BER: Zur Diskussion über die dramatischen Folgen einer 3. Start-u. Landebahn

24. Februar 2014
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Die Diskussion um eine dritte Start- und Landebahn in der Gemeindevertretung von Blankenfelde hat Wellen geschlagen. Und das ist gut so. Doch SPD-Entwurf hin, BVBB-Entwurf her, SPD-Interessen und Bürgerinteressen? Zusammenflicken, was nicht zusammengehört? Nach allen Erfahrungen mit der SPD von Stolpe über Platzeck bis Bretschneider – Woidke? Erfahrungen jedenfalls sind eine bessere Leitplanke für die Zukunft als Hoffnungen, Erwartungen und Wunschvorstellungen. Wir wissen nicht immer zu schätzen, was uns die eigenen Erfahrungen bedeuten. Wir schlagen sie gerne in den Wind – und uns mit Blindheit. Parteipoliker sehen das und macht weiter, als gäbe es unsere Erfahrung nicht. Sie fürchten, wir könnten unsere Erfahrung ins Feld führen und zur Einsicht gelangen, dass es so ganz anders bestellt werden müsste. Auch die einschlägigen SPD-Genossen wissen gut, Machtausübung ist am besten möglich, wo die betroffene Menschen von ihren gemeinsamen Erfahrungen isoliert und abgeschnitten werden. Das Prinzip Teile und Herrsche! Ein „Spiel“ das seit Jahrtausenden bekannt ist.

Den BER von 100 auf Null auf direktem Weg kaputt zu machen, darum geht er nicht. Insofern muss niemand taktische Umwege gehen sondern kann zumindest das Gleiche fordern, wie seinerzeit die SPD selbst als Ausweg aus der Krise falsche Standort-Wahl. (SPD-Plan gegen Fluglärm aus den 90iger Jahre.pdf). Noch dazu mit Blick auf die Kommunalwahlen im Mai 2014. Um der eigenen Glaubwürdigkeit wegen, auch beim gelegentlichen Tanzen auf Nebenschauplätzen, gilt es klar zustellen, wo man tanzt.(Erklärung der Fraktion BVBB-WG) Beteuerungen allerdings auf Seiten der Bürgerfraktione, wie auch auf Seiten der SPD, das Thema BER sei zu wichtig für die Gemeinde, um damit Wahlkampf zu machen, kommen eher einfältig daher. Alles, was in diesem Zusammenhang gesagt oder unter den Tisch fallen gelassen wird, ist Wahlkampf!

Ein Blick auf die Lärmkarte zeigt, dass sämtliche Ortsteile der Großgemeinde schon jetzt massiv verlärmt werden. Was an der 3. Piste dramatischer sein soll – als an den beiden ersten (die ja seinerzeit zum Absiedlungsbeschluss führten) – ist nicht nachvollziehbar. Wenn man sich auf Seite 24  einen dritten Strich denkt  – unter die beiden eingezeichneten Pisten, was folgt daraus? Zunächst muss geklärt sein welche Lage im Raum die 3. Piste bekommen soll. Im Achsabstand zur jetzigen Südpiste mit 1,9 bis 2,4 km? Soll sie gegenüber der Südpiste nach Osten oder Westen, dann um wie viel Meter versetzt werden. In jedem Fall hängt eine theoretisch denkbare Mehrbelastung des Gemeindegebietes auch  von der Lage und der betrieblichen Nutzung ab. Klar ist, dass mit der 3. Piste noch jungfräuliche Regionen im Osten, Westen und Süden, vor allem außerhalb des Gemeindegebietes, betroffen sein werden – wenn die Piste südlich gebaut wird. Je nach Nutzung kann sie sogar zu einer Entlastung des Gemeindegebietes führen. Jede Landung auf dieser Piste und alle Abflüge in Richtung Südwest oder Osten werden kaum eine bedenkliche Lärmquelle für das Gemeindegebiet sein. Wenn überhaupt, dann für Rangsdorf und Zeuthen. Dort müsse man in Panik geraten. Denkbar ist auch, dass alle Nachtflüge auf dieser 3. Piste stattfinden. Das würde auch eine Entlastung, vor allem für alle Ortsteile östlich von Dahlewitz bedeuten. So lange kann man hinsichtlich der Auswirkungen einer 3. Piste auf das Gemeindegebiet überhaupt noch nichts  sagen.

Es bleibt schleierhaft, wieso nun gegen diese 3. Piste gekämpft werden soll, nachdem  in Sachen Standort (Pisten 1+2) und der für jeden Laien erkennbaren Totalbelastung des gesamten Gemeindegebietes nichts Entscheidendes passiert ist. Jetzt soll auf einmal eine 3. Piste, die am weitesten vom Gemeindegebiet weg liegt, die dramatischsten Folgen für das Gemeindegebiet haben? Diese Gemeinde ist seinerzeit auch und vor allem durch die SPD und die Schutzgemeinschaft (dominiert durch SPD-Bürgermeister)  in die Scheindebatte Flugrouten und anschließend in die Scheindebatte Nachtflug gezogen worden – Hauptsache Stillhalten zum Standort und jetzt soll sie durch eine Piste-Debatte wachgerüttelt werden?

Wo stehen wir? Keine maßgebliche Behörde in Brandenburg interessiert sich dafür, ob der Lärmschutz bei den Bürgern ankommt. Und keine wird sich für die Probleme der am meisten Betroffenen  interessieren, wenn die Wirtschaftslobby eine 3. Piste braucht. Es drängt sich das Fazit auf: Parteizentralen bilanzieren in Wählerstimmen. Und so lange in Blankenfelde-Mahlow genügend Trottel herum laufen, die wieder SPD wählen, wird sich im Hinblick auf die im Kommunalparlament geführten Debatten nichts Entscheidendes ändern.

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4 Responses to BER: Zur Diskussion über die dramatischen Folgen einer 3. Start-u. Landebahn

  1. Ferdi Breidbach
    27. Februar 2014 at 09:15

    Glückwunsch! In der Sache unwiderlegbar richtig beschrieben. Die kommende 3. Piste ist für die Gemeinde eher eine Entlastung denn eine Belastung. Sie führt zur „Aufteilung“ von An – und Abflug, zur Entlastung der vorhandene 2 Pisten und bietet die Möglichkeit über ein An-und Abflugbelegungsmanagement temporär Regionen von Fluglärm zu entlasten.
    Mit den behaupteten „dramatischen Folgen“ dieser Piste, für die Gemeinde, wird vor dem Kommunalwahlkampf eine Entlastung für SPD, CDU, Grüne und Linke gefahren. Die bisher praktizierten Ablenkungsthemen von Nachtflugverbot bis über „richtige Flugrouten“ sind wohl in Absicht und Sinnlosigkeit als Problemlöser so unglaubwürdig wie Alle die diese Themen als Mittel des Volksbetrugs gesponseret haben. Es ging den Parteien, ihren Mitgliedern und Funktionsträgern, dem SPD – Bürgermeister, in 15 Jahren nur immer darum jede wirkliche Streitkultur zu unterbinden, den möglichen Widerstand zuzerteilen und den BER an seinem Standort zum Nutz und Frommen parteipolitischer Interessen zu verteidigen.
    Die jetzt aufgezogene Diskussion um die 3. Piste hat nur ein Ziel: Ablenkung vom tatsächlichen Problem,dem Standort und 2 Pisten die Auswirkungen direkt über das Gemeindgebiet haben und die Gemeinde als Wohngebiet kaputt machen.Dann auch noch um Ablenkung von der unrühmlichen Flughafenvergangenheit dieser Parteien die die Verantwortung für die Totalverlärmung der Mahlower, Blankenfelder und Dahlewitzer vergessen machen wollen. Jedes einzelne Mitglied dieser Parteien, jeder Gemeindevertrter mit Parteibuch dieser Partien, an der Spitze der SPD – Bürgermeister, sind verantwortlich für den Flughafenstandort und den Fluglärm über dem Gemeindegebiet. Sie haben ihrer Landesregierung, ihren Landespolitikern nichts entgegengesetzt was sie an ihrem Frevel gehindert hätte. Es waren Wattebäuschen da wo nur massivster Protest bis hin zu Straßenblockaden geholfen hätte. Inerparteilich dazu die Weigerung Figuren nicht zu wählen die den Bau und Betrieb des Desaster – Projektes durch setzen wollten.Für diese Figuren hat man Plakate aufgehängt und Wahlkampfveranstaltungen durchgeführt. Weil sie dies getan haben und versäumten das Richtige zu tun, haben sie in der Politik nichts mehr zu suchen und fallen als gute Nachbarn wegen Zerstörung von Zusammenleben aus.Wer seinen Nachbarn krank macht,seine Immobilie entwertet, auch durch Duldung, ist kein Nachbar sondern ein Schädling für nachbarschaftliches Zusammenleben!
    Man kann sich nach dieser Vergangenheit, der Verantwortungslosigkeit, nur noch wundern mit welcher Frechheit nun mit dem Thema 3. Piste wieder eine Ablenkungsthema transportiert wird um die Betroffenen dumm zu halten, von der Tatsache abzulenken, dass man nichts getan hat um die 2 Pisten zu verhindern die die Verlärmung der Gemeinde sichern.Gegen diese Verlärmung nun als Problemlösung auch noch einen Lärmschutz zu propagieren ohne dazu zu sagen, dass der Lärm bleibt, die Lebensbedingungen in lärmgeschützen Häusern unnatürlich sind, ist auch zynisch. Zumindest wird hier eine Verschlimmbesserung der Wohnsituation propagiert die im Außenbereich wirklich dramatisch ist. Wer sich dazu noch „rein zieht“ unter welchen Bedinungen die Kinder in Horten, KITAS und Schulen leben sollen, wie sie fluglärmkrank gemacht werden, der wird vor allen Verantwortlichen, auch solchen in der Gemeinde, nur noch ausspucken können.
    Es gehören schon bestimmte Charaktereigenschaften dazu sich trotz des schuldhaften Verhaltens wählbar gegenüber den Menschen zu machen denen man schwersten, auch gesundheitlichen Schaden, durch eigene Versäumnisse zugefügt hat. Es gehört schon Dummheit oder masochistische Veranlagung dazu solchen Verantwortungslosen auch noch durch Stimmabgabe oder Profilierungsangeboten in Ämter zu hieven damit sie ihr Unwesen auch weiter treiben können. Vielleicht kommt ja das richtige Verhalten der Betrogenen, wenn der Flugbetrieb vom BER wirklich kommt. Mal sehen, wer dann auswandert um den Folgen, auch solche die er selber angezettelt hat, zu entgehen. Das wird etwas!
    Ferdi Breidbach

  2. Gerrit Schrader
    27. Februar 2014 at 11:20

    Alles richtig! Die Diskussion um die dritte Piste kann nur zwei Ziele haben: 1) Nun endlich den Aufstand gegen „die da oben“, die das alles angerichtet haben, zu organisieren (der Maidan lässt grüssen) und 2) „Denen da oben“ vor Augen zu führen, dass ihr BER keine Entwicklungsperspektive hat und deshalb ein neuer Standort her muss, der Anrainer nicht krank macht und sie in den vorzeitigen Tod treibt. Wer das ignoriert, unterscheidet sich in seinem Menschheitsbild nicht von den Machthabern im Dritten Reich, die den Einzelnen nur zum Funktionsobjekt ihrer eigenen Machtpolitik degradierten. Insofern ist die Verhinderung der dritten Bahn nicht die Lösung, sondern nur Mittel zum Zweck, um das eigentliche Ziel, die Aufgabe des BER am Standort Schönefeld zu beschleunigen.

  3. Gerrit Schrader
    27. Februar 2014 at 11:33

    Nachtrag: Aktueller Antrag der Piraten im Abgeordnetenhaus von Berlin

    1. Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:
    2. Das Abgeordnetenhaus von Berlin lehnt den Bau einer dritten Start- und Landebahn am Standort Schönefeld ab.

    https://redmine.piratenfraktion-berlin.de/issues/9435

  4. Matthias Stefke
    27. Februar 2014 at 12:01

    Und deshalb darf die SPD in Blankenfelde – Mahlow keinen Stich mehr bekommen.
    Kollege Bernd Habermann muss sich die Frage stellen, ob er für diese Partei wirklich nochmal antreten will?

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