TF-Landratswahl: Wort zum Sonntag

23. März 2013
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Am 15. Februaer hatten die TF-Piraten zur Kandidaten-Kür im "Waldrestaurant" Rangsdorf eingeladen. Beim Thema Haushaltssanierung ließ SPD-Landratskandidat Gerhard nebenbei den Satz fallen: "Hoffnung ist keine Strategie." Wirklich?
Wie bloß kommt SPD-Generalsekretär Klaus Ness dann – mit Blick auf den Strafbefehl von 25.200 € gegen Gerhard – auf die Idee zu erklären:

  • "Wäre es vorher bekannt gewesen, hätte sich die Partei möglichwerweise anders verhalten. Jetzt müssen wir da aber durch" (Ausriss aus ND vom 22.03.2013)

Was nun? "Hoffnung ist keine Strategie"? Oder doch besser: "Augen zu und durch"? Etwa so, wie in der Großgemeinde Blankenfelde-Mahlow? Gegen Bürgermeisterkandidat Ortwin Baier(SPD) waren bereits vor seiner Nominierung staatsanwaltschaftlich Ermittlungen anhängig – ein kleiner, feiner Unterschied zu den übrigen Kandidaten. Und er wurde 2011 tatsächlich wieder gewählt. Vorstellungen jedoch, dass sich schon bald nach seiner Wahl sämtliche Vorwürfe und Verdachtsmomente in Luft auflösen und die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen einstellen wird, haben sich als illusionär erwiesen. Der Ermittlungskomplex Baier ist nur einer unter vielen. Inzwischen gehen die Untersuchungen der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Korruption Neuruppin im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Untreue und Amtsmißbrauch – sage und schreibe – ins  v i e r t e  Jahr. Man stelle sich vor, die Spezialdemokraten kommen mit dieser "Strategie" erneut durch und gewinnen allen Ernstes die Landratswahl in TF.  
Aus wahlarithmetischer Sicht kann das nur verhindert werden, wenn möglichst viele Empörte die SPD  an der Wahlurne abstrafen. Weil sie sich nicht vorstellen möchten: SPD-Kandidat Gerhard greift 51% der Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von 16%, ab. Ein korrupter SPD-Politiker, demokratisch gewählt? Nichts ist unmöglich!
Andererseits, warum sich nicht auch mal vorstellen: Es ist Landratswahl und keiner geht hin. Machen Sie sich eine schönen Sonntag mit ihren Lieben. Oder gehen Sie mal wieder richtig schön essen mit guten Freunden. Endlich, da sind sie dann wieder, die sinnlichen Momente. Die werden eingetragen ins Poesiealbum des Lebens.
Nebenbei zeigen Sie damit den Politikanten aller Coleur, wie schnelle die Strategie Hoffnung nach dem „ Alles wird gut“-Prinzip in die Hosen gehen kann. Alle bleiben weg. Warum nicht dem SPD-Landratskandidaten Gerhard mal zeigen, wie recht er am 15. Februar mit seinem Spuch hatte: "Hoffnung ist keine Strategie."   
Könnte an dieser Stelle die Frage lohnen: Wenn sich an den Spielregeln nichts ändert und durch eine Wahl nur die Karten neu gemischt werden – ist es dann nicht Banane, ob die Karten durchs gemeine Wahlvolk oder ,mangels Wahlbeteiligung unter 15%, durch den Kreistag neu gemischt werden?  Schon die Chance, dass ein korrupter Kandidat durchaus auch zum Landrat gewählt werden kann, allein die Möglichkeit eines solchen Szenarios wirft ein Schlaglicht auf die Absurdität und Begrenztheit vorgeblich demokratischen  Strukturen. Und zwar unabhängig von halbseidenen Namen und Personen.
Wie auch immer, uns allen einen wunderschönen Sonntag.  

Jörg Blunk

 

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13 Responses to TF-Landratswahl: Wort zum Sonntag

  1. christina schoechert
    24. März 2013 at 18:28

    Hallo an alle Sonntagsmenschen, vielen Dank für die guten Sonntagswünsche und einen Dank an alle, die noch an Fair Leben glauben. Herr G. hat recht "Hoffnung ist keine Strategie" sondern Demokratie beinhaltet Hoffnung auf Fairnis und Gerechtigkeit.

    Mit den besten Sonntagswünschen Chr.Schoechert 

  2. Andreas Trotz
    24. März 2013 at 19:01

    Liveticker Landratswahlen

    Die Site http://www.teltow-flaeming.de im allgemeinen und die Seite auf dieser Plattform, die live über die Zwischenergebnisse berichten wollte, ist down. Auf soche Zugriffszahlen scheint unser Kreisserver nicht ausgelegt zu sein. Peinlich, peinlich. Peinleicht auch vor allem deswegen, weil angedacht ist, demnächst sogar die Kreistagssitzungen live via Cam im Internet zu übertragen. Das kann ja heiter werden…

    Hier muß ich mal die MAZ für ihren Sonntagseinsatz loben: Sie hat einen Liveticker, der jetzt zugänglich ist:

    http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ziel/18843791/

     

  3. Landrat - nein danke
    25. März 2013 at 14:47

    So, da haben wir den Salat.

    Kalinka und Rocher durchgefallen – völlig OK. Eichelbaum ist u.U. Opfer der lahmarschigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geworden. Es muss ja wirklich schwer zu ermitteln sein, ob ein Politiker nun in Jüterbog oder Potsdam wohnt.

    Und Gerhard hätte nie so viele Stimmen erhalten, wenn die Vorwürfe gegen ihn vorher bekannt gewesen wären, weil viele Briefwähler sich dann bestimmt anders entschieden hätten.

    Und nun sieht es so aus, dass wir eine linke Landrätin  bekommen. Da sind aber einige Rechnungen gut aufgegangen.

    Nun fehlt uns nur noch ein Linker Ministerpräsident, dann ist Stolpes Traum von "der kleinen DDR" Wirklichkeit geworden.

    Sowas kann es auch nur in Brandenburg geben.

    • Thomas Breidbach
      25. März 2013 at 17:05

      Ich hoffe darauf, dass die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl unter 15% sinkt und so der Kreistag die Stelle ausschreiben muss. Da Gerhard seine Kandidatur zurückziehen wird, wird das Interesse an der Stichwahl bei einer verbliebenen Kandidatin gering ausfallen. Als Demokrat, der sein Wahlrecht noch als Verpflichtung ansieht, schmerzt diese Hoffnung sehr, aber in Brandenburg ist wirklich einiges außergewöhnlich…

      Meine Bitte an alle Leser: gehen sie bewusst nicht zur Stichwahl, wenn sie eine "Linke" Landrätin nicht wollen.

       

      • Magnus Muschiol
        26. März 2013 at 07:43

        Lieber Thomas Breidbach,

        ich bin immer wieder verwundert darüber, wenn Leute, denen die Inanspruchnahme demokratischer Rechte in Fleisch und Blut übergegangen ist, deren Vereine auf Grund dieser Rechte existieren und sich artikulieren können, dazu aufrufen, eben diese Rechte nicht wahrzunehmen.

        Sie wollen doch nicht allen Ernstes empfehlen, der Wähler solle ruhig zusehen, wie sich die Fraktionen im Landtag unter Führung der korruptionsbelasteten SPD, mit tatkräftiger Unterstützung durch einen mutmaßlichen Wahlbetrüger von der CDU, ihren Landrat auskungeln dürfen.

        Kornelia Wehlan ist nun mal die einzige unbelastete Kandidatin. Natürlich ist die Linke eine Partei, die noch viele Fragen beantworten muss. Aber wir wählen in der Stichwahl keine Partei, sondern eine Person.

        Wenn der BVBB jetzt Wahlabstinenz fordert, dann sieht das so aus, as ob ein Kind schmollt, was nicht zur Party eingeladen ist.

        • Thomas Breidbach
          26. März 2013 at 11:22

          Lieber Herr Muschiol,

          ich spreche nicht für den BVBB, oder eines anderen Vereines. Bitte vermengen Sie das nicht. Bei einer Wahl kann ich mich nur persönlich entscheiden.

          Leider wurden mir von den Parteien nur Personen präsentiert, die ich nicht aktiv mit meiner Stimme unterstützen kann. Ich bin kein Stimmvieh für die  verwegenen Vorstellungen der Parteiverantwortlichen. Auch das muss eine Demokratie ertragen können und vielleicht lernen die Parteien auch daraus, dass man vorbelastete Personen den Wählern in Zukunft nicht mehr zumuten sollte. Meine Hoffnung liegt darin, dass es im Kreistag einen neuen Kandidaten geben wird. Natürlich kungeln die Parteien dann bei der Vergabe dieser Position, aber das haben sie bei der Aufstellung der Kandidaten auch schon gemacht.

          Frau Wehlan ist die einzigste unbelastete Kandidatin, aber das alleine macht sie für mich nicht wählbar.

  4. Matthias Stefke
    26. März 2013 at 08:41

    Sehr geehrter Herr Muschiol,

    Thomas Breidbach hat völlig Recht.

    Am 14. April bleibt einem als verantwortlicher Wähler leider nur die Wahlenthaltung übrig.

    Die Wahlbeteiligung muss in 3 Wochen unter 15 % bleiben, um zu verhindern das Frank Gerhard Landrat wird.

    Die übrigen Parteien werden sich ggü. ihren Anhängern in den nächsten Wochen offen oder verdeckt für Gerhard aussprechen, nur um eine linke Landrätin zu verhindern. Damit ist die Gefahr groß, dass wir bei den korrupten politischen Verhältnissen bleiben, die wir mit der Abwahl von Peer Giesecke glaubten hinter uns gelassen zu haben.

    Es ist ein Stück aus dem Tollhaus was sich die SPD in T-F und in Brandenburg mit diesem Beispiel erlaubt!

    Wer Cornelia Wehlan meint ehrlicher Überzeugung wählen zu können sollte dies meinetwegen tun.

    Ich stelle mir jedoch die Frage, wie lange ist sie bereits Mitglied des Kreistages, in welcher Koalition hat sie mit den Linken in den letzten Jahren dort gesessen, welchen Anteil hat sie an den politischen Zuständen (bspw. an dem grandiosen Haushaltsdesaster), hat sie von all den beklagenswerten Machenschaften nichts mitbekommen oder gar gewusst?

    Ein freundliches Lächeln und ein plakatierter Kosename ist noch keine Gewähr für einen politischen Neuanfang!

    • Maria
      26. März 2013 at 12:41

      Mein Gott, Matthias, Dir fehlten 2011 vielleicht auch nur ein paar Stimmen, weil gut 10.000 Wähler dachten, dass es sowieso egal ist, was sie wählen und sich lieber einen schönen Tag machten.

      • Herr Niemand
        27. März 2013 at 09:46

        Meine Stimme hat Herr Stefke nur bekommen, weil es keine andere Alternative gab. Ich mag nämlich die  belehrende Art überhaupt nicht. Wie man hier lesen kann hat sich daran auch nicht viel geändert.

        Deshalb werde ich erst recht zur Stichwahl gehen und drei mal dürfen sie raten, wer meine Stimme bekommt. Zumindest ist in dieser Partei die Wahrscheinlichkeit von gescheiterten politischen Importen wesentlich geringer.

    • Landrat - nein danke
      26. März 2013 at 16:38

      Es ist schon eine grausige Vorstellung dass Gerhard theoretisch  noch immer Landrat in TF werden könnte. Es ghört sich einfach,  dass er, und das von sich aus, seine Kandidatur zurückzieht, und das nicht nur für die Wahl zum Landrat, sondern auch  von seinem Amt als Bürgermeister von Ludwigsfelde. Punkt.

      • Landrat - nein danke
        27. März 2013 at 14:36

        Wie ich heute der Presse entnehmen konnte, wird Gerhard zur Stichwahl antreten, frei nach dem Motto: Nun ist es auch egal, ich habe nichts mehr zu verlieren!

        Wir haben fast 50 Jahre die SPD gewählt – damit ist jetzt ein für allemal Schluss.

        • Maria
          27. März 2013 at 20:29

          Frank Gerhard braucht sich keine Sorgen zu machen. Durch sein kurzes Intermezzo beim Bundesrechnungshof hat er eine Rückfahrkarte in den Berufsbeamtenstatus. Solche Leute sichern sich ab.

      • Walko
        27. März 2013 at 20:21

        Kein Wunder, das die Moral in Deutschland immer weiter sinkt. Bei diesen "Vorbildern".

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