dann gewagt? Konnte er das? Immer? Er hat gewagt, gewagt, gewagt. Gewägt?
Wie Stubenrauch den Teltowkanal wohl doch eher gewagt denn gewägt hatte? Der Kanal war sein ehrgeizigstes, wichtigstes und wesentlichstes Projekt wie der Ausbau der Straßen und Schienenwege im gesamten Kreisgebiet.
Da sind sich Nachfolger und Vorgänger wieder sehr nah. Die B 101 ist Gieseckes Kanal. Und der Fläming-Skate? Na bitte! Ist doch was! Oder? Seien wir gerecht. Eine andere Gerechtigkeit, einen anderen Respekt gibt es nicht.
Gemeinsam ist den beiden Männern auch ihre Rolle als Bauherrn. Franz Schwechten, der Architekt des Anhalter Bahnhofs, hat das neue Teltower Kreishaus hingestellt, das in Gegenwart des Kaisers am 18. Dezember 1891 in der Berliner Viktoriastraße eingeweiht wurde.
Gieseckes Kreisverwaltung des Teltow-Fläming bekam ihren Standort in Luckenwalde. Die hat wirklich die „luftigen und lichtvollen Räume“, die sich die Kreisbeamten von 1891 wahrlich nicht hätten vorstellen können.
Wer schreibt, der bleibt! Ach ja. Aber auch, wer baut.
Den “köstlichsten Ruhm“ seines Lebens, sagte Ernst von Stubenrauch als er am 31. Dezember 1907 aus dem Amt schied, ist fest zustellen: „“Ich war Landrat des Kreises Teltow“.
Was werden wir von Peer Giesecke hören?
Nicht, dass er Polizeipräsident von Berlin wird wie Ernst von Stubenrauch. Straßen, eine Brücke, nach ihm benannt, sind die Brücken des Ehrenwerten in die Nachwelt.

Bernd Heimberger

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