Wie sich „Klein Fritzchen“ das „Fair Leben vorstellt

5. Juni 2013
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Wann endlich schiebt der Landesrechnungshof diesem Schwachsinn, dieser gigantisch angelegten Verschwendung von Steuergeldern einen Riegel vor ?
 

Wer heute einen Blick in die Morgenzeitung "Zossener Rundschau"  geworfen und die einzelnen Aufsätze mit Sinn und Verstand gelesen hat, musste sich sicherlich die Augen reiben und seine Politikverdrossenheit zügeln, um zu begreifen, was sich geistig hoch stehende Hirne da wieder ausgedacht haben, um die vom Lärm betroffenen Menschen in unserer Region erneut für dumm verkaufen zu wollen.

Da hat man aus der Diskussion der kürzlich stattgefundenen Beratung des Flughafenausschusses Blankenfeldes, in der heftig und sehr kontro-vers genau diese Problematik diskutiert und den Verfechtern des Projekts „FairLeben“ sehr deutlich klar gemacht worden ist, wie wenig „fair“ das künftige Leben in den Flugschneisen des unrühmlichen Flug-hafens BER – bei Anwendung der bestmöglichen Schallschutzmaß-nahmen – zu erwarten ist, offensichtlich nichts gelernt.

Man glaubt immer noch – und ist bereit, für diesen Schwachsinn Unsum-men von Steuergeldern zu verprassen – dass man den falsch gewählten Standort dieses „Fluchhafens“ dadurch kaschieren könne, dass man jetzt zumindest Teile des Wohngebietes von Blankenfelde durch sehr aufwendige Glasdachkonstruktionen „überdachen“ und dadurch von Außenlärm – und gleich auch noch vom kompletten Außenklima – abschotten kann.

Dabei ist noch gar nicht gesagt worden, wie teuer letztendlich solche Vorhaben nach Ihrer Realisierung werden können und wissend, wie jetzt schon bei den vergleichsweise „geringen“ Kosten für den geplanten individuellen Schallschutz um jeden Euro „gefeilscht“ wird.

Es mögen ja theoretisch sehr interessante Aspekte eines derartigen „Treibhauskonzeptes“ zu erforschen sein, vor allen Dingen dann, wenn es reiche Sponsoren gibt, die nicht so sehr auf eine Million mehr oder weniger bedacht sein müssen; aber für den schon jetzt durch „Mangel an Masse“ gebeutelten Steuerzahler gilt das selbstverständlich solange nicht, bis endlich einmal die nötigsten Vorhaben für die Allgemeinheit realisiert und finanziert sind wie z.B. notwendige Straßeninstandhaltung, Kitaplätze usw.  

Außerdem sind m.E. grundsätzliche Probleme eines derartigen Vorhabens entweder nicht angesprochen worden, um die Menschen hier nicht zu verunsichern, oder sie sind bisher ganz einfach von den Initiatoren dieser Vorhaben nicht durchdacht worden. Einige Probleme dieser Art sollen deshalb kurz angesprochen werden.

Eine so geplante Einhausung ganzer Wohnviertel ist und bleibt eine „Käfighaltung“ der geplagten Menschen, wenn auch relativ komfortabel; aber so oder so abgeschnitten von der realen Natur mit ihrer leicht bewegten, frischen Luft, dem Gesang der Vögel und auch dem erfrischenden Regen, wenn es sich nicht gerade um ein Unwetter handelt. 

Die schallharten Glasdachelemente liefern insbesondere im Sommer den „Treibhauseffekt“, d.h. den Effekt einer Aufheizung des Innenraum-bereiches, so dass ein verhältnismäßig angenehmes Innenraumklima unter dem Glaskäfig nur durch eine aufwendige Klimatisierungsanlage erreicht werden kann. Dazu gehört eine entsprechende, schallgedämmte Be- und Entlüftung und eine notwendige Luftbefeuchtung, die für derart große Räume nur sehr aufwendig betrieben und gewartet werden kann.

Hat man sich darüber Gedanken gemacht, durch wen, wie oft und unter welchen Randbedingungen diese großen Glasflächen gesäubert werden sollen. Staub, Abgasrückstände des Luftverkehrs, im Herbst besonders das Laub der Bäume und im Frühjahr der Blütenstaub der Pflanzen außerhalb dieser Gebäudehüllen werden – in Verbindung mit dem Regenwasser – zu einer schmierigen Oberfläche führen, die aufwendig, sicher zumeist manuell gereinigt werden muss ?

Hat man sich darüber Gedanken gemacht, dass im Winter u.U. tonnenschwere Schneelasten auf diesen Dachflächen liegen können, die nicht nur eine hohe mechanische Belastung dieser Dachkonstruktionen verursachen, sondern auch sehr stabile Tragsysteme erfordern ?

Hat man sich Gedanken darüber gemacht, dass diese Schneelasten außerdem den gesamten Innenraum verdunkeln können, so dass entweder aufwendige Heizsysteme zum permanenten Abtauen der Schneebedeckung erforderlich werden, oder dass dann Tag und Nacht ein Leben im Dunkeln stattfinden muss, das nur durch aufwendige Beleuchtungssysteme halbwegs kompensiert werden kann, wobei diese künstliche Beleuchtung nicht gerade eine naturnahe Außenbereichs-situation ersetzen kann ?

Wie stellt man sich bei größeren Komplexen dieser Art die Abwicklung des Individualverkehrs mit Motorfahrzeugen vor, deren Abgase ja auch sofort „entsorgt“ werden müssten, wenn man nicht alle Anwohner vergiften will ?

So gibt es viele Fragen und jetzt schon sichtbare Probleme, die zeigen, dass es keinen Ersatz für eine friedliche, natürliche und lebenswerte Umwelt durch wie auch gestaltete “Käfige“ geben kann, die ein „faires Leben“ ermöglichen. 

Es gibt keine Alternative für ein menschenwürdiges Leben in unmittelbarer Nähe eines Flughafens, solange die geplanten Flugbewegungen „ungebremst“ über die dichtbesiedelten Gebiete flughafennaher Ortschaften, über Natur- und insbesondere Vogelschutz-gebiete sowie über Naherholungs- und Trinkwasserschutzgebiete hinwegführen und die Gier der Flugverkehrslobby keine Grenzen kennt, ihren wirtschaftlichen Vorteil ohne jegliche Rücksichtnahme über den im Grundgesetz „vollmundig“ verankerten Schutz von Mensch und Natur zu stellen.   

Prof. Dr.-Ing. habil. E. Augustin

 


Akademische Höflinge: Wenn Professoren und Studenten simulieren … Ausriss Maz 5. Juni 2013

 

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2 Responses to Wie sich „Klein Fritzchen“ das „Fair Leben vorstellt

  1. Hannelore Pappschik
    29. August 2013 at 16:01

    Lieber Prof. Augustin,

    ja, Wunder gibt es immer wieder. Nun werden die Gemeindevertreter sicher heute beschließen, dass sie Abstand von dem Projekt nehmen werden.
    Ist es wichtig, darauf noch einmal einzugehen? Eigentlich sollten wir es schnell, ganz schnell vergessen. Was hat uns aber der ganze „Spass“, außer Zeit und Nerven, gekostet? Das wäre wichtig, den Bürgern darüber zu informieren. Wie kam es zu dieser „Erleuchtung“, von diesem Projekt Abstand zu nehmen? Vielleicht erhalten wir und die Bürger heute Abend schon darauf eine Antwort. In der Beschlußvorlage heißt es u.a.: „…stellte sich allerdings heraus, dass eine unmittelbare Beauftragung des Projektsteurers GIZ und der bereits tätigen Projektpartner vergaberechtlich und haushaltsrechtlich nicht möglich ist“ (wer war der Projektsteurer?). Na bitte!
    Seit 2010 wurde versucht, FairLeben „durchzuboxen“. Nun wurde festgestellt, dass es nicht rechtlich ist. Ich mag einfach darüber nicht mehr reden, nachdenken, diskutieren. Ich bin einfach froh, dass endlich dieser „Schwachsinn“ gestoppt wurde.

    • Kati Rose
      30. August 2013 at 15:08

      „Ich mag einfach nicht mehr darüber reden“
      Nein, das ist nicht der richtige Weg. Ein System von Demokratieverformung kann man nur bekämpfen, wenn man es genau analysiert. Und immer wieder die Fehler laut wiederholt, die gemacht werden. Als Volksvertreter sind Sie dazu sogar verpflichtet, wenn es schon das eigene Gewissen nicht gebietet.
      Ich hätte allerdings Achtung vor Ihrer Entscheidung, wenn Sie sagen, sie seien dazu zu müde.

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