Zum Tod von Bernd Heimberger

20. Januar 2013
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Bernd HeimbergerDer kluge Georg Christoph Lichtenberg schrieb einmal: „Mir tut es allemal leid, wenn ein Mann von Talent stirbt, denn die Welt hat dergleichen nötiger als der Himmel. Das kam mir in den Sinn, als mich die Nachricht von seinem Tod erreichte. Tage vorher haben wir noch über den Tod gewitzelt. „Ärzte? Nein, wenn die mich erst einmal richtig in den Krallen haben, ist der Ofen gleich aus.“ Andererseits: „Die Fortschritte der Medizin sind ungeheuer. Man ist sich seines Todes nicht mehr sicher.“(Hermann Kersten)

Sein klaerwerk-Text „Regen fürs Bürgerecht“ zum Thema Senioren-Wohnen liest sich im Nachhinein wie ein Vermächtnis, obwohl er nicht ahnen konnte, dass es sein letzter Autoren-Beitrag sein wird. Vieles von dem, was in dieser Gemeindeverwaltung und Gemeindevertretung geschah und geschieht, hielt er für eine Farce. Eine kaum überschaubare Zahl an Texten, Kommentare, Glossen aus der Feder des Vorsitzenden des Kulturvereins und Mitbegründers des regionalen online-Magazins klaerwerk-blog sind hinreichender Beleg.
Beleg dafür, dass Journalisten und Publizisten in der öffentlichen Debatte auch anderes möglich ist, als sich aufs Nachbeten – oder das Sammeln von Fakten zu beschränken, an Stellen, wo diese kritisch zu kommentieren wären. Auch und gerade angesichts einer Verwaltungsspitze in Blankenfelde-Mahlow, gegen die seit 2009 staatsanwaltschaftliche Ermittlungen anhängig sind im Zusammenhang mit Mißwirtschaft und Korruption.

Denn im Herbst 2009 hat Bernd Heimberger mit den beiden anderen Fraktionsvorsitzenden der Bürgerfraktionen im Gemeindeparlament – offen, nicht anonym – die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Korruption angeschrieben. Sie baten um Überprüfung eines Gemeindevertreterbeschlussses zum Beratervertrag Rathausneubau, mit dem sie nicht nur nicht einverstanden waren – sondern den sie für rechtswidrig hielten. In welchem Ausmaß sie damit recht behalten haben sollten, konnte damals niemand ahnen. In welchem Ausmaß ihnen Verachtung und Ablehnung durch die Beschuldigten in der Verwaltungsspitze sowie ein mehrheitlich mitverantwortliches Kommunalparlament entgegenschlugen, war ebenso wenig vorhersehbar.

Wie stark muss die Konstitution eines 70jährigen sein, um das auszuhalten. Gehe ich zur nächsten Hauptausschuss-  oder Gemeindevertretersitzung – oder nicht? Kann ich anschließend wieder Nächte lang nicht schlafen? Vor Empörung? Vor Hilflosigkeit? Dürfen die denn die gleichen Leute einfach weiter machen, was sie wollen? Und immer wieder nächtliche, anonyme Anrufe. Anonyme Postkarten. „Damit kann ich umgehen.“ Wirklich? In seinem äußerlichen Tun jedenfalls ließ er sich dadurch nicht einschüchtern – warf er sich weiter gegen ständig  nachwachsende Dummheit und Ignoranz.

Dann das Ergebnis der Stasiüberprüfung der Kreistagsabgeordneten. Es  ging ihm unter die Haut, wie sie alle an einem Strang zogen. Der Maz-Journalist E. Freytag (19.12.2011- email an Maz-Redaktion Zossen); der Vorsitzende des Kreistages, Christoph Schulze (April 2012 – Geburtstagsgruß von Christoph Schulz), der Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow, Ortwin Baier, und der Leiter der vom Kreistag eingesetzten Arbeitsgruppe Gilbert Furian, Letzterem beschied er: „Schreiben Sie nicht wieder ´sehr geehrter`, wenn Sie nichts anderes im Sinn haben, als die Ehre des Angeschriebenen zur Zielscheibe zu machen.“
Wochen später zitiert E. Freytag in der Maz (22.02.2012) aus einem Brief der Kreissynode. Für die stimmberechtigten Mitglieder des Kirchenkreises sei die weitere Abgeordnetentätigkeit des Linke-Abgeordenten Haase nicht hinnehmbar. Außerdem sieht das Pfarrkonvent ´aufgrund der Aktenlage zwei Fälle von MFS-Mitarbeit als geringfügig und einen als nicht entscheidbar an“.(Brief der Kreissynode v. 10. März 2012 an den Kreistag TF)
„ … einen als nicht entscheidbar an?“ Grotesk, hatte doch eben dieser Journalist der Öffentlichkeit noch zuvor  mit seiner undifferenzierten Berichterstattung etwas ganz anderes suggerieren wollen. Einer Berichterstattung, die der Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow „dankbar“ aufnahm und weiter verbreitete. (Gedächtnisprotokoll – 31. Sitzung des HA am 19. Januar 2012) Denn jetzt war für den Kleingeist Baier offenbar endlich klar, wem er die umfangreichen, staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen – auch gegen seine Person – zu verdanken hatte: dem „Stasi-Zuträger“ Bernd Heimberger! Unter anderem. Frei nach dem Motto: Nun steht die Wahrheit endlich in der Zeitung!
„Sie dürfen nicht alles glauben, was in der Zeitung steht.“- erklärte dagegen nicht etwa ein anderer sondern derselbe Bürgermeister, als er vor einigen Tagen im Finanzausschuss  zum MAZ-Beitrag „Mogelpackung FairLeben“ angesprochen wurde.
Und so schrieb der Angegriffene damals einem Gerrit Schrader (Fraktion BVBB-WG) dankbar zurück: „Also bin ich nun – auch das noch – ein vielfach Diffamierter. Und ich bin der Mensch, den Menschen bestärken. So, nur so, ist das nicht Hinnehmbare hinzunehmen.“ Und: „ Ich bin nicht der Illusionist, der glaubt, dass vermeintliche Aufklärer die Klärung wollen, die Klarheit möglich macht. Wie auch? Ich möchte gerne die Hoffnung hochhalten, dass Humanität mehr als ein Wort ist.“
Das alles ist so blind gedacht, so falsch, so lächerlich wie, wie, wie –
Doch selbst angesichts das Hässlichen galt seine Achtsamkeit vor allem dem Gegenüber: „Ein Mensch, der einen Menschen diffamiert, verletzt zuerst seine eigene Menschlichkeit. Das ist geschehen. Das hat der Bürgermeister getan.“

Ob er in dieser Sache vom Deutschen Presserat mehr erwartet hat? (04. April 2012 – Antwortschreiben an den Deutschen Presserat) Oder von einem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen? Alle Vorschriften beachtet, kein Grund zur Veranlassung und gegen anonyme Anfeindungen könne er doch die rechtsstaatliche „die Möglichkeit einer Strafanzeige prüfen“. Und wieder wirft sich einer gegen das Absurde.(Antwortschreiben an Roland Jahn vom28. Juni 2012)
Rehabilitation? Nicht für einen Bernd Heimberger. Und doch war sie ihm so wichtig, bis zum Schluss.

Wodurch ist ein Mensch einem anderen Menschen ein Vorbild? Nicht durch seinen Rang oder seine Position sondern durch das, was er ist. Humanität war für ihn mehr als ein Wort, mehr als das machttechnische Kalkulieren seiner Widersacher in Verwaltung und Gemeindeparlament – frei nach dem Motto: Laßt ihn ruhig reden, wir machen dass, was wir wollen, denn wir haben die Mehrheit. Die demokratische Mehrheit!. Das Ergebnis ist bekannt, nur der Termin der Kollission ist noch offen.

Und dann diese glücklichen Momente, die er im Gespräch zurück holte, von denen er schwärmen konnte – wenn die Konzertbesucher in der „Alten Aula“ fast völlig in Resonanz gehen mit dem Klang, mit den Schwingungen der Instrumente. Wie am 19. Dezember bei einem Musikabend mit den Dahlewitzer Musikerfamilien Dippner, Markowski und Rechenberg. Wer Musik hören kann, sieht in hellen Sekunden hinüber in die andere Seite der Welt (Peter Sloterdijk) Vielleicht ist Musik ein Beispiel für Unmißverständlichkeit. Da gibt es kein Rechthaben müssen im Hören, da muss nicht etwas auf eine vorschreibbare Art verstanden werden. Und das Erlebnis der Armut, wenn eine Musik aufhört …
Das hatte wirklich mit ihm zu tun. Dafür wollte er sich im kommenden Jahr mehr Zeit nehmen, Für eigenen Publikationen, für die Vorbereitung von Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerten. Dafür wollte er dieses Jahr endlich den Fraktionsvorsitz in der Fraktion BürgerBündnis Blankenfelde-Mahlow abgeben.

Die Irrtümer teilen sich viele, die Maßstäbe setzen wenige, eine zeitlose Erkenntnis. Auch wenn ihm aufrichtige Anerkennung und Respekt durch eine Mehrheit dieser Gemeindevertretung immer versagt blieb, er war ein, in positiver Weise unbeirrbarer und eigensinniger, Kritiker. Einer, der Bleibendes hinterlässt mit seinen Publikationen; mit der der „Alten Aula“, in der „Alten Aula“.

Am 22. Januar 2013 um 14 Uhr findet die Trauerfeier für Bernd Heimberger auf dem evangelischen Waldfriedhof in Blankenfelde statt, anschließend wird der Sarg zur Einäscherung überführt.

Ein guter Freund aus München hat ihm zu seinem 70. Geburtstag einen Brief geschrieben. Ein Brief, der mehr ist, als ein Brief. Ein Nachruf, denn darin ist alles gesagt: (26.04.2012 – Brief von Konrad an B.H. zum 70. Geburtstag)

 

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One Response to Zum Tod von Bernd Heimberger

  1. 21. Januar 2013 at 12:49

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