Schwuppdiwupp

16. Dezember 2012
Von

Feuilleton

Wie geht’s denn aus“, fragte mich ein Abgeordneter? Kann man so fragen? So naiv? Bei Gott, man kann! Wieso denn nicht? Wie aber antworten? Was? Auch den Naiven, Aufgeregten, Angespannten, Erwartungsvollen geben? Unmöglich! An diesem Tag. An diesem Ort. In dieser Versammlung.

Ich sehe, was ist. Zu Füßen der Sekretärin des Kreistages steht eine bauchige Vase. Mit einem bescheidenen Strauß. „Es ist gelaufen“, sage ich mit Gewißheit. Ich bekenne, dass ich mich längst entschieden hatte. Ich würde mich an keiner Entscheidung beteiligen, die ich nicht als ehrliche Entscheidung bewertete. Also nicht mit mir!
Richtig vermutet: Der Strauß ist im Nu vergeben. Eine Abgeordnete ist die glückliche Empfängerin. Sie hat Geburtstag und bekommt als Zugabe den gebührenden Applaus. Damit war dann Schluß mit dem Applaus an diesen gewöhnlich-ungewöhnlichem Abend. Man hatte sich verausgabt.
Wer hätte noch Blumen überreichen sollen? Warum auch? Einer der Frauen und Männer des Volkes, die, im Namen des Volkes, bereits in der Vorrunde den Daumen gesenkt hatten, um das Schicksal des Chefs zu besiegeln? Zur Vorrunde, datiert vom 19. Oktober 2012, versammelten sich 33 der 56 Abgeordneten. Die Tapferen? Die Aufrechten? Die Realisten? Die Ehrgeizigen? Die Einigen? Die Redlichen? Man darf sich doch seine Gedanken über die lieben Kollegen machen, oder? Wie auch über die, die nicht unterschrieben. Warum nur? Wurden sie nicht gefragt? Weigerten sie sich? Wer weiß! Aufklärung muß nicht sein. Die Beschlußvorlage ist doch nicht, nicht zu verstehen gewesen. Lapidar lautete sie: „Der Kreistag beschließt die Abwahl von Herrn Peer Giesecke, Landrat des Landkreises Teltow-Fläming“. Basta, nicht wahr!?
Ist eben eine Angelegenheit des Hauses, das den Kollegen Landrat einst eindrucksvoll krönte. Na ja! Was da nun dem herbeigeeilten Volk verklickern? Was denn? Wie denn! Warum auch! Weiß man doch, was wie gelaufen ist. Weiß man doch, wie was läuft. Gestern wie Heute.
Also schnell, schnell noch mal die Pfote hoch. Mit kraftvoll ausgestrecktem Arm. Um was zu bekunden, zu bezeugen? Das Dabeisein beim Abwählen?  Den abwesenden Abgewählten hats hart erwischt: 45 mal wurde er verabschiedet. Im September, hatte er, wie er sagte, sein Schicksal in die Hand der Abgeordneten des Kreistages gelegt. Hätte er besser nicht! 22 Jahre und eine solche Selbstüberschätzung. Oder Fehleinschätzung?
Ich mußte laut lachen, als ich mit einer Bekannten den Saal verließ. Sie hatte gar nicht mitbekommen, dass die Abwahl gelaufen war. So schnell und leicht war ein Schwergewicht aus dem Stuhl geschubst. In dem saß ohnehin bereits bei Beginn der Veranstaltung die Vertreterin des Vorgängers. Was ja nichts zu sagen hat, nicht wahr!
Schwuppdiwupp!

Bernd Heimberger

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