Eine Stimme der Kultur

21. Januar 2013
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Als ich letzte Woche im Vorbeifahren das Lichtermeer am Eingang der Alten Aula gewahrte, war ich beunruhigt.  Ich hielt an, lief zurück und blickte in das vertraute Gesicht von Bernd Heimberger – auf einem von Trauerflor umrahmten Bild.
Ich war bestürzt. War es doch erst wenige Wochen her, seit wir auf dem Adventsmarkt des Blankenfelder Kulturvereins miteinander sprachen. Ich genehmigte mir danach einen Glühwein am wärmenden Feuer bei Hannelore Pappschik, während meine Kinder sich im phantasievoll ausgestatteten Keller der Alten Aula von Rosemarie Müller Märchen vorlesen ließen. 

Ich wohne erst wenige Jahre in Blankenfelde. Schnell jedoch war mir die Gestalt Bernd Heimbergers etwas Vertrautes geworden. Irgendwie vermittelte sie einem die Empfindung, schon immer da gewesen zu sein, immer da sein zu werden.
Es war wohl das beruhigende Gefühl, jemanden hier zu wissen, dem es ein Bedürfnis war, Kultur zu vermitteln. Kultur sowohl für die Sinne, als auch Kultur im Umgang der Menschen miteinander. Auch politische Kultur, obwohl das in dieser Gemeinde ein wenig wie der berühmte Kampf gegen Windmühlenflügel anmutete.

Immer, wenn ich das Gefühl hatte, dass sich Dummheit und Ignoranz wie eine Seuche verbreiteten, beruhigte mich die Existenz jener brüchigen Altherrenstimme. Die, gleichsam verwundert über so viel Unverständnis, mit warmherziger Intellektualität  immer neue Löcher in Wände, errichtet aus Dumpfheit, brannte.
Immer, wenn ich mich über die Lidl-Aldi-Freßnapf-Architektur der wichtigsten Plätze Blankenfeldes ärgerte, über Kinderbewahranstalten, in denen ideenschwache Leiter  die Kleinen für die Arbeitsunfähigkeit vorbereiten, wusste ich, ich war nicht allein mit meinem Ärger.
Immer, wenn ich in den Lokalblättern Artikel in schlichtestem Verlautbarungsdeutsch las, von zur Recherche unfähigen Hofschreiberrinnen verbrochen, konnte ich mich mit der publizistischen Schärfe und der manchmal wohltuenden Detailverliebtheit von Bernd Heimberger trösten.

Er hat, wahrscheinlich Zeit seines Lebens, einen kulturellen Virus verbreitet. Geistig hoch ansteckend, führt er zu Bildung und Urteilsfähigkeit. Ich kann mir vorstellen, dass es sein größter Wunsch war, möglichst viele infiziert zu haben.
Bernd Heimberger hat nicht aufgehört zu existieren. Sein Geist wird auch zukünftig in den Sitzungen des Gemeinderats anwesend sein und dort die einfältigen Gefolgsleute der Oligarchie ängstigen. Er wird in der alten Aula spuken, und darüber wachen, dass dort weiter Kultur vermittelt wird.
Er wird lebendiger bleiben als manche der lebendigen Toten, gegen die er in der Politik stritt.

Magnus Muschiol

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