Die Rote Laterne der Lokalpresse

15. März 2013
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Hanns-Joachim Friedrichs, der ehemalige Chefsprecher der Tagesthemen, sagte einmal, ein Journalist dürfe sich nicht mit einer Sache gemein machen, selbst wenn es eine gute Sache sei. Ein Reporter, der einseitig eine Sache vertritt, macht sich auf diese Weise unglaubwürdig. Zum einen, weil jede Medaille zwei Seiten hat, zum anderen traut man ihm keine objektive Berichterstattung über konträre Positionen mehr zu.
Peinlich wird es für einen Journalisten dann, wenn er gar nicht mehr den Unterschied zwischen Berichterstattung und Propaganda realisiert. Als Fernsehredakteur habe ich solche Vertreter der Zunft immer als „Mikrofonhalter“ der Politiker verspottet. Ein legendäres Beispiel dafür war der Berliner Abendschau-Reporter und CDU-Wahlkämpfer Hajo Lorenz. Ein treues Sprachrohr, das ständig bei Landowsky im Gepäcknetz mitflog.

Reporterin als Teil der Inszenierung
Eine weitere Steigerung journalistischer Armseligkeit ist, wenn man nicht nur über Ereignisse berichtet, sondern diese selbst mit inszeniert oder, genauer gesagt, Teil der Inszenierung ist. Beim Blödenfernsehen wurde so der skurrile Streit zweier Nachbarn über den „Maschendrahtzaun“ zur medialen Dauerparty organisiert. Der dazu passende „Knallerbsenstrauch“ stand am 28.02. in der Gemeinderatssitzung. Zu vorgerückter Stunde, als einige schon gegangen waren, kam unter dem TOP 25 die „Abberufung sachkundiger Einwohner“ an der Reihe. Eine durchaus unspektakuläre Ankündigung, war doch klar, dass Christa Oppuchlik von der CDU ihre Funktion nicht mehr ausüben wollte.
Die dann unter diesem Punkt, auf mündlichen Antrag von Linksfraktionsvorsitzendem Scharp, erfolgte Abberufung des sachkundigen Einwohners Jörg Blunk dürfte allerdings im Vorfeld nur der EPBM (Einheitspartei Blankenfelde-Mahlow, aus SPDCDULinkeGrüne) bekannt gewesen sein. Und natürlich Elke Höhne von der MAZ. Sonst ist es nicht ihre Art, bis zum Schluss zu bleiben. Im Gegensatz zum einen oder anderen „gemeinen“, nicht eingeweihten Gemeindevertreter, der früher ging – wusste sie offenbar, was sich hinter diesem Tagesordnungspunkt verbirgt und dass sie dieses Mal ausharren muss. Ihr Beitrag Vertrauen verwirkt war mit Sicherheit schon vorbereitet. Sie war also in die Polit-Intrige, wie so oft schon, mit eingespannt.

Wenn das Wann und das Wo fehlt
Gibt es bei Zeitungsreportern ein adäquates Wort zu „Mikrofonhalter“? Vielleicht Zettelabschreiber? „Tintenkleckser“ ist ja schon rein technologisch aus der Mode. Wenn sich ein Schreiber zum Werkzeug machen lässt, nennt das mein Verständnis  von Journalismus publizistische Prostitution. Egal ob für die EPBM oder, wie früher, für die SED-Kreisleitung. Vielleicht kann Elke Höhne gar nicht mehr anders? Ich kenne Fred Hasselmann, den Redaktionsleiter der Zossener Rundschau, als einen sehr engagierten Journalisten. Eigentlich schade, dass er nun über seiner Tür die rote Laterne aufhängen muss. Andererseits- selber schuld, wenn er Leute beschäftigt, die damit überfordert sind, die fünf journalistischen „W“ zu beachten. Das Datum der Sitzung fehlte nämlich in Höhnes Bericht. Wie auch der Name des Internetforums, um das es hier ging, auf welchem also besagte „Geheiminformationen“ nachzulesen sind. So weit geht das journalistische Verständnis von sachlicher Berichterstattung nun auch wieder nicht, dass man die Öffentlichkeit auf klaerwerk-blog.de aufmerksam macht. Da könnte ja jemand auf die Idee kommen, sich eine eigene  Meinung zu bilden.

Magnus Muschiol

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