Störsender TV

6. April 2013
Von

Dieter Hildebrandt will wieder stören. Die Politik, die Obrigkeit und prinzipiell alle, die sich gegen die Demokratie wenden. Der 85-Jährige sendet künftig mit gewohnt scharfer Zunge und humorvoll-politischen Kommentaren nicht etwa im Fernsehen, sondern im Internet – und alle sollen mitmachen.

Störsender.tv heißt das Projekt, das ab sofort und für zunächst 20 Episoden immer vierzehntägig im Netz erscheint. 150.000 Euro hatten die Macher um Hildebrandt und den Journalisten Stefan Hanitzsch dafür im Dezember auf der Crowdfunding-Plattform Startnext gesammelt. Geld, das vor allem in den Inhalt fließt: Abgesehen vom Produktionsteam und Redakteur Hanitzsch verzichten Hildebrandt und andere Künstler, die in der Show auftreten, auf eine Gage. Die Liste der Gäste ist trotzdem lang: Georg Schramm, Gerhard Polt, Erwin Pelzig und Urban Priol haben sich bereits angekündigt oder wollen das Projekt finanziell unterstützt.

Vierzig Minuten dauert die erste Folge, die am Osterwochenende Premiere feierte. “Finanzkasinokapitalismus” lautet das Thema und befasst sich dabei vorrangig mit dem Bank- und Finanzsystem im Rahmen der Krise. Kein neues Thema, aber eines, an dem man sich vorzüglich stören kann.
“Die Leute zahlen Gebühren, weil sie es gewohnt sind. Es dauert länger bis sie merken, dass ihnen das Fernsehen gar nicht mehr das liefert, was sie für die Gebühren verlangen könnten,”- so Dieter Hildebrandt.
Gebühren fallen für den Störsender nicht an. Aber es gibt die Möglichkeit auf eine Premium-Mitgliedschaft. Jeder Unterstützer der Spendenaktion bekommt die neuen Shows bereits drei Tage eher und in HD-Qualität zur Verfügung gestellt. Neue Unterstützer sind mit 66 Euro für ein Jahresabonnement dabei. Rund 2.000 bezahlende Abonnenten zählt Störsender bereits zum Sendestart. Und dazu gehören nicht nur junge Menschen. Im Gegenteil, wie der Tagesspiegel schreibt, könnten Hildebrandt und der Störsender “für Kabarettfans in fortgeschrittenem Alter zu Internetbotschaftern werden”. Doch am Ende ist es wohl egal, wer zu den Zuschauern zählt. Hauptsache ist, sie stören mit.

 

Print Friendly, PDF & Email

Artikel zum Thema

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.